Glossareintrag
Wir denken. KI tippt mit.
Generative AI (deutsch generative KI, ausgeschrieben Generative Artificial Intelligence oder generative Künstliche Intelligenz) ist Künstliche Intelligenz, die selbst neue Inhalte erzeugt, darunter Texte, Bilder, Videos, Musik, Sprache und Programmcode. Beim Training lernen die Modelle aus riesigen Mengen an Trainingsdaten die statistischen Muster von Sprache, Bildern und Klängen. Auf eine Eingabe (Prompt) hin erzeugen sie anschließend neue Inhalte, die diesen Mustern folgen, in dieser Form aber in keiner Quelle stehen.
Der Gegenbegriff ist die analysierende (diskriminative) KI, die vorhandene Daten nur einordnet, etwa eine E-Mail als Spam markiert oder ein Bauteil auf einem Foto erkennt. Generative KI ist ein Teilgebiet des Maschinellen Lernens und arbeitet heute fast immer mit Deep Learning. Die bekanntesten Vertreter sind Large Language Models, also die Sprachmodelle hinter Diensten wie ChatGPT, Claude und Gemini.
Technische Grundlage sind sogenannte Foundation Models, sehr große neuronale Netze, die auf einem breiten Datenbestand vortrainiert werden und sich danach für viele verschiedene Aufgaben einsetzen lassen. Ein Sprachmodell lernt dabei im Kern, das jeweils wahrscheinlichste nächste Wortstück (Token) vorherzusagen. Aus dieser Vorhersage entsteht bei ausreichender Modellgröße die Fähigkeit, komplette Angebote, Gespräche oder Programme zu formulieren. Bildgeneratoren arbeiten meist mit Diffusionsmodellen, die ein zufälliges Rauschen Schritt für Schritt in ein fertiges Motiv verwandeln. Viele aktuelle Systeme sind multimodal, verarbeiten also Text, Bilder und Ton in einem Modell.
Im August 2026 stammen die leistungsstärksten Modelle von einer Handvoll Anbieter. OpenAI bietet die GPT-5.6-Familie an, Anthropic die Claude-5-Familie, Google die Gemini-3-Generation, SpaceXAI (früher xAI) Grok 4.6, und Meta stellt mit Llama 4 offene Modellgewichte bereit. Bilder und Videos erzeugen unter anderem Midjourney, OpenAIs Sora, Googles Veo und FLUX vom Freiburger Unternehmen Black Forest Labs, Stimmen und Musik Dienste wie ElevenLabs und Suno.
67 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren nutzen laut einer Bitkom-Befragung vom Mai 2025 zumindest gelegentlich generative KI, im Sommer 2024 waren es 40 Prozent. Bei den Unternehmen ab zehn Beschäftigten meldet das Statistische Bundesamt für 2025 einen KI-Anteil von 26 Prozent, nach 20 Prozent im Jahr 2024.
Zu den Grenzen der Technik gehören Halluzinationen, also flüssig formulierte, aber falsche Angaben. OpenAI führt sie in einer Forschungsarbeit vom September 2025 darauf zurück, dass Training und Tests geratene Antworten belohnen und zugegebene Unsicherheit bestrafen. Hinzu kommt der Wissens-Cutoff, der Stichtag, bis zu dem ein Modell die Welt kennt. Beim Urheberrecht laufen mehrere Großverfahren. Anthropic zahlt nach einem 2026 gerichtlich gebilligten Vergleich 1,5 Milliarden US-Dollar an US-Autoren, deren Bücher aus Piraterie-Quellen in den Trainingsdaten steckten. Laut einer Messung von Google verbraucht eine mittlere Gemini-Textanfrage 0,24 Wattstunden Strom, so viel wie rund neun Sekunden Fernsehen. In der EU regelt der EU AI Act generative Systeme. Seit dem 2. August 2026 müssen Anbieter neuer Systeme KI-erzeugte Inhalte maschinenlesbar kennzeichnen, etwa über KI-Wasserzeichen; für Systeme, die vorher schon auf dem Markt waren, läuft eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026. Alle Fristen und Pflichten erklärt der Ratgeber zum EU AI Act.
Angebotsbegleitschreiben, Antworten auf Google-Bewertungen und Social-Media-Posts entstehen mit ChatGPT, Claude oder Gemini direkt im Chat-Fenster, ohne technische Einrichtung. Wer ohnehin mit Word und Outlook arbeitet, bekommt dieselbe Hilfe eingebaut über Microsoft 365 Copilot, im Google-Umfeld über Gemini in Google Workspace.
Ein Bad- oder Fliesenbetrieb kann Kundenwünsche mit KI direkt sichtbar machen. Der Sanitärbetrieb Frieling bindet dazu einen KI-Badplaner auf der eigenen Website ein, der aus Maßen und Stilvorgaben 3D-Raumvorschläge erzeugt. Für Referenzfotos und Social-Media-Grafiken bündelt Canva Magic Studio Bildgenerierung, Hintergrund-Entfernung und Vorlagen in einer Oberfläche für Nicht-Designer.
Am Telefon nehmen Voice Agents Anrufe an, während das Team auf der Baustelle steht. Anbieter wie HalloPetra (auf Handwerksbetriebe zugeschnitten) oder fonio.ai qualifizieren Anfragen, tragen Termine ein und fassen Gespräche zusammen; die aktuellen Tarife stehen auf den Preisseiten der Anbieter.
Die Deutsche Handwerks Zeitung zeigt in einer Praxisreportage von 2025, wie die Schreinerei Finsterer Angebots- und Social-Media-Texte generiert, Fickenschers Backhaus Bilder für Social Media erstellt und die Tischlerei Dein Freund einen Möbel-Chatbot betreibt, der Kundenwünsche direkt als Bild visualisiert.
Jedes Ergebnis benötigt fachliche Kontrolle, weil generative KI Fakten erfinden kann. Kundendaten gehören nur in Business-Versionen, deren Anbieter vertraglich zusichern, Eingaben nicht für das Modelltraining zu verwenden; Google Workspace und Microsoft 365 Copilot geben solche Zusagen. Laut einer Bitkom-Studie zum Handwerk setzen erst 4 Prozent der Handwerksbetriebe KI ein, weitere 9 Prozent planen den Einsatz.