Glossareintrag
Wir denken. KI tippt mit.
Eine Cloud Session (deutsch: Cloud-Sitzung) ist eine Arbeitssitzung eines KI-Coding-Agenten, die auf Servern des Anbieters läuft und nicht auf dem eigenen Rechner. Der Anbieter startet dafür eine abgeschottete virtuelle Maschine (eine Sandbox in der Cloud, kurz Cloud-Sandbox) und kopiert das Code-Projekt (Repository) hinein. Der KI-Agent liest dort den Code, ändert Dateien und führt Tests aus. Am Ende liefert er einen neuen Entwicklungszweig (Branch) oder einen Pull Request, also einen Änderungsvorschlag, den ein Mensch prüft und übernimmt.
Anthropic nutzt den Begriff für Claude Code. Die deutsche Claude-Code-Doku zu Cloud-Sitzungen beschreibt sie als Claude-Code-Sitzung, die „auf Cloud-Infrastruktur statt auf Ihrem Computer ausgeführt wird“. Claude Code on the web (deutsch „Claude Code im Web“) heißt dort nur die Browser-Oberfläche unter claude.ai/code (einer von mehreren Startwegen).
AWS überschreibt die Technik hinter Kiro Web ebenfalls mit „Cloud sessions“. Auch GitHub nennt im Copilot SDK so die Arbeit, die auf GitHub-Servern statt lokal läuft. Dieselbe Mechanik heißt bei OpenAI „Codex cloud“ und bei Cursor „Cloud Agents“ (früher „Background Agents“). Google beschreibt sie bei Jules als kurzlebige virtuelle Maschine.
(Hinweis: verwechselbar mit der Web-Session, also der Sitzung zwischen Browser und Website samt Session-Cookie, und mit der Sitzung beim Cloud-Gaming. Beide übertragen eine laufende Oberfläche zum Nutzer. Eine Cloud Session arbeitet weiter, wenn niemand zusieht.)
Bei Claude Code bekommt jede Cloud Session eine frische virtuelle Maschine mit Ubuntu 24.04, egal welches Betriebssystem der eigene Rechner hat. Anthropic nennt als ungefähre Obergrenzen 4 vCPUs, 16 GB Arbeitsspeicher und 30 GB Speicherplatz. Python, Node.js, PHP, Java, Go, Rust, Docker und PostgreSQL sind vorinstalliert. Die Maschine klont das Repository von GitHub. Sie sieht nur den Stand, der dort gespeichert ist, und keine lokalen Änderungen, die noch nicht hochgeladen sind.
Ein Setup-Skript installiert fehlende Programme. Es läuft vor dem Start von Claude Code. Anthropic rät zu höchstens rund fünf Minuten Laufzeit, sonst kommt das zwischengespeicherte Abbild nicht zustande. Neue Sitzungen starten laut der Doku zu den Cloud-Umgebungen von Claude Code ungefähr sieben Tage lang von diesem Abbild. Der Nutzer bekommt keinen Zugang zur Kommandozeile der Maschine. Claude führt jeden Befehl aus.
Die Sitzung läuft weiter, wenn der Laptop zugeklappt ist. Nach einer Phase ohne Aktivität (wie lang, sagt die Doku nicht) gibt Anthropic die Maschine frei. Wer die Sitzung später wieder öffnet, erhält eine neue Maschine samt Gesprächsverlauf. Befehle und Unteragenten, die beim Abschalten noch liefen, sind verloren.
Startwege bei Claude Code:
claude --cloud "Aufgabe" legt eine Cloud Session an, das ältere --remote gilt als veraltet. claude --teleport holt Branch und Gesprächsverlauf einer Cloud Session auf den eigenen Rechner. Im Terminal gibt es den umgekehrten Weg nicht.Jeder Aufruf erzeugt eine neue Sitzung, mehrere Aufgaben laufen deshalb parallel. Darauf baut Claude Code Projects auf. Ein Koordinator zerlegt die Arbeit in Threads. Laut Anthropic ist jeder Thread eine separate Cloud Session mit eigenem Kontextfenster und Branch. Auch geplante Routinen laufen bei Anthropic als vollständige Cloud Sessions.
Netzwerkzugriff in vier Stufen:
Der gesamte Verkehr nach außen läuft über einen Proxy, der Adressen protokolliert und Anfragen filtert. Wichtig: Auch auf der Stufe None spricht Claude Code weiter mit der Anthropic-API. Darüber können laut Doku Daten die Maschine verlassen.
Git-Anmeldedaten und Signaturschlüssel bleiben außerhalb der Sandbox. Der Git-Client in der Maschine arbeitet mit einem eingeschränkten Ersatz-Zugang. Ein Proxy prüft ihn und tauscht ihn erst außerhalb gegen das tatsächliche GitHub-Token. Die Sitzung darf nur auf ihren Arbeits-Branch hochladen. Laut Anthropics Technikbeitrag zum Sandboxing von Claude Code könnte ein Agent, den eine Prompt Injection gekapert hat, ohne Netzwerk-Isolation SSH-Schlüssel nach außen schicken. Ohne Dateisystem-Isolation käme er aus der Sandbox heraus.
(Hinweis: Verwechselbar mit Remote Control. Dort läuft die Sitzung auf dem eigenen Rechner, Browser oder Handy steuern sie nur aus der Ferne. Es entsteht keine Cloud-Maschine, der Code bleibt lokal.)
Andere Anbieter:
Bei Factory behalten die „Droid Computers“ ihren Zustand über Sitzungen hinweg. Die übrigen Anbieter verwerfen die Umgebung nach getaner Arbeit.
Sicherheitsforscher attackieren diese Umgebungen über die Inhalte, die der Agent liest. Trail of Bits demonstrierte im August 2025 am Beispiel einer Prompt Injection gegen den Copilot-Agenten, wie ein präpariertes GitHub-Issue den Agenten eine Hintertür in einen Pull Request schreiben lässt. Der Sicherheitsexperte Johann Rehberger führte im selben Monat vor, dass die Liste „Common Dependencies“ ein Rückkanal nach außen sein kann. Codex Cloud bietet diese Liste an, sobald jemand den Internetzugang einschaltet. Elad Meged (Novee Security) kam auf der Black Hat USA 2026 bei drei Anbietern an Secrets aus den automatischen Build-Läufen. Dafür genügte ihm ein Issue von einem Konto ohne Schreibrechte. Die Fehler lagen laut Meged jeweils im Harness um das Modell, nicht im Modell.
Anthropic berechnet die Rechenzeit der Maschine nicht extra. Cloud Sessions zehren vom selben Nutzungslimit wie jede andere Arbeit mit Claude. Parallele Sitzungen verbrauchen es entsprechend schneller. Stand September 2026 führt Anthropic die Funktion als Research Preview für Pro, Max und Team sowie für Enterprise-Nutzer mit Premium-Sitz oder einem Sitz „Chat + Claude Code“. Die Tarife stehen auf der Preisseite von Claude. Nötig ist ein Claude-Konto. Mit einem reinen API-Schlüssel oder über einen Drittanbieter gibt es keine Cloud Sessions. Dasselbe gilt für Organisationen mit Zero Data Retention, denn die Sitzungen setzen voraus, dass Anthropic Verlauf und Ergebnisse auf dem Server speichert.
Eine Cloud Session nützt dem Unternehmen, das eigene Software pflegen lässt. Das kann der Angebotsrechner auf der Website sein oder ein WordPress-Plugin für die Terminbuchung. Meist kümmert sich eine Agentur oder ein Freelancer darum, manchmal der Chef selbst. Wer KI nur zum Schreiben von Angeboten und E-Mails nutzt, benötigt keine Cloud Session.
Die Hürde ist das Repository. Claude Code klont von GitHub und legt nur dort Pull Requests an. Code von GitLab oder Bitbucket lässt sich als Paket vom PC hochladen. Die Sitzung kann die Ergebnisse aber nicht dorthin zurückspielen. Wer seine Website per FTP pflegt oder ein Plugin als lose PHP-Datei hat, bietet einer Cloud Session nichts zum Klonen. Der erste Schritt heißt dann, den Code in ein privates GitHub-Repository zu legen. Cursor klont mit seinen Cloud Agents auch von GitLab und Azure DevOps.
Typische Einsätze:
Ob der Pull Request auf die Live-Website kommt, entscheidet der Mensch, der ihn freigibt.
Das komplette Repository liegt für die Dauer der Sitzung auf einer Maschine von Anthropic. Der Anbieter speichert Verlauf und Code-Änderungen 30 Tage. Bei Privatkonten (Free, Pro, Max), die ihre Daten zur Modellverbesserung freigeben, sind es fünf Jahre. Die Kanzlei Heuking hält in ihrer Einordnung zu Anthropic Claude im Unternehmen fest, dass die Tarife Free, Pro und Max keinen Auftragsverarbeitungsvertrag enthalten und den Verbraucherbedingungen (Consumer Terms) unterliegen. Für Unternehmen kommen danach grundsätzlich nur Team, Enterprise oder die API infrage. Die Kanzlei bewertet Claude allgemein. Eine juristische Einordnung speziell zur Cloud Session lag bei Redaktionsschluss nicht vor.
Für die Praxis: