Glossareintrag
Wir denken. KI tippt mit.
Claude Cowork ist der Agenten-Arbeitsbereich in der App des KI-Assistenten Claude vom US-Unternehmen Anthropic. Statt Frage und Antwort im Chat übergeben Sie Cowork eine ganze Aufgabe samt Zugriff auf einen Ordner oder ein verbundenes Programm. Der KI-Agent plant daraufhin die Schritte, arbeitet sie nacheinander ab, prüft seine Zwischenergebnisse und legt fertige Dateien wie Excel-Tabellen, Word-Dokumente oder PowerPoint-Präsentationen ab. Anthropic beschreibt Cowork im offiziellen Einstiegs-Artikel zu Claude Cowork als dieselbe Agenten-Architektur, die auch das Programmier-Werkzeug Claude Code antreibt, nur ohne Terminal und Programmierkenntnisse. Gesucht wird der Begriff auch als Cowork, Anthropic Cowork oder Claude Cowork Agent.
Cowork startete am 12. Januar 2026 als Research Preview für Max-Abonnenten auf dem Mac, Pro-Nutzer folgten vier Tage später. Seit dem 9. April 2026 ist es allgemein verfügbar und in allen Bezahltarifen von Claude enthalten (Pro, Max, Team, Enterprise), im kostenlosen Tarif fehlt es. Es läuft in der Desktop-App für Windows und macOS, seit Juli 2026 als Beta auch im Browser unter claude.ai und in der Handy-App, und seit dem 12. August 2026 als Seitenpanel in Google Chrome, dort zunächst für Max und Team. (Hinweis: Verwechselbar mit Copilot Cowork, einem Produkt von Microsoft für Microsoft 365, das auf Anthropic-Modellen aufbaut, aber ausschließlich in der Cloud und ohne Zugriff auf lokale Dateien arbeitet.)
Jede Cowork-Aufgabe beginnt mit einer Freigabe. Sie wählen einen Ordner auf Ihrem Rechner oder einen Connector zu einem Dienst wie Google Drive, Microsoft 365, Gmail oder Slack, beschreiben das gewünschte Ergebnis in natürlicher Sprache und lassen Claude arbeiten. Cowork zeigt dabei jeden Schritt an, also welche Dateien es öffnet, welche Werkzeuge es nutzt und welche Entscheidungen es trifft, und fragt nach, wenn eine Information fehlt. Mehrere Aufgaben laufen parallel: Während eine Tabelle entsteht, recherchiert Claude bereits für die nächste. Die offizielle Produktseite von Claude Cowork nennt als typische Ergebnisse wiederkehrende Berichte, abgeglichene Tabellen mit Abweichungsanalyse und die Prüfung vieler Verträge gegen eine Vorgabenliste.
Ausgeführt wird die Arbeit in einer abgeschotteten Umgebung. Auf dem Desktop laufen Befehle und selbst geschriebener Code in einer Sandbox in Form einer Linux-VM, auf dem Mac über Apples Virtualization Framework, unter Windows über Hyper-V, und nur die freigegebenen Ordner werden in diese Umgebung eingebunden, wie Anthropic in der Architektur-Übersicht zu Claude Cowork erläutert. Seit dem Start von Web- und Handy-Version im Juli 2026 laufen Sitzungen wahlweise in der Cloud, in temporären Sandboxes auf Anthropic-Servern. Solche Cloud-Sitzungen arbeiten weiter, wenn der Laptop zugeklappt ist, brauchen für lokale Dateien aber eine geöffnete Desktop-App. Für die Aktionen, die Claude ausführt, gibt es drei Freigabe-Modi. „Manual“ hält vor jeder Aktion an und fragt, „Auto“ lässt Claude selbstständig arbeiten und stoppt nur bei Schritten, die eine Sicherheitsprüfung als riskant einstuft, „Skip“ verzichtet auf die automatischen Prüfungen. Vor dem endgültigen Löschen von Dateien holt Claude laut Anthropic grundsätzlich eine ausdrückliche Erlaubnis ein.
Rund um diesen Kern hat Anthropic seit Januar 2026 mehrere Bausteine ergänzt:
Innerhalb der Claude-App liefert der Chat damit Antworten, Cowork fertige Arbeitsergebnisse aus Dateien und Diensten, und Claude Code schreibt und testet Software im Terminal.
Wofür Cowork tatsächlich genutzt wird, hat Anthropic anhand von 1,2 Millionen anonymisierten Sitzungen aus über 600.000 Organisationen ausgewertet und im Bericht „How people are using Claude Cowork“ veröffentlicht (Stichprobe vom 11. bis 31. Mai 2026). 91,3 Prozent der Nutzung haben demnach nichts mit Softwareentwicklung zu tun. Die größte Gruppe bilden Geschäftsprozesse wie Berichte, Checklisten und Tabellen mit 33,4 Prozent, gefolgt von Texten und Werbetexten mit 16,4 Prozent, Softwareentwicklung mit 8,7 Prozent, IT-Betrieb mit 7 Prozent, Recherche mit 6,4 Prozent und Datenanalyse mit 5,8 Prozent.
Einen eigenen Preis hat Cowork nicht, es ist Bestandteil der Bezahltarife. Laut der Preisseite von Anthropic kostet der Pro-Tarif im August 2026 20 US-Dollar monatlich (17 US-Dollar bei Jahreszahlung), Max beginnt bei 100 US-Dollar, der Team-Tarif liegt bei 25 US-Dollar je Nutzer (20 US-Dollar bei Jahreszahlung). Cowork zieht aus demselben 5-Stunden- und Wochenkontingent wie Chat und Claude Code und verbraucht laut Anthropic mehr davon als ein Gespräch im Chat, weil der Agent viele Arbeitsschritte hintereinander ausführt. Welche Tarife es gibt und was sie im Vergleich zu OpenAI kosten, zeigt unser Vergleich Claude vs ChatGPT 2026.
Das von Anthropic selbst genannte Hauptrisiko von Cowork heißt Prompt Injection. Liest Claude bei einer Aufgabe ein Dokument, eine E-Mail oder eine Webseite, kann darin versteckter Text stehen, der wie eine Anweisung wirkt. Zwei Tage nach dem Start zeigte die Sicherheitsfirma PromptArmor in ihrer Analyse zur Datei-Exfiltration aus Claude Cowork, wie eine präparierte Word-Datei mit weißem Text in Schriftgröße 1 Cowork dazu brachte, Kreditunterlagen aus dem freigegebenen Ordner an das Konto eines Angreifers hochzuladen; heise berichtete am 15. Januar 2026 über die Cowork-Lücke. Anthropic erklärte gegenüber The Register, man habe Schutzmaßnahmen gegen Prompt Injection eingebaut, die Absicherung von Agenten-Handlungen sei in der Branche aber noch in der Entwicklung. Am 27. Juli 2026 wurde eine zweite Lücke publik, über die Cowork auf dem Mac aus seiner Sandbox ausbrechen und auf alle Dateien des Nutzers zugreifen konnte; laut 9to5Mac reagierte Anthropic mit der Cloud-Ausführung als neuem Standard. Im Hilfe-Artikel zur sicheren Nutzung von Cowork rät das Unternehmen zu eigenen Arbeitsordnern statt breiter Freigaben, zum manuellen Freigabe-Modus bei sensiblen Daten und dazu, Banking- und Gesundheits-Programme für Computer Use zu sperren.
Microsoft stellte am 9. März 2026 Copilot Cowork vor, seit dem 16. Juni 2026 allgemein verfügbar als Teil von Microsoft 365 Copilot. Es nutzt Anthropic-Modelle, arbeitet aber ausschließlich in der Microsoft-Cloud mit den dort liegenden Dateien und nicht auf dem lokalen Rechner. OpenAI folgte am 9. Juli 2026 mit ChatGPT Work, einem Desktop-Agenten mit Dateizugriff und Computersteuerung im Plus-Tarif für 20 US-Dollar. Perplexity bietet mit Personal Computer seit dem 28. Juli 2026 auch unter Windows einen Agenten für lokale Programme an, allerdings erst ab 200 US-Dollar im Monat. Googles Gemini arbeitet mit Gemini Spark seit Juli 2026 auf dem Mac ebenfalls mit lokalen Dateien, bislang aber nur als US-Beta für Abonnenten von AI Ultra; unter Windows gibt es von Google nichts Vergleichbares, und die Browser-Funktion Auto Browse ist außerhalb der USA nicht verfügbar.
Cowork übernimmt im Betrieb die Büroarbeit, die aus bereits vorhandenen Dateien entsteht. Die Handwerks-Variante der von Anthropic und Testern dokumentierten Einsatzfälle sieht so aus:
Löschungen durch Cowork gehen in der Regel am Papierkorb vorbei, und das Löschen von 11 Gigabyte Daten beim Aufräumen eines Ordners sorgte bereits im Januar 2026 für Diskussionen bei Hacker News. Arbeiten Sie deshalb mit Kopien in einem eigenen Cowork-Ordner statt mit den Originalen, und schreiben Sie „nichts löschen“ in die Anweisung. Nutzen Sie bei Kundendaten den manuellen Freigabe-Modus, auch wenn er mehr Klicks kostet. Legen Sie keine fremden Dokumente (Bewerbungen, Lieferanten-PDFs, weitergeleitete Mails) in Ordner mit vertraulichen Daten, weil darin versteckte Anweisungen stehen können. Und prüfen Sie Zahlen in erzeugten Tabellen stichprobenartig, Cowork rechnet nicht fehlerfrei.
Beim Datenschutz trennt Anthropic scharf zwischen Privat- und Geschäftstarifen. Pro und Max sind Verbrauchertarife ohne Auftragsverarbeitungsvertrag, und Gespräche dürfen dort seit der Änderung der Verbraucher-Bedingungen vom 28. August 2025 zum Training genutzt werden, sofern Sie das in den Einstellungen nicht abschalten. Für Kundendaten im Betrieb ist der Team-Tarif mit Auftragsverarbeitungsvertrag das Minimum, dort werden Inhalte nicht zum Training verwendet. Die Verarbeitung läuft in beiden Fällen auf US-Servern, eine EU-Datenresidenz bietet Anthropic für Cowork nicht an. Wer sie braucht, kann Cowork seit April 2026 (zunächst als Preview) über Amazon Bedrock in EU-Regionen wie Frankfurt betreiben, sofern das gewählte Modell dort verfügbar ist; Computer Use entfällt auf diesem Weg. Die Kanzlei Heuking fasst in ihrer Einordnung zu Claude im Unternehmen zusammen, dass sich die Risikofrage bei Cowork vom Speicherort der Daten hin zu den Zugriffs- und Handlungsrechten des Agenten verschiebt.
Eine Cowork-Aufgabe verbraucht laut Anthropic mehr Kontingent als ein Chat-Gespräch, und der Auto-Modus zieht mehr davon als der manuelle. Je nach Umfang sind im Pro-Tarif wenige größere Aufgaben pro 5-Stunden-Fenster drin, eine offizielle Zahl nennt Anthropic nicht. Wer täglich mehrere Ordner verarbeiten lässt, landet beim Max-Tarif. Die seit Mai 2026 um 50 Prozent erhöhten Wochenlimits für Claude Code laufen nach aktuellem Stand am 31. August 2026 aus; ob das auch das Cowork-Kontingent berührt, hat Anthropic nicht gesagt. Unter Windows braucht Cowork ein 64-Bit-System mit Hyper-V, auf ARM-Geräten mit Snapdragon-Prozessor läuft es laut Nutzerberichten bislang nicht, und freigegebene Ordner müssen unterhalb des eigenen Benutzerordners liegen, ein Ordner direkt auf Laufwerk C wird abgelehnt.