Glossareintrag

Was bedeutet
Personenbezogene Daten (EU AI Act & Artificial Intelligence Lösungen)?

Personenbezogene Daten (EU AI Act & Artificial Intelligence Lösungen)

Definition:

Personenbezogene Daten (englisch „personal data") sind alle Informationen, die sich auf eine identifizierte oder identifizierbare natürliche Person beziehen. So definiert es Artikel 4 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Identifizierbar ist eine Person nicht nur über ihren Namen, sondern auch indirekt über Kennnummern, Standortdaten oder Online-Kennungen wie die IP-Adresse.

Für Künstliche Intelligenz gilt seit 2024 eine doppelte Rechtslage. Sobald personenbezogene Daten in ein KI-System gelangen, greifen die DSGVO und der EU AI Act (KI-Verordnung) parallel. Der AI Act ersetzt den Datenschutz nicht, er ergänzt ihn um KI-spezifische Regeln, etwa Verbote für bestimmte biometrische Anwendungen.

Beschreibung:

Der Begriff ist bewusst weit gefasst. Personenbezogen sind alle Angaben, die sich einer Person zuordnen lassen, notfalls über Umwege und mit Hilfe Dritter (Erwägungsgrund 26 DSGVO). Dazu zählen unter anderem:

  • Direkte Angaben wie Name, Anschrift, E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Geburtsdatum
  • Indirekte Kennungen wie Kundennummer, Kfz-Kennzeichen, Standortdaten oder Gerätekennungen
  • IP-Adressen, wenn der Betreiber die Person darüber ermitteln lassen kann (Europäischer Gerichtshof, Urteil C-582/14 „Breyer")
  • Fotos, Videos und Stimmaufnahmen, auf denen Personen erkennbar sind
  • Werturteile wie Arbeitszeugnisse oder Einschätzungen über einen Kunden

Besonders streng schützt Artikel 9 der DSGVO sensible Daten. Gesundheitsdaten, genetische Daten und biometrische Daten zur eindeutigen Identifizierung dürfen ebenso wie Angaben zu rassischer oder ethnischer Herkunft, politischen Meinungen, religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen, Gewerkschaftszugehörigkeit, Sexualleben und sexueller Orientierung nur in eng begrenzten Ausnahmefällen verarbeitet werden.

Wichtig ist die Abgrenzung zu anonymisierten Daten. Wurde der Personenbezug unumkehrbar entfernt, gilt die DSGVO nicht mehr. Pseudonymisierte Daten (etwa „Kunde 4711" statt Klarname) bleiben dagegen personenbezogene Daten, weil sich die Zuordnung über eine getrennt aufbewahrte Liste wiederherstellen lässt.

Der EU AI Act knüpft an mehreren Stellen direkt an personenbezogene Daten an. Artikel 5 verbietet seit Februar 2025 unter anderem das ungezielte Auslesen von Gesichtsbildern aus dem Internet für Erkennungsdatenbanken, Emotionserkennung am Arbeitsplatz und Social Scoring. Artikel 10 stellt Qualitätsanforderungen an die Trainingsdaten von Hochrisiko-Systemen, Artikel 50 verlangt Transparenz bei Chatbots und Deepfakes. Der Europäische Datenschutzausschuss hat Ende 2024 klargestellt, dass auch ein fertig trainiertes KI-Modell personenbezogene Daten enthalten kann und nicht automatisch als anonym gilt.

Ende Juli 2026 ist die Digital-Omnibus-Verordnung (EU) 2026/1744 in Kraft getreten, die den AI Act an über 40 Stellen ändert. Die Pflichten für Hochrisiko-KI wurden auf Dezember 2027 beziehungsweise August 2028 verschoben, neu verboten sind KI-Systeme, die intime Darstellungen realer Personen ohne deren Einwilligung erzeugen. An der DSGVO und damit an der Definition personenbezogener Daten hat der Omnibus nichts geändert. Eine geplante DSGVO-Reform, die unter anderem KI-Training auf Grundlage berechtigten Interesses ausdrücklich erlauben würde, liegt bislang nur als Entwurf der EU-Kommission vor.

Verstöße sind teuer. Die DSGVO sieht Bußgelder bis 20 Millionen Euro oder 4 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor, der AI Act bei verbotenen Praktiken sogar bis 35 Millionen Euro oder 7 Prozent. Italiens Datenschutzbehörde verhängte im Dezember 2024 ein Bußgeld von 15 Millionen Euro gegen OpenAI, weil ChatGPT unter anderem Trainingsdaten ohne ausreichende Rechtsgrundlage verarbeitet hatte (OpenAI hat Berufung angekündigt). Die niederländische Aufsicht bestrafte 2024 den Gesichtserkennungs-Anbieter Clearview AI mit 30,5 Millionen Euro.

Personenbezogene Daten (EU AI Act & Artificial Intelligence Lösungen) für Handwerker:

Die wichtigste Regel für den Betriebsalltag lautet, dass jede Eingabe von Kundendaten in ein Cloud-KI-Tool rechtlich eine Datenverarbeitung ist. Wer Name, Adresse oder Auftragsdetails eines Kunden in ChatGPT, Claude oder Gemini eintippt, übermittelt personenbezogene Daten an den Anbieter und braucht dafür eine Rechtsgrundlage.

Dabei kommt es stark auf die Kontoart an. Kostenlose und private KI-Konten nutzen Eingaben in der Standardeinstellung häufig für das Training der Modelle. Bei ChatGPT Free und Plus lässt sich das in den Einstellungen unter „Datenkontrollen" abschalten, vergleichbare Schalter gibt es bei Claude und Gemini (die Details unterscheiden sich je Anbieter). Business- und API-Varianten der großen Anbieter trainieren dagegen standardmäßig nicht mit Kundeninhalten und bieten den nach Artikel 28 DSGVO nötigen Auftragsverarbeitungsvertrag (AV-Vertrag).

Typische Praxisfälle aus lokalen Betrieben und Handwerksunternehmen:

  • Angebote und E-Mails per KI schreiben. Kundenname und Adresse vorher durch Platzhalter ersetzen oder eine Business-Version mit AV-Vertrag nutzen.
  • Baustellen- und Referenzfotos per KI bearbeiten. Erkennbare Gesichter, Kfz-Kennzeichen und Klingelschilder machen ein Foto zum personenbezogenen Datum.
  • Sprachnotizen und Kundengespräche transkribieren lassen. Stimme und Gesprächsinhalt sind personenbezogen, Mitschnitte von Telefonaten brauchen die Einwilligung aller Beteiligten.
  • Bewerbungen per KI vorsortieren. Automatisierte Entscheidungen über Menschen unterliegen Artikel 22 DSGVO, KI-Systeme für die Personalauswahl gelten nach dem AI Act ab Dezember 2027 als Hochrisiko-Anwendung mit umfangreichem Pflichtenkatalog.
  • Chatbot auf der Firmenwebsite. Besucher müssen erkennen können, dass sie mit einer KI schreiben (Artikel 50 AI Act), und die Datenschutzerklärung muss den Chatbot erwähnen.

Als Leitfaden für die Tool-Auswahl empfiehlt sich die Orientierungshilfe „Künstliche Intelligenz und Datenschutz" der Datenschutzkonferenz, das gemeinsame Papier der deutschen Aufsichtsbehörden. Welche Pflichten, Fristen und Bußgelder die KI-Verordnung Betrieben insgesamt bringt, erklärt unser ausführlicher Ratgeber zum EU AI Act 2026 Schritt für Schritt.

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