Glossareintrag
Wir denken. KI tippt mit.
Eine Model Card (deutsch Modellkarte) ist das Datenblatt eines KI-Modells. Das Begleitdokument legt offen, wofür ein Modell gedacht ist, mit welchen Daten es trainiert wurde, wie es in Tests abschneidet und wo seine Grenzen liegen. Verbreitete Vergleiche sind der Beipackzettel eines Medikaments und das Nährwertetikett auf Lebensmitteln.
Das Konzept stammt von einem Google-Forschungsteam um Margaret Mitchell und Timnit Gebru. Es veröffentlichte den Vorschlag im Oktober 2018 in der Studie „Model Cards for Model Reporting" und stellte ihn Anfang 2019 auf der Fachkonferenz FAT* (heute FAccT) vor. Inzwischen dokumentieren alle großen KI-Anbieter ihre Modelle auf diese Weise, teils unter dem Namen System Card. Auf der Plattform Hugging Face mit ihren rund drei Millionen Modellen ist die Model Card als README-Datei die Startseite jeder Modellseite.
Die Ursprungs-Studie schlägt neun feste Abschnitte vor, die bis heute das Grundgerüst der meisten Model Cards bilden:
Die Aufschlüsselung nach Gruppen war die zentrale Forderung des Teams. Ein Gesichtserkennungs-Modell kann im Durchschnitt gut abschneiden und trotzdem bei dunkleren Hauttönen deutlich häufiger danebenliegen. Erst die Model Card macht solche Unterschiede sichtbar, bevor jemand das Modell einsetzt.
Zum Massenstandard machte die Idee die Plattform Hugging Face. Dort liegen rund drei Millionen Modelle (Stand August 2026), und bei jedem dient die README-Datei des Modell-Ordners als Model Card, deren Aufbau die offizielle Dokumentation von Hugging Face beschreibt. Ein maschinenlesbarer Metadaten-Block nennt zusätzlich Lizenz, unterstützte Sprachen, Basismodell und teils den CO₂-Ausstoß des Trainings, sodass sich die Modellsuche danach filtern lässt.
Bei den großen Sprachmodell-Anbietern haben sich zwei Namen für das Dokument etabliert. Google DeepMind und Meta veröffentlichen zu Gemini und Llama klassische Model Cards, und xAI legte im August 2026 die Model Card zu Grok 4.6 vor, die neben Benchmark-Ergebnissen auch Abwehrquoten gegen Jailbreak-Angriffe und Tests zum Umgang mit Selbstverletzungs-Themen dokumentiert. OpenAI und Anthropic nennen ihre Dokumente dagegen System Cards, etwa die System Card zu GPT-5, weil sie nicht nur das Modell beschreiben, sondern das Gesamtsystem samt Schutzfiltern und Einsatzregeln. Einheitlich verwenden die Anbieter die Begriffe allerdings nicht, Anthropics System Cards erscheinen zum Beispiel unter der Webadresse „model-card". OpenAI sammelt seine Dokumente auf einer eigenen Seite, dort steht auch die System Card zu GPT-6 Astra vom 3. September 2026, die das Modell erstmals in die höchste Cyber-Risikostufe einordnet.
Seit dem 2. August 2025 ist ein Kern dieser Transparenz in der EU Pflicht. Der EU AI Act verlangt in Artikel 53 von den Anbietern großer KI-Modelle eine technische Dokumentation mit Trainings- und Testergebnissen für die Aufsichtsbehörden, Informationen für Firmen, die auf den Modellen aufbauen, und eine öffentliche Zusammenfassung der Trainingsinhalte. Der begleitende freiwillige Verhaltenskodex liefert mit dem Model Documentation Form ein fertiges Formular dafür.
Eine Model Card bleibt dennoch eine Selbstauskunft des Anbieters, die keine unabhängige Stelle prüft. Eine Analyse von rund 32.000 Model Cards auf Hugging Face aus dem Jahr 2024 fand zudem große Lücken. Den Abschnitt zum Training füllten rund 74 Prozent der untersuchten Karten aus, den zu den Grenzen des Modells nur gut 17 Prozent und den zum Energie- und Umweltverbrauch 2 Prozent.
Für lokale Unternehmen und Handwerksbetriebe ist die Model Card der schnellste Weg, ein KI-Modell oder ein darauf aufbauendes Tool vor dem Einsatz zu prüfen. Vier Angaben lohnen den Blick besonders:
Zu finden sind die Dokumente auf der jeweiligen Modellseite bei Hugging Face und auf den Websites der Anbieter. Die Suche taugt zugleich als Seriositäts-Test. Bewirbt ein Software-Anbieter sein Produkt mit „eigener KI", nennt aber weder das verwendete Modell noch eine Dokumentation, bleibt offen, welchem System der Betrieb seine Kundendaten anvertraut.
Selbst schreiben muss ein Betrieb keine Model Card. Wer allerdings KI-Funktionen über einen Dienstleister in eigene Angebote einbaut, etwa einen Chatbot auf der Firmenwebsite, kann dort nach der Modell-Dokumentation fragen. Der EU AI Act verpflichtet die meisten Modell-Anbieter seit August 2025 ohnehin, diese Informationen an Firmen weiterzugeben, die die Modelle in eigene Produkte integrieren.