Glossareintrag
Wir denken. KI tippt mit.
Ein Seat (englisch für Sitzplatz, auf Deutsch Sitzlizenz oder Nutzerlizenz) ist ein bezahlter Nutzerplatz in einem Software- oder KI-Abo. Der Anbieter rechnet pro Person und Monat ab, die Rechnung ergibt sich aus dem Seat-Preis multipliziert mit der Zahl der freigeschalteten Nutzer. Schaltet ein Betrieb zehn Mitarbeiter für ChatGPT Business frei, bezahlt er zehn Seats.
Fachlich steckt dahinter fast immer eine Named-User-Lizenz. Jeder Seat gehört einer namentlich benannten Person mit eigenem Konto, unabhängig davon, wie intensiv sie das Werkzeug im Abrechnungsmonat tatsächlich nutzt.
Ein Seat ist an eine Person gebunden, aber nicht auf Dauer. Scheidet ein Mitarbeiter aus, entfernt der Administrator dessen Konto und lädt den Nachfolger auf denselben bezahlten Platz ein. Mitten im Abrechnungszeitraum nachgebuchte Seats berechnet OpenAI anteilig für die Restlaufzeit; ein entfernter Nutzer verliert sofort den Zugriff, der Platz bleibt aber bis zum Ende des laufenden Zyklus bezahlt und fällt erst auf der nächsten Rechnung weg. Die Regeln im Detail stehen in der offiziellen Seat-Verwaltung von ChatGPT Business, andere Anbieter handhaben es ähnlich.
Das Gegenmodell zur personengebundenen Sitzlizenz ist die Concurrent- oder Floating-Lizenz. Dort kauft die Firma einen Pool für eine feste Zahl gleichzeitiger Nutzer, und wer sich anmeldet, zieht eine freie Lizenz aus dem Pool. Das lohnt sich bei Schichtbetrieb oder vielen Gelegenheitsnutzern, ist bei KI-Chatdiensten aber unüblich. Dort gilt die Zweiteilung, dass Chat-Abos pro Seat als Pauschale mit Nutzungslimits abgerechnet werden, während dieselben Anbieter ihre Programmierschnittstellen nutzungsbasiert nach Tokens bepreisen.
Seit 2026 verkaufen die großen KI-Anbieter ihre Seats zweistufig. OpenAI führte im August 2026 Premium-Seats für 125 US-Dollar im Monat ein (100 US-Dollar bei Jahreszahlung, Start zunächst über eine Warteliste), die das Fünffache der Standard-Kapazität bieten und ohne das Fünf-Stunden-Limit der Standard-Seats auskommen. Anthropic nutzt beim Team-Tarif exakt dieselben Preispunkte mit derselben Kapazitäts-Staffelung. Bei beiden Anbietern lassen sich Standard- und Premium-Seats im selben Firmenkonto mischen, sodass nur die Vielnutzer den teuren Platz bekommen. Als Grund nennt OpenAI den gestiegenen Rechenbedarf agentischer Aufgaben, die pro Anfrage ein Vielfaches der Kapazität eines klassischen Chat-Dialogs verbrauchen.
KI-Agenten stellen das Seat-Modell zugleich infrage, weil sie sich nicht als Person anmelden und keinen Sitzplatz belegen. Erste Anbieter rechnen deshalb nach Ergebnis ab. Salesforce stellte seinen Help Agent im Juni 2026 laut einem Bericht zur Agentforce-Preisumstellung auf 2 US-Dollar pro autonom gelöster Serviceanfrage um; übergibt der Agent an einen Menschen oder bewertet der Kunde die Antwort negativ, fällt keine Gebühr an.
Für einen kleinen Betrieb bedeutet das Seat-Modell, dass die KI-Kosten mit der Kopfzahl wachsen und sich vorab exakt kalkulieren lassen. Die wichtigsten Business-Tarife kosten im August 2026 pro Nutzer und Monat (Dollar-Preise jeweils netto):
In der Praxis braucht nicht jeder im Betrieb einen Seat. Wer täglich Angebote formuliert, Kundenmails beantwortet oder Ausschreibungen auswertet, rechtfertigt den Platz schnell; für Mitarbeiter, die nur gelegentlich etwas nachschlagen, reicht oft ein kostenloser Einzelzugang außerhalb des Firmenkontos. Betriebe können mit wenigen Seats starten, denn nachbuchen geht bei allen genannten Anbietern jederzeit, und bei Personalwechsel wird der bezahlte Platz auf den Nachfolger übertragen. Konten teilen ist dagegen keine Option, die Nutzungsbedingungen verlangen eine Person pro Seat.
Bei der Kalkulation zählt der Blick auf die Gesamtkosten. Zum Seat-Preis kommen je nach Anbieter die Basislizenz (bei Copilot), die Umsatzsteuer und die Einarbeitungszeit der Mitarbeiter. Wie sich Standard- und Premium-Seats im Alltag unterscheiden und für wen sich der teure Platz lohnt, zeigt der Beitrag zu den ChatGPT-Business-Premium-Seats.