Glossareintrag

Was bedeutet
Weckwort bei KI/AI (Wake Word, Hotword, Aktivierungswort)?

Wir denken. KI tippt mit.

Lesezeit: 9 Minuten
Veröffentlicht: 16.09.2026
Aktualisiert: 10.10.2026

Weckwort bei KI/AI (Wake Word, Hotword, Aktivierungswort)

Definition:

Ein Weckwort (englisch Wake Word, bei Google Hotword, bei Amazon Aktivierungswort) ist das gesprochene Wort oder die kurze Phrase, die einen Sprachassistenten aus dem Bereitschaftszustand holt. „Alexa“, „Hey Siri“, „Hey Google“, „Hey Meta“ und „Hey Copilot“ sind Weckwörter. Bis das Weckwort fällt, lauscht das Gerät nur auf diesen einen Klang. Erst danach nimmt es auf, was gesagt wird, und schickt es zur Verarbeitung an ein Sprachmodell oder in die Cloud des Anbieters.

Das Weckwort entscheidet nicht, was der Assistent versteht, sondern ob er überhaupt zuhört. Technisch heißt das Verfahren Keyword Spotting. Ein kleines neuronales Netz direkt im Gerät vergleicht den Ton laufend mit dem gespeicherten Muster des Weckworts. Das Netz versteht keine Sprache. Es erkennt nur diese eine Lautfolge.

Weitere Bezeichnungen sind Triggerwort, Signalwort, Aufwachwort und Wake-up Word. Das Gegenstück ist die Aktivierung per Taste (Push-to-Talk), z. B. die Sprachtaste am Lenkrad, oder das Antippen eines Mikrofonsymbols in der App. Ein Voice Agent am Telefon kommt ohne Weckwort aus. Dort löst der eingehende Anruf das Gespräch aus. (Hinweis: Verwechselbar mit „Hotword“ in der Kulturwissenschaft, wo der Begriff politisch aufgeladene Reizwörter meint.)

Beschreibung:

Die Weckwort-Erkennung hat zwei Stufen. Die erste läuft ununterbrochen. Apple beschreibt den Aufbau für „Hey Siri“ in seinem Machine Learning Journal. Auf dem iPhone hört ein kleiner Zusatzprozessor (Always On Processor) das Mikrofon ab und lässt ein winziges neuronales Netz darüber laufen, in den ersten Versionen fünf Schichten zu je 32 Einheiten. Erst wenn dessen Trefferwert eine Schwelle überschreitet, weckt er den Hauptprozessor, der die Stelle mit einem größeren Netz (fünf Schichten zu je 192 Einheiten) noch einmal prüft. Laut Amazons Erklärung der Alexa-Mythen warten Echo-Geräte „auf die Schallwellen des Aktivierungswortes und ignorieren alles andere“. Die zweite Stufe liegt bei Amazon in der Cloud. Sie prüft das gesendete Audio erneut auf das Weckwort und bricht die Übertragung ab, wenn sie es nicht bestätigt (Alexa-Hilfe zur Cloud-Verifizierung).

Dass ein Gerät rund um die Uhr lauschen kann, ohne den Akku zu leeren, liegt an der Größe dieser Modelle. Der Hersteller Sensory gibt für seine Weckwort-Modelle 80 Kilobyte bis 1 Megabyte an, die kleinste Variante kommt mit etwa 15 bis 20 Kilobyte Arbeitsspeicher aus. Die quelloffene Bibliothek openWakeWord lässt auf einem einzelnen Kern eines Raspberry Pi 3 rund 15 bis 20 Weckwort-Modelle gleichzeitig laufen. Das ist Edge-KI in ihrer kleinsten Form. Weil die Erkennung im Gerät bleibt, ist das Weckwort auch eine Datenschutz-Schwelle. Google formuliert es in seiner Hilfe zur Sprachaktivierung so: „Im Stand-by-Modus sendet Google Assistant das von Ihnen Gesagte weder an Google-Server noch an sonst jemanden.“ Microsoft erklärt für „Hey Copilot“ in Windows 11, dass die Erkennung lokal auf dem PC läuft und ein Puffer von zehn Sekunden nur im Arbeitsspeicher liegt, ohne gespeichert zu werden. Bei Amazon geht außerdem ein Sekundenbruchteil Ton vor dem Weckwort mit in die Cloud.

Die Schwäche des Verfahrens sind Fehlaktivierungen (False Wakes). Weil das Netz nur ein Lautmuster sucht, springt es auch auf ähnliche Klänge an. Forscher der Ruhr-Universität Bochum und des Max-Planck-Instituts für Sicherheit und Privatsphäre haben 2020 elf Sprachassistenten mit Staffeln von „Game of Thrones“, „Modern Family“ und „Tatort“ beschallt. Laut Pressemitteilung der Ruhr-Universität fanden sie über 1.000 Sequenzen, die einen Assistenten fälschlich wecken. Alexa reagierte auf „Am Sonntag“, Siri auf „Daiquiri“. Eine Studie der Northeastern University und des Imperial College London beschallte im selben Jahr Smart Speaker mit 134 Stunden Ton aus zwölf Fernsehserien und maß im Schnitt 0,95 Fehlaktivierungen pro Stunde. Bei einzelnen Geräten dauerte jede zehnte davon mindestens zehn Sekunden. Solche Aufnahmen landeten 2019 bei Menschen. Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte leitete damals ein Verwaltungsverfahren gegen Google ein, weil Mitarbeiter Mitschnitte des Assistant abhörten und abtippten, „ein nicht unerheblicher Teil“ davon aus Fehlaktivierungen. Apple zahlte im Januar 2025 in einem Vergleich 95 Millionen US-Dollar, weil Siri auch ohne „Hey Siri“ aufgezeichnet haben soll. Ein Fehlverhalten hat Apple nicht eingestanden.

Die Hersteller halten die Auswahl an Weckwörtern deshalb klein. Jedes Muster muss gegen große Mengen Alltagssprache auf Fehlalarme getestet werden. Bei Alexa stehen laut Amazon „Alexa“, „Amazon“, „Echo“, „Ziggy“ und „Computer“ zur Wahl. Siri hört auf „Siri“ oder „Hey Siri“ (Apple-Support zu Siri), Google auf „Hey Google“ oder „Ok Google“, Metas Brillen auf „Hey Meta“. Wer ein eigenes Weckwort benötigt, nutzt Tools wie die Porcupine-Engine von Picovoice. Dort tippt man die gewünschte Phrase ein und erhält das Modell in Sekunden. Mit openWakeWord und Home Assistant lässt sich das Modell auch selbst trainieren. Picovoice empfiehlt in seinen Tipps zur Wahl eines Weckworts mindestens sechs Laute und möglichst verschiedene Phoneme, weil kurze und klangarme Wörter öfter fälschlich anschlagen. Ergänzend prüfen Siri, Alexa und Google auf Wunsch die Stimme des Sprechers (Voice Match bei Google, personalisiertes „Hey Siri“ bei Apple), damit nur der richtige Nutzer an persönliche Kalender und Nachrichten kommt.

Seit die Assistenten auf Sprachmodellen laufen, reicht bei vielen ein Weckwort am Anfang des Gesprächs. Bei Alexa+, das seit dem 7. Mai 2026 in Deutschland im Early Access läuft, muss man laut Amazon Deutschland „das Aktivierungswort nicht jedes Mal wiederholen“ (Hintergrund zur Kooperation mit Anthropic in unserem Artikel zur KI-Alexa). Google startet auf seinen Lautsprechern mit „Hey Google, let’s chat“ eine Gemini-Live-Sitzung, in der das Gerät nach jeder Antwort bis zu 15 Sekunden auf Nachfragen lauscht. Bei Metas Brillen öffnet „Hey Meta, Live AI starten“ eine Sitzung, in der Mikrofon und Kamera laut Meta „kontinuierlich aktiv“ bleiben. Reine Chat-Apps verzichten ganz auf ein Weckwort. Der Sprachmodus von ChatGPT (mehr dazu in unserem Artikel zu GPT-Live) startet nur per Antippen. In Apple CarPlay dürfen Drittanbieter wie ChatGPT, Gemini und Claude laut MacRumors kein Weckwort anbieten (Überblick über die KI-Chatbots in CarPlay). „Hey Siri“ und die Sprachtaste am Lenkrad führen im Auto weiter zu Apples eigenem Assistenten. Tesla dagegen lässt Grok seit dem Software-Update 2026.26 auf „Hey Grok“ hören, wahlweise abschaltbar.

Die Europäische Kommission hat Google am 16. Juli 2026 per Digital Markets Act verpflichtet, die Weckwort-Erkennung von Android („always-on hotword detection“) für fremde KI-Assistenten zu öffnen. Laut dem Maßnahmenkatalog des Beschlusses sollen Drittanbieter ihr Klangmodell im System hinterlegen und die erste Erkennungsstufe auf dem Signalprozessor des Handys laufen lassen können, so wie Gemini heute. Frist dafür ist Android 18, spätestens der 1. August 2027. Dass mehrere Assistenten gleichzeitig auf ihr jeweiliges Weckwort hören, muss Google erst mit Android 19 ermöglichen, spätestens zum 1. August 2028. Bis dahin muss auf einem Android-Gerät nur ein Dienst zur Zeit auf sein Weckwort hören können.

Das Lautmuster lässt sich auch ohne hörbare Stimme auslösen. Beim DolphinAttack modulierte ein Team der Zhejiang-Universität 2017 Befehle auf Ultraschall über 20 Kilohertz, für Menschen unhörbar, für die Mikrofone von Siri, Google Now, Cortana und Alexa aber verständlich. Bei Light Commands (University of Michigan und University of Electro-Communications Tokio, 2019) genügte ein auf das Mikrofon gerichteter Laser, um Smart Speaker über bis zu 110 Meter Entfernung zu steuern. Beide Angriffe treffen nicht das Sprachmodell, sondern die Erkennungsstufe davor.

Weckwort bei KI/AI (Wake Word, Hotword, Aktivierungswort) für Unternehmen und Handwerker:

Im Handwerk fährt das „Weckwort“ heute primär im Transporter mit. Im VW Crafter genügt laut Volkswagen Nutzfahrzeuge ein „Hallo IDA“, um Navigation, Telefon, Klima und Fahrzeugzustand per Sprache zu bedienen. Im Mercedes Sprinter heißt der Ruf „Hey Mercedes“. Die Deutsche Handwerks Zeitung schrieb 2020 nach einem Test des sprechenden Sprinters, die Trefferquote habe „ziemlich hoch“ gelegen, auch wenn nicht jeder Befehl auf Anhieb verstanden wurde. Nach § 23 Absatz 1a StVO darf ein Handy oder Navigationsgerät während der Fahrt nur benutzt werden, wenn es weder aufgenommen noch gehalten wird. Dazu muss entweder nur Sprachsteuerung und Vorlesefunktion genutzt werden oder ein kurzer Blick zur Bedienung genügen. Wer zwischen zwei Baustellen den nächsten Kunden anruft oder eine Adresse eingibt, erledigt das per Weckwort, ohne das Handy anzufassen. Laut Bitkom-Befragung 2025 nutzen 68 Prozent der Sprachassistenten-Nutzer in Deutschland die Sprachsteuerung im Auto.

In der Handwerkersoftware selbst kommt das Weckwort dagegen nicht vor. HERO Software kündigt mit HERO Report eine Baustellendokumentation an, bei der man mit dem Smartphone in der Hand spricht oder schreibt und die KI daraus den Bericht baut. ToolTime bietet eine Diktierfunktion für Arbeitsberichte: „So haben die Handwerker immer die Hände zum Arbeiten frei“ (ToolTime zur Baustellendokumentation). Ein Weckwort nennt keiner der beiden Hersteller. Auf einer Baustelle mit Bohrhammer und Radio würde ein Weckwort konstant fehlzünden, und jede Fehlaktivierung hielte ein Gespräch fest, das nie für die KI gedacht war. Der KI-Telefonassistent, den HERO Voice, HalloPetra oder fonio.ai an die Betriebsnummer hängen, benötigt ebenfalls kein Weckwort. Der Anruf selbst ist der Auslöser, danach übernimmt die Spracherkennung das komplette Gespräch.

Ein Echo im Büro, das die Werkstattmusik steuert, hört auch das Beratungsgespräch am Schreibtisch mit, sobald jemand „Am Sonntag“ sagt. Ein solches Kundengespräch ist nichtöffentlich gesprochenes Wort im Sinne von § 201 StGB, dessen unbefugte Aufnahme mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe bedroht ist. Stimme und Inhalt sind personenbezogene Daten, über deren Verarbeitung der Betrieb nach Artikel 13 DSGVO informieren muss. Regeln für den Alltag:

  • Das Gerät steht nicht am Beratungstisch, sondern in der Werkstatt oder im Sozialraum.
  • Beim Kundentermin drückt jemand die Mikrofon-Taste. Bei Echo-Geräten leuchtet dann ein rotes Licht und die Mikrofone sind laut Amazons Datenschutz-Hilfe von der Stromversorgung getrennt.
  • Der blaue Lichtring zeigt, wann das Gerät sendet. Wer ihn beim Gespräch aufleuchten sieht, weiß, dass eine Fehlaktivierung läuft.
  • Jemand sieht die gespeicherten Sprachaufnahmen in der Alexa-App regelmäßig durch und löscht sie. Dort sind auch die Fehlaktivierungen gelistet.

Gesprächsmodi wie Alexa+ oder Gemini Live, bei denen das Mikrofon nach dem Weckwort offen bleibt, sollten in Kundenräumen abgeschaltet werden.

Ein Weckwort für die eigene App lohnt sich nur, wenn Sprache die Hauptbedienung ist und die Hände nicht frei sind, z. B. in einer Lackierkabine oder am Prüfstand. Die Konsole von Picovoice macht aus einer Phrase wie „Hey Werkstatt“ in Sekunden ein Modell. Der Einstieg ist laut Produktseite von Picovoice kostenlos, Tarife gibt es auf Anfrage. Die Open-Source-Alternative openWakeWord erkennt laut Home Assistant bislang nur englische Weckwörter. Für Deutsch stehen dort die fertigen Porcupine-Modelle bereit. „Hey Copilot“ am Windows-PC hilft im deutschen Büro bis jetzt nicht weiter. Microsoft unterstützt das Weckwort nur auf Englisch, das Gespräch danach läuft auch auf Deutsch.

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