Claude Cowork in Chrome:
Seitenpanel wird zur vollwertigen Session

Veröffentlicht: 14/08/2026
Aktualisiert: 05/09/2026

Wir denken. KI tippt mit.

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Markus Schulte

AI Solution Development, Autor

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Anthropic hat das Seitenpanel seiner Chrome-Erweiterung in eine vollwertige Cowork-Session verwandelt. Mit Claude Cowork in Chrome starten Nutzer eine Aufgabe seit dem 12. August 2026 direkt im Browser und führen dieselbe Sitzung anschließend in der Desktop-, Web- oder Handy-App weiter. Erstmals stehen damit auch Agent Skills, Plugins und Connectors im Browser bereit, ohne dass dort etwas neu eingerichtet werden muss.

Bisher war das Seitenpanel ein isolierter Chat ohne Verbindung zum restlichen Claude-Konto. Genau diese Trennung zählte laut The New Stack zu den häufigsten Beschwerden in den Rezensionen des Chrome Web Store. Die Details nennt Anthropic in der offiziellen Ankündigung zum Cowork-Seitenpanel.

Jede Unterhaltung im Seitenpanel landet jetzt im Konto-Verlauf

Alle Gespräche aus dem Seitenpanel werden seit dem Update wie normale Cowork-Sessions im Verlauf des Claude-Kontos gespeichert. Die Sitzung hängt damit am Konto statt am Gerät. Wer im Browser eine Recherche beginnt, setzt sie am Desktop fort, ergänzt dort lokale Dateien und kontrolliert das Ergebnis später auf dem Handy.

Bestehende Nutzer der Erweiterung sehen nach dem Update eine Meldung im Panel mit dem Titel „Cowork ist jetzt in deinem Browser“. Sie erklärt in zwei Sätzen den Gerätewechsel und den Weg zurück zur alten Ansicht.

Die Cowork-Meldung im Chrome-Seitenpanel weist auf den Start von Aufgaben im Browser, das Fortsetzen vorhandener Sessions von Desktop oder Handy und den Rückweg zur alten Ansicht über das Drei-Punkte-Menü hin.
Die neue Cowork-Meldung im Seitenpanel von Claude in Chrome nach dem Update vom 12. August 2026 (eigener Screenshot).

Wer die alte Oberfläche bevorzugt, wechselt über das Drei-Punkte-Menü oben rechts im Panel zurück (im englischen Original „Switch back to classic“). Dafür gibt es einen handfesten Grund. Die Aufzeichnung von Workflows, mit der sich wiederkehrende Abläufe als Vorlage speichern lassen, funktioniert laut dem offiziellen Hilfe-Artikel zu Claude in Chrome nur in der klassischen Ansicht. Das neue Panel führt Anthropic derzeit als Beta.

Klassisches SeitenpanelCowork-Session (neu)
Verlaufisoliert, nur im Panelim Konto-Verlauf aller Claude-Apps
Gerätewechselnicht möglichDesktop, Web und Handy fortsetzbar
Skills, Plugins, Connectorsnicht verfügbarverfügbar
Workflow-Aufzeichnungverfügbarnicht verfügbar
Statusbisheriger Standardneuer Standard (Beta)

Ein Skill, der im Panel eingerichtet wird, steht anschließend in allen Apps bereit. Cowork im Browser und Cowork am Desktop greifen also auf denselben Werkzeugkasten zu.

Was ist Claude Cowork?

Cowork ist Anthropics Agenten-Arbeitsbereich und startete am 12. Januar 2026 als Research Preview in der Claude-Desktop-App. TechCrunch beschrieb das Werkzeug beim Start sinngemäß als Claude Code für Menschen, die nicht programmieren. Statt auf jede einzelne Antwort zu warten, stellt man Aufgaben in eine Warteschlange; Claude plant die Schritte, arbeitet sie ab, prüft die eigenen Ergebnisse und fragt bei Blockern nach.

Über Agent Skills und Plugins erstellt Cowork fertige Dateien wie Excel-Tabellen, PowerPoint-Präsentationen oder PDFs. Seit Juli 2026 läuft Cowork auch im Web und auf dem Handy; die Sessions laufen dann in der Cloud auf Anthropic-Servern.

Rechnungen aus Portalen sammeln, Tabelle am Desktop fertigstellen

Anthropics Anwendungsbeispiel aus der Ankündigung zeigt, wofür die Verbindung gedacht ist. Claude öffnet nacheinander mehrere Lieferanten-Portale in Tabs, liest Rechnungsbeträge und Fälligkeiten aus und baut daraus eine Budget-Tabelle. Anschließend wandert dieselbe Session in die Desktop-App, wo lokale Dateien wie das Vormonatsbudget dazukommen. Im Browser handelt dabei ein vollwertiger KI-Agent, der Links klickt, Texte eintippt, zwischen Seiten navigiert und Formulare ausfüllt, und zwar mit den bestehenden Logins des Nutzers.

Weitere von Anthropic genannte Szenarien sind das Auslesen von Kennzahlen aus Analytics-Dashboards, das Aufräumen in Google Drive und das Protokollieren von Verkaufsgesprächen in Salesforce. Den Sinn der Erweiterung begründet das Unternehmen mit Werkzeugen, die keine eigene Claude-Anbindung haben, etwa internen Dashboards, Altsystemen und Lieferanten-Portalen. Die Arbeitsteilung sieht vor, dass die Erweiterung im Browser recherchiert und klickt, während Cowork daraus Excel-Dateien, PowerPoint-Präsentationen oder Berichte erstellt.

Einen Unterschied zur Entwickler-Welt hebt 9to5Mac hervor. Während der eingebaute Browser von Claude Code in einem isolierten Profil läuft, nutzt die Chrome-Erweiterung die echten, eingeloggten Sitzungen des Nutzers. Für lokale Ordner und andere Desktop-Programme bleibt die Desktop-App nötig, auch wenn die Session in der Cloud läuft.

Wie das im Alltag aussieht, zeigt Anthropics offizielles Vorstellungsvideo zum neuen Seitenpanel.

Claude Cowork in Chrome: Max und Team sofort, Pro folgt

Die neue Cowork-Ansicht ist seit dem 12. August 2026 für die Tarife Max und Team freigeschaltet. Pro-Nutzer erhalten sie laut Anthropic in den kommenden Wochen. In Enterprise-Umgebungen bleibt sie standardmäßig deaktiviert; Administratoren können sie freigeben und auf genehmigte Domains beschränken.

TarifCowork im Chrome-Seitenpanel
Maxsofort verfügbar (seit 12.08.2026)
Teamsofort verfügbar (seit 12.08.2026)
ProRollout in den kommenden Wochen
Enterprisestandardmäßig aus, Freigabe durch Admin möglich

Die Erweiterung selbst ist seit dem 18. Dezember 2025 in allen Bezahltarifen enthalten, ohne Aufpreis und ohne Warteliste. Installiert wird sie über den Claude-Eintrag im Chrome Web Store, danach genügt die Anmeldung mit dem Claude-Konto. Sie läuft ausschließlich in Google Chrome, nicht in anderen Chromium-Browsern wie Edge oder Brave und nicht auf dem Handy. Im Panel sind alle öffentlichen Claude-Modelle wählbar. Einen Überblick über die Funktionen gibt die offizielle Produktseite von Claude in Chrome; was die einzelnen Claude-Tarife kosten, zeigt unser Vergleich Claude vs ChatGPT 2026 mit Preisen und API-Kosten.

Screenshot der offiziellen Produktseite von Claude in Chrome mit der Überschrift „A refreshing way to work on the web" und dem Umschalter zwischen Chat und Cowork.
Die offizielle Produktseite von Claude in Chrome mit dem Umschalter zwischen Chat und Cowork (Quelle: claude.com, Stand: 14.08.2026).

Prompt Injection bleibt das größte Risiko

Anthropic nennt als Hauptrisiko des Browser-Agenten weiterhin Prompt Injection, also versteckte Anweisungen in Webseiten, E-Mails oder Dokumenten, die den Agenten zu ungewollten Aktionen umlenken sollen. Der Konzern schreibt selbst, die Schutzmaßnahmen reduzierten das Risiko deutlich, beseitigen könnten sie es nicht.

Neu seit der Pilotphase ist eine zweite Prüfinstanz. Das Panel startet im Modus „Automatically approve“, in dem Claude weitgehend selbstständig arbeitet. Vor folgenreichen Schritten wie dem Absenden eines Formulars, dem Senden einer Nachricht oder einem Download gleicht ein separater Kontrollmechanismus die geplante Aktion mit dem ursprünglichen Auftrag ab und blockiert Abweichungen. Käufe und die Weitergabe persönlicher Daten bestätigt der Nutzer weiterhin immer selbst. Hochriskante Kategorien wie Finanzdienstleistungen, Adult-Content und Piraterie-Seiten bleiben komplett gesperrt.

Anthropic rät ausdrücklich davon ab, die Erweiterung für sensible Bereiche wie Banking oder Gesundheitsdaten zu nutzen, und empfiehlt den Start mit vertrauenswürdigen Seiten. Wie eigenmächtig ein KI-Agent im Extremfall handeln kann, zeigte Anfang August der AISI-Vorfall um Claude Mythos 5.

Wie gut die Abwehr wirkt, hat Anthropic beim Start der Erweiterung mit 123 Testfällen in 29 Angriffsszenarien gemessen und in der Sicherheitsanalyse zum Chrome-Pilot veröffentlicht.

Prompt-Injection-Angriffe auf den Browser-Agenten

Erfolgsrate der Angriffe im autonomen Modus, gemessen von Anthropic mit 123 Testfällen in 29 Szenarien (August 2025). Bei vier browserspezifischen Angriffstypen wie versteckten Formularfeldern sank die Erfolgsrate mit Schutzmaßnahmen auf 0 Prozent.

Quelle: Anthropic, „Piloting Claude for Chrome“ (August 2025).
Zahlen als Tabelle
AngriffsartOhne SchutzmaßnahmenMit Schutzmaßnahmen
Alle 29 Angriffsszenarien23,6 %11,2 %
Browserspezifische Angriffe35,7 %0 %

Vom Pilotprojekt mit 1.000 Nutzern zum Standard-Claude

Die Chrome-Integration ist der vorläufige Schlusspunkt eines fast einjährigen Ausbaus, der an zwei Fronten parallel lief.

  • 25. August 2025: Start von „Claude for Chrome“ als Research Preview für 1.000 Nutzer des Max-Tarifs
  • 24. November 2025: Beta für alle Max-Abonnenten
  • 18. Dezember 2025: Freigabe der Erweiterung für Pro, Team und Enterprise
  • 12. Januar 2026: Start von Cowork in der Desktop-App, zunächst für Max auf macOS
  • 7. Juli 2026: Cowork auf Web und Handy, Sessions laufen seitdem in der Cloud
  • 12. August 2026: Das Chrome-Seitenpanel wird zur Cowork-Session

Über 90 Prozent der Cowork-Nutzung hat laut Anthropic nichts mit Softwareentwicklung zu tun. Eine von Anthropic selbst ausgewertete, anonymisierte Stichprobe von 1,2 Millionen Sessions aus dem Mai 2026 ordnet 33,4 Prozent der Nutzung Geschäftsprozessen zu, 16,4 Prozent der Content-Erstellung und nur 8,7 Prozent der Programmierung, wie TechCrunch zum Cowork-Ausbau auf Web und Mobile berichtete.

The New Stack wertet den Schritt in seiner Analyse als Zeichen, dass Cowork zum Standard-Claude wird. Da eine Cowork-Session alles kann, was der klassische Chat kann, hält das Magazin eine Verschmelzung beider Produkte für denkbar.

OpenAI beerdigt Atlas, Google verlangt Aufpreis

Die Ankündigung fällt in eine Umbruchphase bei den Browser-Agenten. Nur drei Tage vorher, am 9. August 2026, schaltete OpenAI seinen KI-Browser Atlas nach gut neun Monaten ab. Die Agent-Funktionen wandern laut TechCrunch-Bericht zum Atlas-Aus in eine Chrome-Erweiterung, die ChatGPT-Desktop-App und einen Cloud-Browser. Damit wählt OpenAI denselben Weg, den Anthropic von Anfang an gegangen ist.

Google lässt sich agentisches Browsen extra bezahlen. „Auto Browse“ in Chrome startete laut 9to5Google-Bericht zum Auto-Browse-Start am 28. Januar 2026 auf Basis von Gemini 3 und ist bisher nur in den USA verfügbar. Vorausgesetzt wird ein Abo von Google AI Pro für 19,99 Dollar im Monat oder AI Ultra für 249,99 Dollar; die Google-Hilfe zu Auto Browse in Chrome nennt Tageslimits von 20 beziehungsweise 200 Aufgaben. Perplexitys KI-Browser Comet ist seit Oktober 2025 kostenlos und läuft inzwischen auf Mac, Windows, Android und iOS. Microsoft löste den Copilot Mode in Edge im Mai 2026 als eigenen Modus auf und verteilte die KI-Funktionen an alle Edge-Nutzer auf Desktop und Handy.

Der Kampf um den Browser hat einen einfachen Grund. Chrome kam laut Statcounter-Statistik zu Browser-Marktanteilen im Juli 2026 weltweit auf 68,22 Prozent Marktanteil. Eine Chrome-Erweiterung erreicht damit auf einen Schlag mehr Menschen als jeder eigenständige KI-Browser.

Update (20.08.2026): Anthropic hat Cowork inzwischen für alle Bezahl-Tarife auf Smartphone und Web ausgerollt und dem Assistenten zugleich Schreibrechte in Google Workspace gegeben. Wie der Versand funktioniert und wo die Freigabe-Grenzen liegen, steht in unserem Artikel dazu, wie Sie mit Claude E-Mails senden.

Update (05.09.2026): Cowork hat seit dem 26. August 2026 einen eigenen eingebauten Browser. Der Claude Cowork Browser öffnet sich im Seitenfenster der Desktop-App und läuft getrennt vom Chrome des Nutzers, ohne Zugriff auf dessen Tabs, Lesezeichen und Passwörter. Die Erweiterung bleibt daneben bestehen und ist weiter der Weg für Seiten, die bereits geöffnet und eingeloggt sind.

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