Glossareintrag
Wir denken. KI tippt mit.
llms.txt ist eine vorgeschlagene Textdatei im Hauptverzeichnis einer Website (z. B. beispiel.de/llms.txt), die KI-Systemen eine kuratierte Übersicht der wichtigsten Inhalte liefert. Sie ist im Markdown-Format geschrieben, einer einfachen Auszeichnungssprache, die große Sprachmodelle besonders gut verarbeiten. Vorgeschlagen hat sie Jeremy Howard, Mitgründer der KI-Firma Answer.AI, am 3. September 2024 in der Spezifikation auf llmstxt.org.
Der Vorschlag reagiert darauf, dass Webseiten für Menschen gebaut sind, mit Navigation, Werbung und Skripten, während die Kontextfenster von KI-Modellen für komplette Websites zu klein sind. Die llms.txt soll KI-Crawlern die wichtigsten Inhalte deshalb in verdichteter, maschinenlesbarer Form anbieten. Anders als die robots.txt, die Crawlern den Zugriff erlaubt oder verbietet, liefert sie Inhalte. Ein offizieller Standard ist sie nicht, und kein großer KI-Anbieter hat bisher zugesagt, die Datei auszuwerten.
Verwandt ist die AGENTS.md, ebenfalls eine Markdown-Datei für KI. Sie liegt nicht auf einer Website, sondern im Projektordner einer Software und gibt Coding-Agenten Arbeitsregeln vor.
Die Datei beginnt mit einer Überschrift, die den Namen der Website nennt, gefolgt von einer kurzen Zusammenfassung als Zitatblock. Danach listen Abschnitte die wichtigsten Seiten als Links auf, jeweils mit einer Zeile Beschreibung. Ein Abschnitt mit dem Namen „Optional“ sammelt zweitrangige Links, die ein KI-System bei knappem Platz weglassen darf. Außerdem sieht der Original-Vorschlag von Answer.AI vor, jede Seite unter derselben Adresse mit angehängtem .md als reine Markdown-Fassung anzubieten.
Neben der Übersichts-Datei hat sich die Variante llms-full.txt etabliert, die den kompletten Inhalt am Stück ausliefert. Entwickelt hat sie der Dokumentations-Dienst Mintlify laut seinem Blogbeitrag zu llms.txt gemeinsam mit Anthropic. Bei Anthropic umfasst die llms.txt rund 8.400 Token, die llms-full.txt rund 481.000. Als Mintlify die Dateien im November 2024 für alle gehosteten Dokumentationen ausrollte, bekamen tausende Entwickler-Websites sie auf einen Schlag. Auch Stripe und Cloudflare veröffentlichen eigene Dateien, die llms.txt von Stripe verlinkt durchgehend die Markdown-Fassungen ihrer Seiten.
Nach der laufenden Zählung von Originality.ai stieg die Zahl der Websites mit llms.txt von rund 4.000 im Juni 2025 auf über 36.000 im Mai 2026. Unter den 500 umsatzstärksten US-Unternehmen fand eine Auswertung von ProGEO.ai im März 2026 trotzdem nur bei 7,4 % eine solche Datei. Die robots.txt pflegen dort 92,8 %.
Server-Logdaten zeigen, dass die großen KI-Crawler die Datei kaum abrufen. Eine Ahrefs-Studie vom Juni 2026 hat die Logfiles von 137.210 Domains ausgewertet. 97 % der vorhandenen llms.txt-Dateien wurden dort kein einziges Mal angefragt. Eine Logfile-Auswertung von EZY Research über 83 Websites zählte zwischen April und Juli 2026 beim OpenAI-Crawler GPTBot 3.990 Abrufe der robots.txt, aber nur 7 Abrufe der llms.txt. Beim Anthropic-Crawler ClaudeBot lag das Verhältnis mit 3.120 zu 9 ähnlich. Der einzige größere Crawler, der die Datei messbar nutzt, ist Metas Meta-ExternalAgent. Er fragte die llms.txt in derselben Auswertung sogar öfter an als die robots.txt, ohne dass Meta die Nutzung offiziell erklärt hat. Googles Search Advocate John Mueller erklärte schon im Juni 2025 in einem Bluesky-Beitrag zu llms.txt, kein KI-System nutze die Datei. Bereits im April 2025 hatte er sie in einem Reddit-Kommentar zu llms.txt mit dem bedeutungslos gewordenen Keywords-Meta-Tag verglichen.
Google hat diese Linie im Mai 2026 offiziell bestätigt. Laut dem Leitfaden zur KI-Optimierung wertet die Google-Suche llms.txt nicht aus, weder für die Übersicht mit KI noch für den KI-Modus. Schaden soll die Datei laut Google aber auch nicht. Einen belegten Nutzen hat sie bislang nur bei Entwickler-Dokumentation. Nutzer von KI-Programmierassistenten wie Cursor oder Windsurf binden llms.txt-Dateien als Kontext ein, wenn sie mit der Dokumentation eines Werkzeugs arbeiten.
Für die Sichtbarkeit in KI-Antworten bringt eine llms.txt lokalen Unternehmen und Handwerksbetrieben nach heutigem Stand keinen messbaren Vorteil. Kein Chatbot und keine KI-Suche belohnt die Datei nachweislich mit häufigeren Zitaten oder mehr Besuchern. Wer mit seiner Website in ChatGPT, Gemini oder der Übersicht mit KI auftauchen will, erreicht das mit denselben Mitteln wie in der klassischen Suche. Dazu gehören indexierbare Seiten, gute Platzierungen in der normalen Trefferliste und Inhalte, die eine Frage im ersten Absatz direkt und belegbar beantworten.
Wer die Datei trotzdem anlegen will, riskiert nichts. Der Aufwand liegt bei wenigen Minuten. WordPress-Nutzer aktivieren sie in Yoast SEO mit einem Schalter, das Plugin erzeugt die Datei automatisch im Hauptverzeichnis und aktualisiert sie wöchentlich. Ob KI-Crawler die Datei tatsächlich abholen, zeigt ein Blick in die Zugriffsprotokolle des Hosters (Suche nach „llms.txt“ im Server-Log).
Eine Rolle spielen kann die Datei, sobald KI-Agenten im Kundenauftrag Websites besuchen, um z. B. Öffnungszeiten, Leistungen oder Preise nachzuschlagen. EZY Research wertet eine gepflegte llms.txt deshalb als günstige Vorsorge. Nachweislich profitieren heute primär Software-Anbieter, deren Kunden mit KI-Programmier-Tools arbeiten. Deren Dokumentationen, z. B. von Anthropic und Stripe, sind eine gute Vorlage für den Aufbau einer eigenen Datei.