Glossareintrag

Was bedeutet
Skill bei KI/AI (Agent Skills, SKILL.md)?

Wir denken. KI tippt mit.

Lesezeit: 10 Minuten
Veröffentlicht: 12.09.2026
Aktualisiert: 10.10.2026

Skill bei KI/AI (Agent Skills, SKILL.md)

Definition:

Ein Skill bei KI/AI (englisch Agent Skill, Mehrzahl Agent Skills) ist ein Ordner mit einer Textdatei namens SKILL.md, der einem KI-Assistenten eine fertige Arbeitsanweisung für eine wiederkehrende Aufgabe mitgibt. Darin steht in normaler Sprache, wie die Aufgabe abläuft, welche Vorgaben gelten und wie das Ergebnis aussehen soll. Dazu können Vorlagen, Referenztexte und kleine Programme im selben Ordner liegen. Der Assistent liest den Ordner erst dann, wenn eine Anfrage dazu passt.

Ein Skill ist Wissen über einen Arbeitsablauf, keine Verbindung zu einem Dienst und kein Programm mit eigener Oberfläche. Anthropic zieht die Grenze in seiner deutschen Hilfe zu Skills selbst. Dort heißt es: „MCP verbindet Claude mit externen Diensten und Datenquellen.“ Skills lieferten dagegen prozedurales Wissen, also Anweisungen zum Ausführen bestimmter Aufgaben und Arbeitsabläufe. Vom normalen Prompt unterscheidet ihn, dass er dauerhaft gespeichert bleibt und bei passender Gelegenheit von allein wirkt. Gegenüber einem Plugin ist er der Inhalt, nicht die Verpackung. Ein Plugin bündelt mehrere Skills, Connectors und Server zu einem Paket.

Das Format stammt von Anthropic, das es am 16. Oktober 2025 für Claude einführte und am 18. Dezember 2025 als offenen Standard auf agentskills.io veröffentlichte. Heute lesen es auch ChatGPT, Codex, Gemini CLI, Cursor, GitHub Copilot und Visual Studio Code. Im Deutschen bleibt der Begriff meist unübersetzt. Die Claude-Hilfe nennt Skills an mehreren Stellen auch Fähigkeiten. (Hinweis: Verwechselbar mit „Skill“ im Alltagssinn von „Fertigkeit“ und mit den Alexa Skills von Amazon, den Sprachanwendungen für Alexa-fähige Geräte.)

Beschreibung:

Der Aufbau bleibt schlicht. Pflicht ist allein die Datei SKILL.md. Ihr Kopf enthält zwei Angaben: einen Namen aus Kleinbuchstaben, Zahlen und Bindestrichen (höchstens 64 Zeichen) und eine Beschreibung. Die Beschreibung sagt, was der Skill tut und wann er gebraucht wird. Darunter folgt der Anweisungstext als Markdown, ohne Formatvorgaben. Die Spezifikation auf agentskills.io empfiehlt für diesen Hauptteil weniger als 500 Zeilen und nennt drei optionale Unterordner als Konvention: scripts für ausführbaren Code, references für Nachschlagematerial und assets für Vorlagen. Eine Versionsnummer führt die Spezifikation nicht, sie wird im offenen Repository weiterentwickelt.

Die Beschreibung im Kopf ist der Schalter. Sie ist der Teil, den das Modell dauerhaft mitliest und gegen jede Anfrage abgleicht. Anthropic beschreibt in seiner Dokumentation zu Agent Skills die Staffelung in drei Stufen, auf Deutsch progressive Offenlegung:

  • Stufe 1, Metadaten: Name und Beschreibung stehen ab dem Start im Systemprompt, laut Anthropic rund 100 Token pro Skill.
  • Stufe 2, Anweisungen: Der Text der SKILL.md wird erst geladen, wenn der Skill greift, empfohlen sind unter 5.000 Token.
  • Stufe 3, Ressourcen: Vorlagen, Referenzdateien und Skripte kosten nichts, solange niemand sie öffnet.

So lässt sich viel Material hinterlegen, ohne das Kontextfenster zu füllen. Anthropic spricht von „no practical limit on bundled content“. Ein Skript verstärkt den Effekt, weil nur seine Ausgabe im Kontext landet, nicht sein Quellcode. Ganz gratis ist die Liste der installierten Skills trotzdem nicht. OpenAI begrenzt sie in Codex laut eigener Skill-Dokumentation für diese Anfangsliste auf höchstens zwei Prozent des Kontextfensters, bei unbekannter Fenstergröße auf 8.000 Zeichen, und kürzt bei vielen Skills zuerst deren Beschreibungen. Reicht der Platz dann noch nicht, lässt Codex einzelne Skills aus der Liste weg und zeigt eine Warnung.

Aus dem Auslöse-Mechanismus folgt die wichtigste Regel beim Schreiben. Eine Beschreibung wie „hilft bei Dokumenten“ trifft selten, eine wie „erstellt Angebote nach unserer Preisliste, wenn eine Kundenanfrage für ein Bad vorliegt“ trifft zuverlässig, weil sie die Stichwörter der tatsächlichen Anfrage enthält. Für die Länge gelten zwei Grenzen, die nicht zusammenpassen. Spezifikation und API erlauben 1.024 Zeichen, die deutsche Anleitung für eigene Skills nennt für den Upload über claude.ai 200 Zeichen.

Verbreitet ist das Format längst über Claude hinaus. Die Client-Liste des Standards führt am 11. September 2026 46 Produkte. OpenAI nutzt Skills wörtlich in ChatGPT und Codex und legt sie unter anderem im Ordner .agents/skills ab, den auch Cursor, Googles Antigravity, Visual Studio Code und GitHub Copilot lesen. Amazons Agent Kiro unterstützt Skills und verpackt sie in Powers. Für die Verpackung gibt es seit dem 6. August 2026 den zweiten Standard Agent Plugins 1.0.0, getragen von Amazon, Cursor, Microsoft, OpenAI und Vercel. Am Ankündigungstag trat laut eigener Mitteilung auch Google als Kern-Betreuer bei. Der Standard definiert ein gemeinsames Paketformat für Agent Skills und MCP‑Server. Hintergrund dazu in unserem Bericht über die Einigung auf das gemeinsame Plugin-Format. Unumstritten ist der Nutzen nicht. Vercel veröffentlichte eine eigene Messung, nach der eine einfache AGENTS.md bei neuen Next.js-Schnittstellen besser abschnitt als Skills. In 56 Prozent der Durchläufe rief das Modell den Skill gar nicht auf, was Vercel auf das unzuverlässige Auslösen heutiger Modelle zurückführt. Für gezielte Aufgaben hält die Firma Skills weiter für sinnvoll.

Wer Skills nutzen darf, hängt am Tarif und an der Freigabe im Unternehmen. Bei Claude nennt die deutsche Hilfe die vorgefertigten Skills für die Pläne „Free“ bis „Enterprise“. Voraussetzung ist die eingeschaltete Code-Ausführung. Für selbst hochgeladene Skills widersprechen sich die eigenen Quellen des Anbieters: Die Entwicklerdokumentation nennt Pro, Max, Team und Enterprise, die Hilfe nennt auch Free. Bei OpenAI stehen Skills laut deutscher Hilfe zu Skills in ChatGPT den Tarifen Business, Enterprise, Healthcare und Edu offen. Auf der Preisseite tauchen sie zusätzlich als Beta in den übrigen Tarifen auf. Den aktuellen Stand führen die Preisseiten von Claude und ChatGPT. In Firmen entscheiden Administratoren obendrein, bei OpenAI über Schalter wie „Skills aktivieren“ und „Hochladen von Skills aktivieren“. Bei Anthropic sind Skills und Skill-Freigabe für regulierte Konfigurationen wie HIPAA von Haus aus abgeschaltet.

Weil ein Skill Anweisungen und Code mitbringt, ist er ein Sicherheitsthema. Anthropic schreibt in der deutschen Fassung dieser Dokumentation, ein bösartiger Skill könne Claude dazu bringen, „Tools aufzurufen oder Code auf eine Weise auszuführen, die nicht dem angegebenen Zweck des Skills entspricht“. Als Folgen nennt das Unternehmen Datenabfluss und unbefugten Systemzugriff. Der Angriffsweg ist die Prompt Injection, versteckt im Anweisungstext oder in einer nachgeladenen Datei. Die Cloud Security Alliance stellt in einer Research Note vom 6. Mai 2026 fest, dass Kontextdateien wie SKILL.md, CLAUDE.md und AGENTS.md der wichtigste Träger dieser Angriffsklasse sind, und beschreibt Anweisungen, die in unsichtbaren Unicode-Zeichen stecken. Eine Arbeit dreier Sicherheitsforscher zeigte schon am 30. Oktober 2025, wie eine einmal erteilte Freigabe mit der Option „nicht mehr fragen“ auf verwandte, schädliche Aktionen übergeht.

Wie groß das Problem in freien Sammlungen ist, hat Snyk gemessen. Das Audit vom 5. Februar 2026 prüfte 3.984 Skills aus den Community-Verzeichnissen ClawHub und skills.sh. In 1.467 davon (36,82 Prozent) steckte mindestens eine Sicherheitsschwäche, 534 Skills (13,4 Prozent) trugen einen als kritisch bewerteten Befund. Bestätigt bösartig waren 76 Pakete, acht davon standen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch zum Download bereit. Prompt Injection fand Snyk im ClawHub-Bestand bei 2,6 Prozent der Skills, unter den bestätigt bösartigen bei 91 Prozent. Der Bericht nennt auch die Hürde für eine Veröffentlichung: eine SKILL.md und ein GitHub-Konto, das eine Woche alt ist, ohne Code-Signatur, ohne Sicherheitsprüfung und von Haus aus ohne Sandbox. Diese Werte gelten für freie Sammlungen, nicht für die offiziellen Verzeichnisse von Anthropic und OpenAI.

Beim Prüfen unterscheiden sich die Anbieter deutlich. OpenAI scannt nach eigener Angabe jeden Skill, der hochgeladen wird, vor der Freigabe und markiert auffällige Pakete als „Prüfung erforderlich“ oder „Blockiert“. Die eigene Prüfung ersetzt dieser Scan laut OpenAI aber nicht. Anthropic bietet sein Skill-Scanning nur im Enterprise-Plan und nur für Uploads über claude.ai und Claude Cowork, nicht für den Weg über die Skills-API. Wie weit ein Skill kommt, hängt außerdem an der Oberfläche. Über die API hat er keinen Netzwerkzugriff, in Claude Code denselben wie jedes andere Programm auf dem Rechner.

Skill bei KI/AI (Agent Skills, SKILL.md) für Unternehmen und Handwerker:

Skills sind der Teil des Agenten-Baukastens, den ein Betrieb ohne Programmierkenntnisse selbst in die Hand nehmen kann. Eine SKILL.md ist eine Textdatei, kein Programm. Wer die eigenen Abläufe kennt, kann sie beschreiben.

Sofort nutzbar sind die vier vorgefertigten Skills von Anthropic für Word, Excel, PowerPoint und PDF. Sie schalten sich selbst ein, sobald die Anfrage dazu passt, und sie erklären den Unterschied zwischen einem Chat-Ergebnis und einer fertigen Datei. Aus einer Aufmaßliste wird eine Tabelle mit Formeln, aus einer Baustellennotiz ein Übergabeprotokoll als PDF, aus den Zahlen des Quartals eine Folie für das Bankgespräch. In den Claude-Add-ins für Excel, Word, PowerPoint und Outlook stehen aktivierte Skills ebenfalls bereit. Ein Schrägstrich in der Seitenleiste zeigt die verfügbaren an.

Mehr bringt ein eigener Skill, weil darin steht, was kein Hersteller kennen kann. In einem Malerbetrieb hält er fest, wie ein Angebot aufgebaut ist, welche Positionen immer zusammengehören, mit welchen Zuschlägen gerechnet wird und welcher Satz am Ende unter jedes Angebot gehört. Im Büro einer Fliesenlegerei beschreibt er, was in eine Rückrufnotiz gehört, damit der Chef abends in zwei Sätzen sieht, worum es geht. Ein dritter Skill kann die Antwort auf eine Google-Bewertung vorbereiten, freundlich, kurz und ohne Schuldzuweisung, mit den drei Sätzen, die der Inhaber sonst jedes Mal neu tippt. Weil Vorlagen im Unterordner assets liegen dürfen, kommt die eigene Preisliste oder das Briefpapier gleich mit.

Der Weg dorthin führt über das Verzeichnis. In Claude und Claude Desktop öffnet man laut deutscher Hilfe zum gemeinsamen Verzeichnis in der linken Seitenleiste „Anpassen“, wählt die Registerkarte „Skills“ und dort die Schaltfläche „+“. Eigene Skills kommen als ZIP-Datei hinein, deren Ordnername genau dem Namen im Dateikopf entsprechen muss. In ChatGPT liegt der gleiche Weg unter „Plug-Ins“ in der Seitenleiste und dem Tab „Skills“ mit den Punkten „Im Chat erstellen“, „Mit dem Editor erstellen“ und „Vom Computer hochladen“. Beide Anbieter liefern einen Baumeister mit. Der Skill skill-creator fragt den Ablauf ab und legt die Dateien selbst an, laut Anthropics Ankündigung zu Skills ohne „manual file editing“. Als Vorlage taugt auch das offene Skill-Repository von Anthropic mit 19 Beispielen, darunter eines, das ein Erscheinungsbild mit festen Farben und Schriften auf Dokumente anwendet.

Einen Sonderweg gibt es für Mac‑Nutzer. In Claude Cowork lässt sich ein Skill aufzeichnen, statt ihn zu schreiben. Aufnahme starten, die Aufgabe einmal von Hand erledigen, und Claude baut daraus den Ablauf. Die Aufzeichnung dauert laut Anthropics Anleitung rund zehn Minuten und ist auf die Pläne Pro, Max und Team beschränkt, Free und Enterprise sind ausgenommen. Unter Windows und im normalen Chat steht sie ausdrücklich nicht zur Verfügung. Wichtig dabei: Alles auf dem Bildschirm wird erfasst, Passwörter und Kundenakten haben während der Aufnahme nichts zu suchen.

Drei Grenzen gehören zur ehrlichen Einordnung:

  • Ein Skill startet nichts. Er legt fest, wie eine Aufgabe abläuft. Angestoßen wird sie weiter vom Menschen. Für Automatik an festen Punkten sind Hooks zuständig, die ein Plugin mitbringen kann.
  • Ein Skill ist nur so klar wie der Prozess dahinter. Das Fachmagazin t3n schreibt dazu: Wo intern nie festgelegt wurde, wie ein gutes Ergebnis aussieht, entscheidet Claude das im Zweifel selbst.
  • Für die deutsche Handwerkersoftware gibt es nichts von der Stange. Im öffentlich einsehbaren Angebot von Anthropic findet sich Stand September 2026 kein Skill für DATEV, Lexware Office oder sevDesk. Wer Vorlagen mit Daten füllen will, arbeitet mit den Dokument-Skills oder über die Schnittstelle des Herstellers.

Vor dem Installieren gelten dieselben Regeln wie bei jeder Software. Skills nur aus den offiziellen Verzeichnissen holen, denn eine Textdatei sieht harmlos aus und kann Anweisungen enthalten, die niemand liest. Anthropic rät ausdrücklich, auch einen Skill zu prüfen, der von einem Kollegen geteilt wurde. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik nennt in seinen Empfehlungen zu KI-Agenten als Grundregel: „Erlauben Sie einem KI-Agenten nur die Zugriffe, die er für seine spezifische Aufgabe wirklich benötigt.“ Bevor Kundendaten in einen Skill wandern, gehört geklärt, wohin personenbezogene Daten fließen und ob der Tarif einen Auftragsverarbeitungsvertrag umfasst.

Automation Intelligence im Handwerk - Glossareintrag
Lexikon für künstliche Intelligenz und Automation - Glossar für Handwerker und Handwerksbetriebe
Handwerk transformieren durch Artificial Intelligence und Automation Intelligence

Webinar Release

Webinar Release

Sie haben eine Frage?

Sie haben eine Frage