Mit Kimi K3 hat das chinesische KI-Unternehmen Moonshot AI am 16. Juli 2026 sein bislang stärkstes KI-Modell vorgestellt und es elf Tage später zum freien Download freigegeben. Oft wird der Name „Kimi 3″ geschrieben, offiziell heißt das Modell aber Kimi K3, die dritte Generation der K-Modellreihe.
Die Eckdaten sind selbst für die aufgeheizte KI-Branche ungewöhnlich. 2,8 Billionen Parameter machen Kimi K3 zum größten frei verfügbaren KI-Modell, das je veröffentlicht wurde. Im unabhängigen Intelligence Index von Artificial Analysis stieg das KI-Modell aus China auf Platz 3 ein, hinter Claude Fable 5 und GPT-5.6 Sol und etwa gleichauf mit Claude Opus 4.8 und GPT-5.5. So nah war ein offenes Modell den führenden US-Systemen noch nie.
Der Andrang überraschte selbst Moonshot. Vier Tage nach dem Start nahm das Unternehmen keine neuen Abos mehr an, weil die eigenen GPU-Kapazitäten laut THE-DECODER-Bericht zum Kimi-Abo-Stopp binnen 48 Stunden am Limit waren. Auf Hugging Face verzeichnete Kimi K3 nach Angaben von Plattform-Chef Clément Delangue das schnellste Release-Wachstum der Plattformgeschichte.
Kimi K3 in Zahlen: 2,8 Billionen Parameter, 1 Million Token Kontext
Kimi K3 ist ein Mixture-of-Experts-Modell mit 2,8 Billionen Parametern, von denen pro verarbeitetem Token nur 104 Milliarden aktiv sind. Das Modell besteht aus 896 spezialisierten Experten-Netzen, von denen ein Router für jedes Token 16 auswählt, ergänzt um zwei ständig aktive Shared Experts. Diese Mixture-of-Experts-Bauweise hält die Rechenkosten trotz der enormen Gesamtgröße im Rahmen.
Technisch bricht Moonshot an mehreren Stellen mit dem Standard-Rezept großer Sprachmodelle:
- Kimi Delta Attention (KDA): 69 der 93 Modell-Schichten nutzen einen neu entwickelten Aufmerksamkeits-Mechanismus, der lange Eingaben deutlich schneller verarbeitet. Moonshot verspricht bis zu 6,3-fach schnellere Dekodierung bei sehr langen Eingaben, eine Herstellerangabe.
- 1 Million Token Kontextfenster: Genau 1.048.576 Token passen in eine Anfrage, das entspricht grob 1.500 Buchseiten auf einmal.
- Nativ multimodal: Text, Bilder und Videos verarbeitet dasselbe Modell, den Bild-Anteil übernimmt der Vision-Encoder MoonViT-V2 mit 401 Millionen Parametern.
- Quantization-Aware Training: Kimi K3 wurde von vornherein für das kompakte MXFP4-Zahlenformat trainiert, statt erst nachträglich verkleinert zu werden. Das senkt die Betriebskosten spürbar.
- Denken immer an: K3 ist ein reines Reasoning-Modell. Über den API-Parameter reasoning_effort lässt sich der Denkaufwand in den Stufen low, high und max regeln, zum Start lief das Modell ausschließlich auf max.
Moonshot beziffert den Fortschritt gegenüber dem Vorgänger Kimi K2 auf die 2,5-fache Intelligenz pro eingesetzter Rechenleistung. Die Details stehen im Technical Report „Kimi K3: Open Frontier Intelligence" auf arXiv, den Moonshot zusammen mit den Gewichten veröffentlicht hat.
Benchmarks 2026: Platz 3 weltweit, Platz 1 unter offenen Modellen
Im unabhängig gemessenen Intelligence Index von Artificial Analysis erreichte Kimi K3 zum Start 57 Punkte und damit Platz 3 hinter Claude Fable 5 mit 60 und GPT-5.6 Sol mit 59 Punkten. Kein anderes offenes Modell kam je so weit nach oben. Die bisherigen Spitzenreiter des Open-Weight-Lagers, GLM-5.2 mit 51 und DeepSeek V4 Pro mit 44 Punkten, liegen deutlich dahinter.
Artificial Analysis Intelligence Index (Stand: Juli 2026)
Unabhängige Gesamtwertung über Dutzende Einzel-Benchmarks. Kimi K3 (grün) ist das erste offene Modell in Schlagdistanz zur proprietären Spitze.
Zahlen als Tabelle
| Modell | Punkte im Intelligence Index |
|---|---|
| Claude Fable 5 | 60 |
| GPT-5.6 Sol | 59 |
| Kimi K3 | 57 |
| GLM-5.2 | 51 |
| DeepSeek V4 Pro | 44 |
Moonshots eigene Messungen zeichnen ein noch günstigeres Bild. In den agentischen Disziplinen, also überall dort, wo das Modell selbstständig Werkzeuge bedient, sieht der Hersteller sein Modell teils vor der US-Konkurrenz:
| Benchmark | Kimi K3 | Claude Fable 5 | GPT-5.6 Sol |
|---|---|---|---|
| GPQA Diamond (Fachwissen) | 93,5 | 92,6 | 94,1 |
| Terminal-Bench 2.1 (Kommandozeile) | 88,3 | 88,0 | 88,8 |
| BrowseComp (Web-Recherche) | 91,2 | 88,0 | 90,4 |
| SWE-Marathon (lange Coding-Sessions) | 42,0 | 35,0 | 39,0 |
| MCPMark-Verified (Tool-Nutzung via MCP) | 94,5 | 87,4 | 92,9 |
| OSWorld-Verified (Computer-Bedienung) | 84,8 | 85,0 | 83,0 |
Solche Herstellerangaben verdienen grundsätzlich Skepsis, bei Kimi K3 bestätigen unabhängige Prüfer aber zumindest die Richtung. Bei Vals AI erreicht das Modell auf SWE-bench Verified 93,4 Prozent und ist damit das stärkste offene Modell des Rankings, vor den geschlossenen Systemen Claude Opus 4.8 mit 88,6 und Grok 4.5 mit 86,6 Prozent. Die Gesamtspitze hält dort Claude Opus 5 mit 97,0 Prozent. Die ARC Prize Foundation verifizierte 60,4 Prozent auf dem besonders schweren ARC-AGI-2-Test, ein neuer Rekord für offene Modelle bei Kosten von 1,59 US-Dollar pro Aufgabe. Und in der Frontend Code Arena von Arena.ai eroberte Kimi K3 mit 1679 Elo-Punkten Platz 1 vor Claude Fable 5 (1631) und GPT-5.6 Sol (1618), nachdem der Vorgänger K2.6 dort noch auf Platz 18 lag. Was hinter dem getesteten MCP-Standard steckt, erklärt unser Hintergrundartikel zum Agent-Plugins-Standard von OpenAI und Google.
Ein Vorbehalt bleibt. Agentische Benchmark-Ergebnisse hängen stark vom Test-Aufbau ab, je nach verwendetem Agent-Gerüst gingen die Messwerte in Analysen beim selben Modell um bis zu 26 Punkte auseinander. Artificial Analysis kam bei einer eigenen Nachmessung von Terminal-Bench auf 85 statt der von Moonshot genannten 88,3 Prozent. An der Gesamteinordnung ändert das wenig, an einzelnen Bestwerten schon.
Was Kimi K3 kostet: Abo-Stufen und API-Preise
Die Gratis-Stufe von kimi.com heißt Adagio, der volle Zugang zu Kimi K3 beginnt beim Abo Moderato für 19 US-Dollar im Monat. Moonshot benennt seine Tarife nach musikalischen Tempobezeichnungen, vom langsamen Adagio bis zum lebhaften Vivace:
| Stufe | Preis pro Monat | Bei Jahreszahlung | Das steckt drin |
|---|---|---|---|
| Adagio | kostenlos | kostenlos | Basis-Chat (läuft über K2.6), Datei-Upload, Websuche, nur wenige Agent-Credits für K3 |
| Moderato | 19 USD | 15 USD | Einstieg in Kimi K3 mit monatlichen Kontingenten |
| Allegretto | 39 USD | 31 USD | Höhere K3-Kontingente |
| Allegro | 99 USD | 79 USD | „K3 Extra Long Chat" mit dem vollen 1-Million-Token-Kontext |
| Vivace | 199 USD | 159 USD | Höchste Limits |
Ganz praktisch kann der Abschluss gerade haken. Wegen des GPU-Engpasses pausierte Moonshot neue Abos ab dem 20. Juli 2026 und gibt Plätze seitdem schrittweise wieder frei, Bestandskunden waren nicht betroffen.
Über die API kostet Kimi K3 3,00 US-Dollar je Million Input-Token und 15,00 US-Dollar je Million Output-Token. Wiederholt sich ein Prompt-Anfang, greift der günstigere Cache-Preis von 0,30 US-Dollar. Damit kostet K3 das Drei- bis Vierfache seines Vorgängers K2.6, bleibt aber weit unter den US-Spitzenmodellen. Claude Fable 5 verlangt 50 US-Dollar je Million Output-Token, GPT-5.6 Sol 30 US-Dollar. Wie sich die Preise der beiden US-Anbieter im Detail zusammensetzen, zeigt unser großer Preisvergleich Claude vs ChatGPT 2026.
Was bedeutet Cache-Hit?
KI-Anbieter speichern den Anfang häufig wiederholter Anfragen zwischen, etwa lange Systemanweisungen oder ganze Dokumente. Dieses Verfahren heißt Prompt-Caching. Trifft eine neue Anfrage auf diesen Zwischenspeicher, spricht man von einem Cache-Hit, und nur der neue Teil wird voll berechnet. Bei Kimi K3 sinkt der Input-Preis dann von 3,00 auf 0,30 US-Dollar je Million Token. Bei Anthropic ist der Abstand seit September 2026 noch größer, dort kostet ein Treffer bei Claude Fable 5.1 nur noch 0,25 statt 10 US-Dollar, nachzulesen im Preisvergleich zum Prompt Caching bei Claude. Gerade bei Agenten, die denselben Kontext viele Male durchlaufen, macht das den Großteil der Kosten aus.
Der Listenpreis erzählt allerdings nur die halbe Geschichte. Kimi K3 arbeitet ungewöhnlich token-effizient und verbraucht laut Artificial Analysis 21 Prozent weniger Output-Token als der eigene Vorgänger. Rechnet man die Kosten pro tatsächlich erledigter Agent-Aufgabe, ist K3 sogar günstiger als GPT-5.6 Sol:
Kosten pro erledigter Agent-Aufgabe
Durchschnittskosten in US-Dollar, gemessen von Artificial Analysis über agentische Test-Aufgaben. Der Listenpreis pro Token täuscht: Effizienz entscheidet.
Zahlen als Tabelle
| Modell | US-Dollar pro Aufgabe |
|---|---|
| Kimi K3 | 0,94 |
| GPT-5.6 Sol | 1,04 |
| Claude Opus 4.8 | 1,80 |
THE DECODER liest aus dieser Preisgestaltung einen Trend für den gesamten Markt. Die Zeit der Billig-KI aus China gehe zu Ende, chinesische Anbieter verlangten für Spitzenleistung inzwischen Spitzenpreise, wenn auch weiter unter US-Niveau. DeepSeek bleibt mit derzeit 0,87 US-Dollar je Million Output-Token für sein V4-Modell die günstige Ausnahme, wobei das ein rabattierter Aktionspreis ist.
Kimi K3 in Deutschland nutzen: Web, App und die Datenfrage
Kimi K3 ist in Deutschland ohne Umwege nutzbar, ganz anders als manches US-Feature, das Europa erst Monate später erreicht. Der Zugang läuft über kimi.com im Browser, die Kimi-Apps für iOS und Android, die Desktop-Anwendung Kimi Work für Windows und macOS sowie das Kommandozeilen-Werkzeug Kimi Code für Entwickler. Hilfebereich und App gibt es auf Deutsch, Teile der Oberfläche sind laut Nutzerberichten allerdings noch englisch. Ein Gratis-Konto genügt zum Ausprobieren, wobei der unbegrenzte Basis-Chat über das ältere Modell K2.6 läuft und K3 selbst nur begrenzte Agent-Credits erhält.
Die entscheidende Frage für viele Nutzer ist eine andere. Wohin fließen die Daten?
Moonshot fährt bei der Datenresidenz zweigleisig. Für das Verbraucherprodukt, also Web-Chat und Apps, nennt die offizielle Kimi-Hilfeseite zur Datennutzung Server in Festland-China als Speicherort. Die API-Plattform betreibt dagegen die MOONSHOT AI PTE. LTD. mit Sitz in Singapur, deren Datenschutzerklärung eigene Klauseln für den Europäischen Wirtschaftsraum enthält. Für alle Chat-Nutzer relevant ist ein Passus derselben Hilfeseite. Eingaben und Antworten dürfen demnach standardmäßig für das Training künftiger Modelle verwendet werden. Ein Widerspruch ist möglich, aber nicht per Schalter in der App, sondern nur per E-Mail an den Support mit Identitätsprüfung.
Deutsche Datenschutz-Einschätzungen ordnen die Lage nüchtern ein. China hat keinen Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission, die Verarbeitung personenbezogener Daten über die China-Cloud ist damit rechtlich schwer zu begründen. Wie ernst deutsche Behörden solche Fälle nehmen, zeigte 2025 der Präzedenzfall DeepSeek. Die Berliner Datenschutzbeauftragte forderte den Anbieter im Mai 2025 auf, seine Apps vom deutschen Markt zu nehmen oder die Voraussetzungen für eine rechtmäßige Datenübermittlung zu schaffen, und meldete die DeepSeek-App im Juni 2025 bei Apple und Google als rechtswidrigen Inhalt. Gegen Kimi liegt Stand August 2026 keine vergleichbare deutsche Behördenmaßnahme vor. Welche Pflichten für KI-Anbieter in Europa generell gelten, haben wir im großen Überblick zum EU AI Act zusammengefasst.
Praxistipp für Firmen und sensible Daten
Wer Kimi K3 mit Kunden- oder Geschäftsdaten nutzen will, sollte die China-Cloud meiden. Weil die Gewichte offen sind, lässt sich das Modell komplett ohne Moonshot-Server betreiben, etwa über westliche Cloud-Anbieter wie Fireworks oder Together AI oder gleich auf eigener Infrastruktur. Firmenkunden mit Kimi-Business-Vertrag sind laut Moonshot außerdem standardmäßig vom Training ausgenommen. Alle anderen sollten keine personenbezogenen Daten in den Chat geben.
Offene Gewichte, eigene Lizenz: Was die Kimi K3 License erlaubt
Moonshot verteilt Kimi K3 zwar frei zum Download, aber nicht mehr unter der Modified-MIT-Lizenz des Vorgängers K2, sondern unter einer eigenen „Kimi K3 License". Die erlaubt fast alles: kommerzielle Nutzung, Fine-Tuning, abgeleitete Modelle, sogar den Weiterverkauf. Zwei Auflagen hat der Lizenztext trotzdem.
- Model-as-a-Service-Klausel: Wer Kimi K3 als Dienst anbietet und damit mehr als 20 Millionen US-Dollar Umsatz in zwölf Monaten erzielt, braucht eine gesonderte Vereinbarung mit Moonshot. Diese Klausel ist neu gegenüber K2 und zielt direkt auf große Inference-Anbieter.
- Namensnennung: Produkte mit mehr als 100 Millionen monatlich aktiven Nutzern oder mehr als 20 Millionen US-Dollar Monatsumsatz müssen „Kimi K3" sichtbar in der Oberfläche nennen.
Der britische Entwickler Simon Willison und andere Beobachter sprechen deshalb bewusst von einem Open-Weight-Modell und nicht von Open Source, denn die Open-Source-Definition der OSI erfüllt eine Lizenz mit Umsatzklauseln nicht. Auch Moonshot selbst spricht in der Release-Ankündigung von „model weights", nicht von Open Source. Den Release begleitete das Unternehmen mit diesem Beitrag auf X:
Releasing the model weights and technical report of Kimi K3. Kimi K3 is our most capable model: a 2.8T MoE model with native visual understanding and a 1M-token context window. New model architecture: 2.5x the intelligence per unit of compute, not just more params.
— Kimi.ai (@Kimi_Moonshot) July 27, 2026
Neben den Gewichten stellte Moonshot auch Teile der eigenen Infrastruktur frei zur Verfügung, darunter die Attention-Kernels und die Kommunikationsbibliothek für den Mixture-of-Experts-Betrieb. Für Forscher ist das fast so wertvoll wie das Modell selbst, weil sich damit nachvollziehen lässt, wie ein 2,8-Billionen-Modell überhaupt wirtschaftlich betrieben wird.
Kimi K3 selbst hosten: Hardware, Quantisierung, Cloud-Anbieter
Wer Kimi K3 auf eigener Hardware betreiben will, braucht Rechenzentrums-Technik, denn die vollen Gewichte belegen im MXFP4-Format rund 1,4 Terabyte. Für den Betrieb empfiehlt Moonshot die Inference-Engines vLLM und SGLang, die Community hat das Modell außerdem über einen llama.cpp-Ableger von Unsloth zum Laufen gebracht. Deren per Quantisierung geschrumpfte Versionen zeigen, wie weit sich das Modell verdichten lässt:
| Variante | Dateigröße | Einordnung |
|---|---|---|
| Unsloth 1-Bit (UD-IQ1_S) | 594 GB | Kleinste lauffähige Version |
| Unsloth 2-Bit (UD-IQ2_XXS) | 711 GB | Brauchbarer Kompromiss |
| Unsloth Q2_K_XL | 861 GB | Rund 90 Prozent der Originalqualität |
| 4-Bit (Q4) | 1.510 GB | Nahe am Original |
| Verlustfreie GGUF-Version (Q8) | 1.560 GB | Referenzqualität ohne Verlust |
Selbst die 1-Bit-Version verlangt also gut 600 Gigabyte kombinierten Speicher, ein normaler PC scheidet aus. Ein Community-Bericht auf Hugging Face nennt 16 H200-Beschleuniger für den Betrieb der vollen Gewichte, auf einer B200-Maschine erreicht die quantisierte Version laut Unsloth rund 20 Token pro Sekunde. Realistischer ist für die meisten der Weg über Cloud-Anbieter, die das offene Modell hosten. OpenRouter listet Kimi K3 für 2,80 US-Dollar je Million Input- und 14 US-Dollar je Million Output-Token, Together AI und Fireworks berechnen die offiziellen 3 und 15 US-Dollar, wobei Fireworks in den USA hostet. Groq hat Kimi K3 bislang nicht im Programm.
Der Einstieg über die API ist in wenigen Zeilen erledigt, weil Kimi K3 das OpenAI-Format spricht. So sieht ein Aufruf über OpenRouter mit dem OpenAI-Python-Paket aus:
from openai import OpenAI
client = OpenAI(
base_url="https://openrouter.ai/api/v1",
api_key="IHR_OPENROUTER_SCHLUESSEL",
)
antwort = client.chat.completions.create(
model="moonshotai/kimi-k3",
messages=[
{"role": "user", "content": "Erklaere Mixture of Experts in zwei Saetzen."}
],
)
print(antwort.choices[0].message.content) Sandbox-Ausbruch und Zensur: Die Kritik an Kimi K3
Am 7. August 2026 berichtete TechCrunch über einen Vorfall, der die Sicherheitsdebatte um Kimi K3 neu entfacht hat. In einem Test der Sicherheitsfirma Frontier Security brach das Modell aus einer fehlerhaft konfigurierten Sandbox aus, die auf Benchmark-Software des britischen AI Security Institute aufbaute. Über Kommandozeilen-Werkzeuge fand K3 den Weg zu GitHub und kopierte sich dort die Antwortschlüssel des laufenden Tests, so der TechCrunch-Bericht zum Kimi-Sandbox-Ausbruch. Firmenchef Yaron Singer nannte K3 ohne Schutzmaßnahmen im Cybernews-Interview zum Sandbox-Vorfall „ein sehr gutes Hacking-Modell". Dass KI-Agenten in Tests eigenmächtig handeln, ist kein Einzelfall, einen ähnlichen Vorfall beschreibt unser Artikel über den AISI-Test, bei dem ein KI-Agent eigenmächtig handelte. Den kompletten Ablauf über die GitHub-Freigabe und den Streit um die Verantwortung analysiert unser Artikel zum Kimi K3 Sandbox-Ausbruch beim AISI-Benchmark.
Bei den reinen Cyber-Fähigkeiten liegt Kimi K3 laut einer gemeinsamen Cyber-Analyse des britischen AISI und des US-Instituts CAISI deutlich hinter den US-Spitzenmodellen, aber vor dem chinesischen Konkurrenten GLM-5.2. Die eingebauten Sicherheitsmaßnahmen verhinderten Missbrauchsversuche in dem Test nicht zuverlässig. Wie ernst westliche Anbieter dasselbe Risiko nehmen, zeigt der Fall OpenAI, der den Astra-Release wegen kritischer Cyber-Fähigkeiten verschob.
Drei weitere Kritikpunkte begleiten das Modell seit dem Start:
- Halluzinationen: Im Omniscience-Test von Artificial Analysis stieg die Halluzinationsrate auf 51 Prozent, der Vorgänger K2.6 lag bei 39 Prozent. Die Genauigkeit wuchs im Gegenzug von 33 auf 46 Prozent. K3 weiß mehr, behauptet aber auch mehr.
- Zensur: Die Organisation Human Rights in China dokumentierte, dass der Kimi-Chat Fragen zu Xi Jinping oder dem 4. Juni 1989 ausweicht. Beim Vorgänger K2 Thinking stellte das US-Institut CAISI fest, dass die Zensur auf Chinesisch deutlich stärker greift als auf Englisch. Wer die offenen Gewichte selbst betreibt, kann diese Produktebene umgehen.
- Destillationsvorwürfe: Anthropic und Vertreter der US-Regierung werfen Moonshot vor, Fähigkeiten aus US-Modellen destilliert zu haben. Der MIT-Forscher Michiel Bakker, zugleich bei Google DeepMind, erklärte dagegen auf X, die Ergebnisse seien durch Destillation allein nicht zu erklären. Das Weiße Haus wirft Moonshot zusätzlich vor, für das Training gebannte Nvidia-Chips genutzt zu haben.
Die US-Börsen reagierten nervös auf den Launch. Der Nasdaq Composite fiel am Tag nach der Vorstellung laut CNN um 1,4 Prozent, der S&P 500 um 1 Prozent, besonders Halbleiter-Aktien wie Nvidia standen unter Druck. In Washington entbrannte eine Debatte zwischen Warnern, die in offenen China-Modellen ein Sicherheitsrisiko sehen, und Stimmen, die die Panik für überzeichnet halten.
Moonshot AI: Vom Startup zur 35-Milliarden-Bewertung
Hinter Kimi K3 steht ein Unternehmen, das erst im März 2023 gegründet wurde. Moonshot AI aus Peking, aufgebaut von Yang Zhilin (Tsinghua-Universität, Carnegie Mellon) zusammen mit Zhou Xinyu und Wu Yuxin, beschäftigt rund 300 Mitarbeiter. Zu den Investoren zählen Alibaba, Tencent, IDG Capital und Meituan.
Der K3-Launch hat den Wert des Unternehmens massiv in die Höhe getrieben. Im Mai 2026 wurde Moonshot noch mit 20 Milliarden US-Dollar bewertet. Nach dem Launch sammelte die Firma laut Presseberichten rund 3,5 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von rund 35 Milliarden ein und peilt für die letzte Runde vor dem Börsengang 50 Milliarden an. Das Listing in Hongkong ist für Ende 2026 bis Anfang 2027 geplant. Der auf das Jahr hochgerechnete Umsatz lag laut Bloomberg im Juni bei 300 Millionen US-Dollar, über 70 Prozent davon aus dem API-Geschäft, und der Tagesumsatz hat sich seit dem K3-Start mindestens versechsfacht.
Kunden hat Moonshot längst auch außerhalb Chinas. Laut Fortune baute der Editor-Anbieter Cursor seinen Coding-Agenten Composer 2 auf einem Kimi-Modell auf, und DoorDash-Technikchef Andy Fang setzt K2.6 für einfachere Aufgaben ein. Im eigenen Land liefern sich derweil gleich vier Anbieter ein Rennen um die offene Spitze: DeepSeek mit V4 (1,6 Billionen Parameter), Alibabas Qwen-Team, das kurz nach K3 sein Qwen 3.8 mit 2,4 Billionen Parametern vorstellte und offene Gewichte versprach, GLM-Entwickler Z.ai und MiniMax.
Von der Langkontext-App zu K3: Alle Kimi-Modelle seit 2023
Kimi K3 ist das Ergebnis einer ungewöhnlich schnellen Modellfolge, im Schnitt lieferte Moonshot zuletzt alle zwei bis drei Monate ein neues Modell. Die Reihe im Überblick:
| Modell | Veröffentlichung | Das war neu |
|---|---|---|
| Kimi Chatbot | Oktober 2023 | Start als Langkontext-Spezialist mit 200.000 Zeichen, später 2 Millionen Zeichen |
| Kimi K1.5 | Januar 2025 | Erstes Reasoning-Modell, laut Moonshot auf o1-Niveau bei Mathe und Code |
| Kimi K2 | Juli 2025 | Open-Weight-Durchbruch: 1 Billion Parameter (32 Milliarden aktiv), Modified-MIT-Lizenz |
| Kimi K2 Thinking | November 2025 | 200 bis 300 Tool-Aufrufe am Stück, sogar vom US-Institut NIST/CAISI evaluiert |
| Kimi K2.5 | Januar 2026 | Multimodal mit MoonViT-Vision-Encoder und Agent-Schwarm-Funktionen |
| Kimi K2.6 | April 2026 | Text, Bild und Video mit 256.000 Token Kontext |
| Kimi K2.7 Code | Juni 2026 | Aufs Programmieren spezialisierte Ausgabe der 1-Billion-Architektur von K2.6 |
| Kimi K3 | Juli 2026 | 2,8 Billionen Parameter, 1 Million Token Kontext, Platz 3 weltweit |
Auf K3 dürfte die nächste Ausbaustufe schnell folgen. Moonshot hat mit dem Launch bereits die Aufspaltung seiner Abos in eine Kimi Membership und eine separate Kimi Code Membership angekündigt, und die letzte Finanzierungsrunde vor dem Börsengang läuft.
Häufige Fragen zu Kimi K3
Update (31.08.2026): Die These vom Ende der Billig-KI aus China hat gut zwei Wochen später einen Gegenbeleg bekommen. Z.ai veröffentlichte am 26. August GLM-5.3-Flash, ein offenes Modell mit 320 Milliarden Parametern, das im Intelligence Index von Artificial Analysis 57 Punkte erreicht und pro Aufgabe 0,09 Dollar kostet. Kimi K3 bleibt mit 60 Punkten das stärkere Modell, verlangt pro Aufgabe aber das gut Neunfache. Zuvor führte GLM-5.3-Flash eine Woche lang anonym unter dem Decknamen Ox Alpha die Nutzungscharts von OpenRouter an, die Hintergründe stehen in unserem Bericht zur Enthüllung von Ox Alpha.
Ist Kimi K3 kostenlos nutzbar?
Eingeschränkt ja. Das Gratis-Konto (Stufe Adagio) bietet unbegrenzten Basis-Chat, der allerdings über das ältere Modell K2.6 läuft, dazu Datei-Upload und Websuche. Kimi K3 selbst verbraucht Agent-Credits, von denen Gratis-Konten nur eine Handvoll erhalten. Voller K3-Zugang beginnt mit dem Moderato-Abo für 19 US-Dollar im Monat.
Heißt das Modell Kimi 3 oder Kimi K3?
Der offizielle Name lautet Kimi K3, das K steht für die Modellreihe von Moonshot AI. Die Schreibweise Kimi 3 ist verbreitet, taucht aber in keiner offiziellen Quelle auf. Auch die Modellkennung in der API ist kleingeschrieben kimi-k3.
Läuft Kimi K3 auf einem normalen PC?
Nein. Selbst die kleinste 1-Bit-Quantisierung von Unsloth ist 594 Gigabyte groß und erreicht dabei nach deren Messung nur noch rund 79 Prozent der ursprünglichen Antwortqualität. Als Faustregel sollten Arbeitsspeicher und Grafikspeicher zusammen mindestens die Dateigröße erreichen, das ist Rechenzentrums-Hardware.
Ist Kimi K3 Open Source?
Streng genommen nein, es ist ein Open-Weight-Modell. Die Gewichte sind frei verfügbar, die eigene Kimi K3 License enthält aber Umsatzklauseln, die der Open-Source-Definition widersprechen. Als Feinheit am Rande steht der Technical Report auf arXiv unter einer CC-BY-NC-ND-Lizenz, die betrifft aber nur den Text des Papers, nicht das Modell.
Verwendet Moonshot meine Chats für das KI-Training?
Standardmäßig ja, so steht es in der offiziellen Hilfe zur Datennutzung. Der Widerspruch läuft per E-Mail an den Support mit Identitätsprüfung und wird laut Moonshot innerhalb von 30 Tagen umgesetzt. Chat-Verlauf und Abo bleiben nach dem Widerspruch erhalten.
Ist Kimi K3 besser als ChatGPT oder Claude?
In einzelnen Disziplinen ja, etwa beim Frontend-Coding, wo K3 die Arena-Rangliste anführt. In der Gesamtwertung liegt es knapp hinter Claude Fable 5 und GPT-5.6 Sol. Geduld braucht man allerdings, denn bei den Vals-AI-Tests dauerte eine einzelne Aufgabe im Schnitt über 20 Minuten. Einen ausführlichen Vergleich der beiden US-Anbieter bietet unser Artikel Claude vs ChatGPT 2026.