Claude Code Projects heißt die neue Fassung von Anthropics Projekt-Funktion, und seit dem 17. September 2026 ist ein Projekt kein Ordner für Chats mehr, sondern ein einziges Gespräch, aus dem Claude selbst parallele Arbeits-Threads startet. Wer in der Projekt-Konversation einen Preistest, einen langsamen Kaltstart und einen Fehler im Bezahlvorgang meldet, bekommt drei Threads, die gleichzeitig laufen. Jeder Thread ist eine Cloud Session von Claude Code und arbeitet weiter, wenn der Laptop längst zu ist. Die neue Fassung startet als öffentliche Beta für Pro– und Max-Abos in der Desktop-App und unter claude.ai/code, zunächst nur für einen Teil der Nutzer.
Die Ankündigung kam per Thread des Accounts ClaudeDevs auf X, per Blogbeitrag „Projects redesigned: from folder to conversation“ und mit einer ausführlichen Dokumentation zu Projects in Claude Code. Cursor hat am 10. September ein Produkt mit demselben Namen und demselben Koordinator-Ansatz gestartet, dazu unten mehr.
Today we’re rolling out Projects in Claude Code on desktop and web.
— ClaudeDevs (@ClaudeDevs) September 17, 2026
A project is one conversation with Claude. It splits the work into threads itself, runs them as parallel cloud sessions, passes context between them, and keeps going when you leave.
In beta for select users.
Koordinator und Threads: So ist ein Projekt aufgebaut
Ein Projekt besteht aus einer Konversation, in der Claude als Koordinator arbeitet, und aus den Threads, die er dafür startet. Der Koordinator nimmt jede Nachricht entgegen und entscheidet, was daraus wird. Eine kurze Frage beantwortet er direkt. Neue Arbeit geht in einen neuen Thread oder in einen Thread, der schon in dem Bereich arbeitet, und Claude nennt jeweils, welchen. Mehrere unverbundene Aufgaben in einer Nachricht werden mehrere Threads. Der Koordinator sieht nur, was die Threads zurückmelden, nicht jeden einzelnen Schritt.
Jeder Thread ist eine eigene Cloud Session mit eigenem Kontextfenster. Er klont die Repositories des Projekts in eine eigene Sandbox, arbeitet auf einem eigenen Branch, öffnet bei Bedarf einen Pull Request und meldet sich am Ende in der Konversation zurück. Arbeiten zwei Threads am selben Code, entsteht laut Anthropic ein normaler Merge-Konflikt wie bei jedem anderen PR. Ein Thread darf seine Aufgabe selbst weiter zerlegen, mit Subagenten, Schleifen und Workflows.
Beim Start bekommt jeder Thread dasselbe Paket mit:
- die Repositories und Dateien des Projekts plus Projektanweisungen und Projektgedächtnis
- die
CLAUDE.md, Skills und Plugins aus jedem Repository; bei genau einem Repository auch dessen Berechtigungsregeln und Hooks - die Connectors des claude.ai-Kontos, MCP-Server müssen also als Connector verbunden sein
- eine Cloud-Umgebung mit Netzwerkzugriff, Umgebungsvariablen, API-Schlüsseln und installierten Tools
Was auf dem eigenen Rechner in Claude Code eingerichtet ist, kennt ein Thread nicht. Ein Projekt benötigt auch kein Repository. Wer einen Ordner voller Verträge oder einen Ticket-Export hochlädt, bekommt die Auswertungen als Dateien im Reiter Library. Anthropic beschreibt die Rolle des Nutzers im Blogbeitrag so:
Brief Claude in the project the way you’d brief a chief of staff and it routes work to new or pre-existing threads.Anthropic, Ankündigung „Projects redesigned“ vom 17. September 2026
Das 83 Sekunden lange Video auf dem YouTube-Kanal von Claude zeigt den Ablauf an einem Projekt über eine Woche. Jede Anfrage öffnet rechts einen Thread, darunter sammeln sich Gedächtnis, Entscheidungen und Ergebnisse.
Overview zeigt, was auf Sie wartet
Das Fenster Overview sortiert alle Threads eines Projekts in sechs Gruppen, und die Gruppe Waiting on you ist die, die nach dem Zurückkommen zuerst zählt. Dort stehen Threads, die eine Antwort oder eine Freigabe benötigen oder gescheitert sind. Die Reiter daneben heißen Threads, Library, Pull requests und Routines.
| Gruppe | Was darin liegt |
|---|---|
| Ready for review | Threads, deren Pull Request offen ist und auf Prüfung wartet |
| Waiting on you | Threads, die eine Antwort oder Freigabe benötigen oder gescheitert sind |
| Working | Threads, die noch laufen |
| Landing | Threads, deren Pull Request freigegeben oder zum Merge eingereiht ist |
| Idle | Threads, die fertig sind und auf nichts warten |
| Resolved | Threads, die als erledigt markiert sind. Das macht der Nutzer über das Menü, Claude nach dem letzten Schritt wie dem Merge, oder es passiert automatisch nach einer Woche ohne Aktivität |
Öffnet ein Thread einen Pull Request, dann auf einem neuen Branch vom Standard-Branch des Repositories. Der Thread beobachtet den PR anschließend mit eingeschalteter Auto-fix-Funktion, und zwar unabhängig davon, ob Auto-fix für die übrigen Cloud Sessions des Kontos aktiv ist. Schlägt die CI fehl oder kommt ein Review-Kommentar, wacht der Thread auf. Auf der Thread-Karte liegen dafür die Knöpfe Resolve conflicts, Fix CI, Address comments, Merge it und Review PR.
Manchmal startet Claude Threads nicht, sondern schlägt sie in einer Liste Suggested threads vor. Ein Pfeil startet einen Vorschlag, ein Knopf unter der Liste alle zusammen. Threads laufen im Auto-Modus, sofern ihr Modell ihn unterstützt, und die meisten Tool-Aufrufe benötigen also keine Erlaubnis. Fragt ein Thread doch nach, steht die Rückfrage im Thread selbst, und ein „mach weiter“ im Projektgespräch kommt dort nicht an.
Beta nur für Pro und Max: Voraussetzungen und Rollout
Am ersten Tag erreicht die Beta nur Pro- und Max-Konten, die bereits Cloud Sessions genutzt haben und noch kein Projekt in Chat oder Cowork angelegt hatten. Wer Projects schon nutzt, kommt laut ClaudeDevs „etwas später“ dran, damit die bestehenden Projekte vollständig umziehen. Team- und Enterprise-Pläne sind noch ausgeschlossen. Fehlt der Eintrag Projects in der Seitenleiste, hat der Rollout das Konto nicht erreicht, und Anthropic verweist auf eine Warteliste für Claude Projects.
| Zeitpunkt | Wer bekommt die neuen Projects |
|---|---|
| 17. September 2026 | Ausgewählte Pro- und Max-Abos mit Cloud-Session-Erfahrung und ohne bestehende Projekte, nur in Claude Code (Desktop-App und claude.ai/code) |
| Folgende Woche | Weitere Claude-Code-Nutzer auf Pro und Max |
| Danach | Alle Bereiche von Claude (Chat und Cowork) sowie Team- und Enterprise-Pläne; bestehende Projekte werden dann umgestellt |
| Angekündigt, ohne Datum | Threads, die lokal auf dem eigenen Rechner laufen, „very soon“ laut Anthropic |
Für Code-Projekte gilt eine zweite Hürde. Das Repository muss auf github.com liegen, nicht auf GitHub Enterprise Server, GitLab oder Bitbucket. Das verbundene GitHub-Konto benötigt Push-Rechte, und die Claude GitHub App muss auf dem Repository installiert sein. Das Token aus dem Befehl /web-setup reicht für andere Cloud Sessions, für Projekt-Threads nicht. In GitHub-Organisationen darf nur ein Organization Owner die App installieren. Bei SAML‑SSO muss GitHub neu verbunden werden. Läuft ein Projekt ohne Code, entfällt das alles.
Die Funktion gibt es nur in der Desktop-App und im Browser. Das Terminal-CLI kennt keine Projekte, und über Amazon Bedrock, die Google Cloud Agent Platform oder Microsoft Foundry laufen Threads nicht. Der CLI-Befehl claude project hat damit nichts zu tun, er verwaltet lokale Einstellungen eines Verzeichnisses.
Anweisungen, Gedächtnis, Bibliothek: Was Claude im Projekt behält
Die Projektanweisungen sind das Briefing, mit dem jeder neue Thread startet, und Anthropic empfiehlt, sie vor dem ersten Arbeitspaket zu schreiben. Sie liegen unter Project settings, Memory, Project instructions und dürfen bis zu 16.000 Zeichen lang sein. Dort steht, wofür das Projekt da ist, in welchen Repositories und ab welchem Branch gearbeitet wird, wie ein Thread seine Arbeit prüft, was er tut, wenn etwas fehlt, und was eine Freigabe benötigt. Anthropics eigenes Beispiel aus der Doku lässt sich direkt übernehmen:
This project holds p95 latency for the payments API under 200 ms: profiling, query and caching fixes, and the dependency upgrades that come with them, in the payments-api repository.
- Branch from main and open one draft pull request per thread.
- Before you call work done, run `make test` and `make lint` and paste the summary lines in your final message.
- If you can't reach something you need, such as a repository, a secret, an API, or a connector, say exactly what's missing in your first message and stop. Don't substitute, mock, or guess.
- Don't merge, force-push, or change CI configuration without asking me in the thread. Regeln zu einem einzelnen Repository, z. B. Build-Befehle, gehören weiter in dessen CLAUDE.md, die jeder Thread liest. Korrigiert man einen Thread, soll man Claude direkt bitten, sich die Korrektur zu merken. Sie landet dann im Projektgedächtnis, und spätere Threads starten damit. Laut Blogbeitrag merkt sich Claude auf diesem Weg z. B., dass der Release auf Freitag verschoben wurde, warum der Export gestrichen ist oder wen man vor Änderungen am Billing-Service fragt. Auch Arbeitsvorlieben speichert Claude von allein, wenn man sie im Gespräch nennt:
- „Propose threads and wait for my go-ahead before starting them“ oder „Start these now without asking me to confirm“
- „Run at most two threads at a time“ oder „Reuse an existing thread for follow-ups in the same area“
- „Only post when something finishes or is blocked“
- „Do this task with a smaller model“
- „Don’t open a pull request until I’ve seen the plan“
- „Answer that here instead of starting a thread“
Solche Vorgaben sind Anweisungen, an die Claude sich hält, keine erzwungenen Einstellungen. Ein so gesetztes Thread-Limit ist deshalb keine harte Obergrenze. Kontextfenster verwaltet man in einem Projekt nicht mehr selbst. Threads komprimieren ihren Verlauf automatisch, und die Konversation arbeitet mit den letzten Nachrichten, den letzten Threads und dem Projektgedächtnis statt mit ihrer ganzen Geschichte. Was nie verloren gehen darf, gehört deshalb ins Gedächtnis. Die Library sammelt daneben alle hochgeladenen Dateien und alles, was Threads erzeugt haben.
200 Threads pro Tag: Limits und was das Abo kostet
Eine feste Zahl gleichzeitiger Threads gibt es nicht, Claude startet so viele, wie die Arbeit verlangt. Die einzige harte Grenze liegt bei 200 neuen Threads pro Tag über alle Projekte eines Kontos. Ein Projekt kostet nichts extra und rechnet auf dieselben Plan-Limits wie jede andere Claude-Code-Session ab, für die Cloud-VM fällt laut Anthropic keine eigene Rechengebühr an. Über die Limits hinaus arbeitet ein Projekt nur, wenn im Konto Nutzungsguthaben aktiviert ist, und einschalten kann ein Thread das nicht selbst.
Laut Anthropic ziehen drei Posten am Kontingent. Laufende Threads, denn jeder ist eine vollwertige Claude-Code-Session. Die Konversation selbst, weil der Koordinator eigene Token verbraucht, wenn er Berichte liest und den nächsten Schritt plant. Und Threads, die einen Pull Request beobachten, weil sie bei CI-Fehlern und Review-Kommentaren wieder anspringen. Ein Projekt ohne laufende Threads, ohne beobachtete PRs und ohne neue Nachrichten verbraucht nichts, ein archiviertes Projekt ebenfalls nicht.
Die Voreinstellung ist laut Doku die Variante, die das Kontingent am schnellsten aufbraucht. Ein neues Projekt läuft überall mit Opus, die Threads mit hoher Effort-Stufe, die Konversation mit niedriger. Anthropic schreibt selbst, dass ein Projekt die Limits schneller aufbraucht als eine einzelne Session und dass Pro-Nutzer an Projekttagen früher am Limit sind. Modell und Effort lassen sich unter Project settings, General getrennt für Threads und Koordinator umstellen, und die Doku rät, das vor dem ersten großen Arbeitspaket zu prüfen. Erreicht ein Thread das Fünf-Stunden- oder das Wochenlimit, versucht er es von allein erneut und läuft nach dem Reset weiter. Ein Follow-up an einen Thread, der länger als eine Stunde untätig war, liest erst dessen kompletten Verlauf neu ein, bevor er etwas tut.
Die Kostenfrage ist auch der Aufhänger der ersten Berichterstattung. Amanda Caswell titelt bei The New Stack, die Funktion könne das Kontingent „vor dem Mittagessen“ leeren, und verweist auf die in der Vorwoche erweiterte Sammelklage gegen die Max-Pläne. Anthropic hatte erst am 14. September das Wochenlimit von Claude Code neu berechnet. Wer die Limits schonen will, findet die Spartricks für das Claude-Code-Abo im eigenen Ratgeber; für Projekte kommen kleinere Thread-Modelle und weniger beobachtete PRs hinzu.
Sandbox in der Cloud: Netzwerk, Schlüssel und verlorene Änderungen
Jeder Thread läuft in einer isolierten virtuellen Maschine, die Anthropic betreibt, und die Sandbox pausiert zwischen zwei Zügen. Lässt sie sich nicht fortsetzen, arbeitet der Thread aus einem frischen Klon weiter, und nicht übertragene Änderungen sind weg. Anthropic rät deshalb, bei langen Aufgaben um Zwischen-Commits und Pushes zu bitten. Die Doku zu den Cloud-Umgebungen nennt rund 4 vCPUs, 16 GB Arbeitsspeicher und 30 GB Platte pro Sandbox als ungefähre Obergrenzen.
Der Netzwerkzugriff ist standardmäßig eingeschränkt und lässt sich ganz abschalten. Die Stufen heißen None, Trusted, Full und Custom. In der Voreinstellung Trusted sind Paket-Registries und weitere freigegebene Domains erreichbar. Git-Zugangsdaten und Signaturschlüssel bleiben außerhalb der Sandbox, ein Proxy meldet sich mit eingeschränkten Rechten im Namen der Session an, und git push geht nur auf den aktuellen Arbeits-Branch. Auch API-Schlüssel aus der Cloud-Umgebung werden erst außerhalb der Sandbox an passende Anfragen angehängt. Ausgehender Verkehr läuft über einen Sicherheits-Proxy mit DNS-Protokoll, und selbst bei abgeschaltetem Netz bleibt die Verbindung zur Anthropic-API bestehen, worauf Anthropic als möglichen Datenabfluss selbst hinweist.
Ein Projekt gehört genau einem Nutzer. Teilen lässt es sich nicht, und Organisations-Einstellungen gibt es in der Beta keine. Ein Thread bleibt in dem Projekt, das ihn gestartet hat. Umziehen oder ausgliedern geht nicht. Lokale Sessions können nicht Teil eines Projekts werden, und eine lokale Datenbank, ein Geräte-Emulator oder eine API hinter dem VPN bleiben für Threads unerreichbar. Die Doku grenzt Projects deshalb ausdrücklich von den anderen Wegen ab, mehrere Sessions gleichzeitig laufen zu lassen:
Projekt, Cloud Session, Agent View: Wer startet und verfolgt die Arbeit?
Sessions können bei Claude Code auf mehreren Wegen parallel laufen. Der Unterschied liegt darin, wer die Sessions startet und im Blick behält.
| Funktion | Was sie ist | Wer koordiniert |
|---|---|---|
| Projekt | Eine laufende Konversation, aus der Claude Threads als Cloud Sessions startet | Claude |
| Cloud Session | Eine einzelne Aufgabe in der Cloud, selbst gestartet | Nutzer |
| Agent View | Übersicht über mehrere lokale Sessions auf dem eigenen Rechner | Nutzer, kein Koordinator |
| Agent Teams | Eine Session startet Teammitglieder für eine einzige Aufgabe und endet mit ihr | Claude, nur für diese Aufgabe |
| Routine | Aufgabe nach Zeitplan; im Projekt legt Claude sie an, sie läuft dann als Thread | Zeitplan |
| Claude Tag | Mehrere Personen geben Claude in einem Slack-Channel Arbeit (Team und Enterprise) | Das Team |
Für Claude Tag in Slack gilt die Gegenrichtung zum Projekt. Dort arbeiten mehrere Menschen mit einem Claude, im Projekt arbeitet ein Mensch mit vielen Threads, und zwar mit dem eigenen GitHub-Zugang und den eigenen Connectors.
Von der Chat-Mappe zum Koordinator: Zwei Jahre Vorlauf
Das alte Projects vom Juni 2024 war eine Mappe, in der Nutzer Chats, Dokumente und Anweisungen zu einem Thema sammelten. So hat ai-handwerk.de es damals in einem Artikel über Anthropics Projekte und Artifacts beschrieben. Diese Mappen bleiben in Chat und Cowork vorerst bestehen und werden erst mit dem späteren Rollout umgestellt. Die technischen Bausteine der neuen Fassung sind in den vergangenen elf Monaten einzeln erschienen.
| Datum | Baustein | Was er beisteuert |
|---|---|---|
| 25. Juni 2024 | Projects als Chat-Mappe | Wissensbasis und Anweisungen pro Thema, ohne Threads |
| 20. Oktober 2025 | Claude Code on the web | Cloud Sessions, aus denen heute jeder Thread besteht |
| 5. Februar 2026 | Agent Teams | Eine Session lenkt Teammitglieder für eine Aufgabe |
| 14. April 2026 | Routines | Arbeit nach Zeitplan, im Projekt ein eigener Reiter |
| Mai 2026 | Agent View | Ein Bildschirm für alle Sessions mit „läuft, blockiert, fertig“, der Vorläufer von Overview |
| Juli 2026 | Subagenten im Hintergrund | Claude arbeitet weiter, während Helfer laufen, und holt deren Ergebnisse ab |
| 16. September 2026 | Cowork wird Teil des Chats | Chat und Cowork werden ein Claude, Docs und Slides starten in der Konversation |
| 17. September 2026 | Projects als Konversation | Koordinator, Threads, Overview, Gedächtnis |
Einen Monat vor dem Start hatte TestingCatalog die Funktion in Vorab-Builds entdeckt und als „eingebautes Slack“ mit gemeinsamen Projekten beschrieben. Dieser Teil hat sich nicht bestätigt. Die ausgelieferte Beta ist ausdrücklich ein Einzelnutzer-Tool. Anthropic liefert damit an zwei Tagen hintereinander dieselbe Idee für zwei Zielgruppen. Am 16. September verschwand für Chat-Nutzer die Wahl zwischen Cowork und Chat, wobei Cowork seit August auch als Session im Chrome-Seitenpanel läuft. Am 17. September verschwindet für Entwickler die Frage, ob eine Aufgabe eine eigene Session benötigt.
Cursor war eine Woche früher: Projects gegen Projects
Cursor hat am 10. September 2026 ebenfalls „Projects“ im Cursor-Changelog angekündigt, und die Beschreibung liest sich wie die von Anthropic. Ein Koordinator-Agent schreibt keinen Code selbst, plant die Arbeit, delegiert sie an Agenten und bringt das Ergebnis zur Prüfung zurück. Das Projekt läuft auf einem eigenen Rechner in der Cloud, gemeinsame Dateien halten das Gelernte fest, und über „Subscriptions“ kann der Koordinator einen Slack-Channel oder alle Pull Requests beobachten. Cursor hat zwei Punkte voraus. Wenn etwas auf dem eigenen Rechner getestet werden muss, startet der Koordinator dort einen lokalen Agenten, was Anthropic erst als „very soon“ ankündigt. Und Cursor rollt seine Beta an alle Nutzer aus. Der Editor hatte zuletzt Schlagzeilen gemacht, weil die OpenAI-Modelle in Cursor zum 12. November verschwinden.
Parallel laufende Cloud-Agenten bieten mittlerweile fast alle Hersteller, feste Zahlen nennen aber nur wenige. Die Übersicht zeigt den Stand vom 17. September 2026 nach den jeweiligen Hersteller-Dokumentationen und Preisseiten.
| Anbieter | Cloud-Agenten seit | Gleichzeitige Aufgaben | Koordinator | Einstiegspreis Cloud |
|---|---|---|---|---|
| Anthropic Claude Projects | 17. Sept. 2026 (Cloud Sessions seit Okt. 2025) | Keine feste Zahl: 200 neue Threads pro Tag | Ja | Pro-Abo, im Limit enthalten |
| Cursor Projects | 10. Sept. 2026 (Cloud Agents seit Mai 2026) | „So viele wie die Arbeit braucht“ | Ja | Pro 20 $/Monat |
| OpenAI Codex | Mai 2025 | Keine Herstellerangabe | Nein | Plus 20 $/Monat |
| GitHub Copilot cloud agent | Sept. 2025 | Mehrere, keine Zahl; 59 Minuten je Session | Nein | Pro 10 $/Monat |
| Google Jules | Aug. 2025 | 3 (Free), 15 (Pro), 60 (Ultra) | Nein | Free |
| Cognition Devin | Dez. 2024 | Bis 10 (Pro und Max), unbegrenzt ab Teams | Nein | Pro 20 $/Monat |
| Replit Agent 4 | März 2026 | 10 (Pro) | Nein | Core 20 $/Monat |
Wie weit Claude Code heute verbreitet ist, zeigt die Entwickler-Umfrage von JetBrains vom August 2026 mit über 15.000 Befragten. Zwischen Mai und Juli 2026 nutzten weltweit rund 39 Prozent der Profi-Entwickler Claude Code bei der Arbeit, im Januar waren es 18 Prozent. In den USA sind es 47 Prozent. Codex wuchs im selben Zeitraum von 3 auf 16 Prozent, Cursor fiel von 18 auf 12 Prozent, und GitHub Copilot lag bei 21 Prozent, nach zuvor 29 Prozent. 90 Prozent der Befragten nutzen KI-Coding-Agenten mindestens wöchentlich, 68 Prozent täglich.
Nutzung von KI-Coding-Agenten bei der Arbeit: Januar gegen Mai bis Juli 2026
Anteil der Profi-Entwickler weltweit, die das Tool bei der Arbeit nutzen
Zahlen als Tabelle
| Tool | Januar 2026 | Mai bis Juli 2026 |
|---|---|---|
| Claude Code | 18 % | 39 % |
| Codex | 3 % | 16 % |
| Cursor | 18 % | 12 % |
Die Grenze zu all diesen Angeboten liegt laut Anthropics Doku nicht bei der Parallelität. Mehrere Claude-Code-Funktionen lassen bereits mehr als eine Session gleichzeitig laufen. In einem Projekt startet und verfolgt Claude die Sessions statt des Nutzers. Das bietet in diesem Feld bislang nur Cursor ebenfalls. The New Stack hatte kurz zuvor über den Real-SWE-Benchmark mit privaten Codebasen berichtet. Dort scheitert selbst Anthropics Spitzenmodell Claude Fable 5.1 als Bestplatziertes in mehr als 60 Prozent der Fälle. Das Prüfen der Ergebnisse bleibt damit Aufgabe des Menschen, der die Threads unter Ready for review öffnet.
Häufige Fragen zu Claude Code Projects
Was passiert mit meinen bestehenden Projekten in Claude?
Sie bleiben, wie sie sind. Die alten Projekte in Chat und Cowork funktionieren laut Anthropic weiter wie bisher und werden erst umgestellt, wenn der Rollout die Chat- und Cowork-Oberfläche erreicht. Auf Pro und Max stellt Anthropic sie dann auf die neue Fassung um. Wer Projects bisher nicht genutzt hat, bekommt die neue Version zuerst.
Brauche ich ein GitHub-Repository für ein Projekt?
Nein. Ein Projekt kann auch nur mit hochgeladenen Dateien, Ordnern oder Google-Drive-Ordnern arbeiten, z. B. mit einem Vertragsordner oder einem Ticket-Export. Threads liefern ihre Auswertungen dann als Dateien im Reiter Library ab. Sobald Code im Spiel ist, muss das Repository auf github.com liegen und die Claude GitHub App installiert sein.
Kann ich ein Projekt mit Kollegen teilen?
In der Beta nicht. Ein Projekt gehört genau einem Nutzer, der als Einziger Arbeit hineingibt und die Threads sieht. Es gibt auch keine Organisations-Einstellungen. Für gemeinsames Arbeiten in einem Slack-Channel verweist Anthropic auf Claude Tag, das Team- und Enterprise-Plänen vorbehalten ist.
Wie schnell ist mein Kontingent bei einem Projekt aufgebraucht?
Schneller als bei einer einzelnen Session, weil jeder Thread eine vollwertige Claude-Code-Session ist und der Koordinator außerdem eigene Token verbraucht. Die Voreinstellung mit Opus und hoher Effort-Stufe für alle Threads ist die teuerste Variante. Anthropic empfiehlt, vor dem ersten großen Arbeitspaket unter Project settings, General ein kleineres Thread-Modell zu wählen und Claude zunächst nur wenige Threads gleichzeitig laufen zu lassen. Die projektbezogene Nutzung lässt sich in den Einstellungen einsehen.
Was tun, wenn mehrere Threads falsche Annahmen treffen?
Anthropic rät, zuerst in der Konversation zu fragen: „For every open thread, list what you asked it to do, what it assumed or couldn't reach, and what it's waiting on.“ Threads mit falscher Annahme markiert man über das Menü als erledigt, ihr Branch bleibt auf GitHub. Danach die Lücke einmal in den Projektanweisungen oder in der Cloud-Umgebung schließen und einen einzelnen Thread als Probe schicken, bevor der Rest der Arbeit neu vergeben wird.
Wo finde ich Projects, wenn der Eintrag fehlt?
Projects erscheint in der Seitenleiste unter claude.ai/code und im Code-Reiter der Desktop-App, direkt erreichbar über claude.ai/code/projects/browse. Fehlt der Eintrag, hat der gestaffelte Rollout das Konto noch nicht erreicht. Dann hilft die Warteliste unter claude.com/form/projects. Team- und Enterprise-Konten sowie das Terminal-CLI bekommen die Funktion in dieser Phase bisher nicht.