Glossareintrag
Wir denken. KI tippt mit.
Ein Connector bei KI/AI-Tools (deutsch Konnektor, bei manchen Anbietern auch Anbindung, Plug-in oder Integration) ist eine fertig eingerichtete Verbindung, über die ein KI-Assistent wie Claude, ChatGPT oder Microsoft Copilot direkt auf einen externen Dienst zugreift, zum Beispiel auf Gmail, Google Drive, Slack oder Notion. Die KI holt sich die benötigten Informationen selbst aus dem verbundenen Konto, statt dass Nutzer sie von Hand ins Chatfenster kopieren, und kann dort je nach Freigabe auch handeln, etwa eine E-Mail senden oder einen Termin anlegen.
Eingerichtet wird ein Connector mit wenigen Klicks über eine OAuth-Anmeldung nach dem Muster „Mit Google anmelden“. Das Passwort bleibt beim jeweiligen Dienst, der KI-Assistent erhält nur eine Zugriffserlaubnis, die sich jederzeit widerrufen lässt.
Technische Grundlage vieler Connectors ist das Model Context Protocol (MCP), ein offener Standard, den Anthropic im November 2024 vorgestellt hat. Im Dezember 2025 übergab das Unternehmen den Standard an die neu gegründete Agentic AI Foundation der Linux Foundation, zu deren Mitgliedern auch OpenAI, Google, Microsoft und Amazon Web Services gehören. Ein Connector verpackt einen solchen MCP-Zugang als fertigen Menüpunkt, den Nutzer ohne technisches Wissen aktivieren.
Jeder große Anbieter führt die Funktion unter eigenem Namen. Claude listet seine Connectors in einem offiziellen Verzeichnis, darunter Slack, Notion, Canva, Figma, Stripe, PayPal und Asana sowie die Google-Dienste Gmail, Kalender und Drive. Bei ChatGPT hießen die Anbindungen zunächst ebenfalls Connectors und laufen laut der OpenAI-Hilfe seit Dezember 2025 unter dem Namen Apps, mit Diensten wie Google Drive, Outlook, SharePoint, Dropbox und GitHub. Microsoft nennt sie Copilot Connectors und zählt über 100 vorgefertigte Anbindungen für Copilot, Google spricht bei Gemini von Connected Apps, in der deutschen Oberfläche von verbundenen Apps.
Der Zugriff hängt vom Tarif ab. Bei ChatGPT setzen die Daten-Connectors zu Diensten wie Google Drive oder Outlook einen Bezahl-Plan voraus, bei Claude stehen die Google-Workspace-Connectors laut offizieller Hilfeseite allen Konten offen, auch kostenlosen. Viele Connectors dürfen zunächst nur lesen und suchen. Führt die KI echte Aktionen aus, verlangen die Anbieter in der Voreinstellung eine Bestätigung, Claude fragt etwa vor jedem E-Mail-Versand nach.
Automatisierungsplattformen wie Zapier mit rund 10.000 anbindbaren Apps oder Make arbeiten anders. Sie verketten Apps untereinander über feste Wenn-dann-Regeln, während ein Connector den KI-Chat selbst mit dem Dienst verbindet und Anweisungen in normaler Sprache entgegennimmt. Dienste ohne eigenen Connector, etwa Trello, lassen sich über solche Plattformen trotzdem an KI-Tools anschließen. Auch von der klassischen API unterscheidet sich der Connector. Er nutzt sie im Hintergrund, erspart Nutzern aber die Programmierarbeit.
Mit jedem verbundenen Dienst liest die KI fremde Inhalte, in denen versteckte Befehle stecken können. OpenAI stuft diese sogenannte Prompt Injection in einem Grundlagenartikel zu Prompt Injections als neuartige Sicherheitsherausforderung ein, und Anthropic weist darauf hin, dass selbst eingerichtete Custom Connectors keine Prüfung durch den Anbieter durchlaufen. Verbunden werden sollte deshalb nur, was ein Betrieb wirklich braucht, und erteilte Freigaben lassen sich in den Einstellungen des jeweiligen KI-Assistenten wieder entziehen.
Ein Handwerksbetrieb, der Gmail und Google Kalender mit Claude verbindet, lässt sich morgens die neuen Kundenanfragen zusammenfassen, Antwortentwürfe formulieren und freie Termine für die Besichtigung heraussuchen. Seit August 2026 sendet Claude E-Mails auch direkt aus dem Chat, in der Voreinstellung erst nach einer Freigabe und je nach Tarif mit Einschränkungen.
In Betrieben, die ihre Absprachen über Slack organisieren, durchsucht der Slack-Connector die Kanäle nach dem Stand eines Auftrags, statt dass die Büroleitung selbst durch Wochen an Nachrichten scrollt. Wer Angebote und Preislisten in SharePoint oder Google Drive ablegt, macht sie über den passenden Connector per Frage durchsuchbar („Was haben wir dem Kunden Meier im März angeboten?“).
Vor dem Verbinden lohnt der Blick in den eigenen Tarif, weil viele Anbindungen einen Bezahl-Plan voraussetzen. Wer Postfächer oder Kundenlisten anbindet, gibt darin enthaltene personenbezogene Daten an den KI-Anbieter weiter und muss das datenschutzrechtlich genauso bewerten wie jedes andere Cloud-Werkzeug.
Connectors sind zugleich die Grundlage für KI-Agenten, die mehrere Arbeitsschritte selbstständig hintereinander ausführen. Ohne Zugriff auf Postfach, Kalender und Ablage kann ein Agent für einen Betrieb nichts erledigen.