Glossareintrag
Wir denken. KI tippt mit.
Ein LLM-Gateway (englisch LLM Gateway oder AI Gateway, deutsch auch KI-Gateway) ist eine Zwischenschicht für Modellanbieter. Die Software liegt zwischen einer Anwendung und den Schnittstellen von OpenAI, Anthropic, Google, Mistral oder einem Modell auf eigener Hardware. Die Anwendung schickt jede Anfrage an eine einzige Adresse. Das Gateway prüft die Berechtigung, wählt das Modell, übersetzt die Anfrage in das Format des Anbieters, leitet sie weiter und protokolliert Token und Kosten. Anthropic beschreibt ein Gateway in der Doku zu Claude Code als Proxy, den eine Organisation zwischen Claude Code und dem Modellanbieter betreibt. Anmeldung, Nutzungsverfolgung, Budgets und Prüfprotokolle liegen dann an einer Stelle, die die Organisation selbst kontrolliert (Anthropic-Doku zu Gateways für Claude Code). Microsoft nennt dieselbe Funktion in der deutschen Doku „KI-Gateway“ und fasst darunter das Sichern, Skalieren, Überwachen und Steuern der KI-Backends zusammen (Microsoft-Doku zu KI-Gatewayfunktionen in Azure API Management). Das Marktforschungshaus Gartner führt AI‑Gateways als eigene Produktkategorie (Gartner-Marktübersicht zu AI Gateways).
Technisch ist ein LLM-Gateway ein Reverse Proxy, der den Inhalt der Anfrage liest. Ein klassisches API-Gateway zählt Aufrufe und reicht die Daten unverändert durch. Ein LLM-Gateway erkennt Modellname, Nachrichten und Werkzeugaufrufe, zählt Token und begrenzt den Verbrauch danach. Laut Microsoft erweitert das KI-Gateway das vorhandene API-Gateway und ist kein separates Angebot. Ein Modell-Router entscheidet nur, welches Modell eine Anfrage bekommt, und ist heute meist eine Funktion im Gateway (Modellrouter in Microsoft Foundry, Auto Router bei OpenRouter). Observability-Tools wie Langfuse oder LangSmith protokollieren Anfragen neben dem Datenweg, ohne sie umleiten oder stoppen zu können. Ein MCP-Gateway oder Agent-Gateway steuert die Tool-Aufrufe von KI-Agenten über das Model Context Protocol statt der Modellaufrufe (Docker-Doku zum MCP Gateway). Die Grenzen verwischen. Das Open-Source-Projekt agentgateway bedient klassischen Verkehr, Modellaufrufe, MCP und die Kommunikation zwischen Agenten in einem Programm (Projektseite von agentgateway).
Cloudflare kündigte am 27. September 2023 die Beta seines AI Gateway an. Sie brachte Zwischenspeicher, Nutzungslimits, Auswertungen und automatisches Ausweichen auf ein anderes Modell mit. Für den Einbau genügte laut Cloudflare der Tausch einer einzigen URL (Cloudflare-Ankündigung des AI-Gateway). Kong stellte sein AI‑Gateway am 15. Februar 2024 als Open Source vor (Ankündigung des Kong AI Gateway). 2026 wurde die Kategorie zum Übernahmeziel. Palo Alto Networks schloss am 29. Mai 2026 den Kauf von Portkey ab und machte es zum Gateway seiner Sicherheitsplattform Prisma AIRS (Pressemitteilung von Palo Alto Networks zur Portkey-Übernahme). Stripe vereinbarte am 19. August 2026 die Übernahme von OpenRouter, laut Stripe mit über 400 Modellen von mehr als 80 Anbietern (Stripe-Mitteilung zur OpenRouter-Übernahme). Knapp drei Monate zuvor hatte OpenRouter laut TechCrunch 113 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 1,3 Milliarden eingesammelt und rund 25 Billionen Token pro Woche verarbeitet (TechCrunch zur OpenRouter-Finanzierung). Anthropic liefert seit Ende Juni 2026 ein eigenes, selbst gehostetes Gateway für Claude Code mit (Anthropic-Ankündigung des Claude apps gateway). Es leitet Anfragen wahlweise an die Claude-API, Amazon Bedrock oder Google Cloud.
Typische Funktionen:
Ein Gateway ist ein zusätzliches Glied in der Kette und bringt eigene Risiken mit. Zuerst der Ausfall des Gateways selbst. OpenRouter meldete für den 17. Februar 2026 einen Zeitraum von 25 Minuten, in dem 80 bis 90 Prozent aller Anfragen scheiterten. Am 19. Februar fiel der Dienst 29 Minuten lang fast vollständig aus. Ursache war eine ausgefallene Cache-Abhängigkeit (OpenRouter-Bericht zu den Ausfällen im Februar 2026). Wer alle Anbieter über ein Gateway anspricht, hat in solchen Minuten keinen einzigen. Beim KI-Ausfall vom 3. September 2026 waren ChatGPT, Claude und Grok innerhalb weniger Stunden gestört. Ein Gateway hilft dann nur, wenn in seiner Ersatzliste ein Anbieter steht, der nicht mitbetroffen ist. Dann die Latenz. LiteLLM misst für seinen Proxy einen Eigenanteil von 8 Millisekunden im 95. Perzentil bei 1.000 Anfragen pro Sekunde (LiteLLM-Benchmarks). Neben Antwortzeiten von mehreren Sekunden fällt das kaum auf. Sprachassistenten am Telefon spüren jede Verzögerung. Risiko drei ist der stille Funktionsverlust. Ein Gateway, das alle Anbieter auf das OpenAI-Format bringt, reicht anbietereigene Funktionen wie Prompt-Caching oder die strenge Schemaprüfung beim Function Calling nicht immer durch. Die Anfrage läuft trotzdem, nur ohne Fehlermeldung und ohne den Cache-Rabatt.
Der Datenschutz ist das vierte Risiko. Ein Gateway sieht jeden Prompt und jede Antwort im Klartext und protokolliert sie je nach Anbieter von sich aus. Bei Cloudflare sind Logs mit Anfrage- und Antwortinhalt für jedes Gateway standardmäßig eingeschaltet und lassen sich im Dashboard oder per Header abschalten (Cloudflare-Doku zum Logging). OpenRouter speichert Prompts und Antworten nach eigener Angabe standardmäßig nicht und gewährt für das freiwillige Einschalten 1 Prozent Rabatt (OpenRouter-FAQ zum Logging). Die Verarbeitung innerhalb der EU bekommen nur Firmenkunden auf Anfrage (OpenRouter-Doku zu Datenschutz und Logging). Vercel leitet Anfragen auf Wunsch nur an Anbieter, die keine Prompt-Daten aufbewahren (teamweit gegen Aufpreis, Vercel-Doku zu Zero Data Retention). Ein fremd betriebenes Gateway verarbeitet die Daten in der Regel im Auftrag. Es benötigt denselben Vertrag zur Auftragsverarbeitung und dieselbe Datenresidenz wie der Modellanbieter. Die Datenschutzkonferenz verlangt in ihrer Orientierungshilfe zu KI und Datenschutz, die datenschutzrechtliche Rolle jedes Beteiligten vor dem Einsatz zu klären (Orientierungshilfe der DSK zu KI und Datenschutz). Eine Aussage speziell zu KI-Gateways gibt es von DSK oder BSI bisher nicht. Wer den Datenweg selbst kontrollieren will, betreibt ein Open-Source-Gateway wie LiteLLM, Kong oder agentgateway auf eigenem Server.
OpenRouter und Vercel reichen die Token-Preise der Anbieter ohne Aufschlag weiter. Gebühren entstehen an anderer Stelle. OpenRouter berechnet beim Aufladen von Guthaben 5,5 Prozent, Cloudflare bei seiner Sammelabrechnung 5 Prozent auf das gekaufte Guthaben (OpenRouter-FAQ zu Gebühren, Preisseite des Cloudflare AI Gateway). Vercel verlangt weder Aufschlag noch Plattformgebühr, berechnet aber Zusatzfunktionen wie Berichte oder Zero Data Retention einzeln (Preisseite des Vercel AI Gateway). Portkey und Helicone rechnen pauschal nach der Zahl der protokollierten Anfragen ab (Preisseite von Portkey, Preisseite von Helicone). LiteLLM ist beim Selbstbetrieb kostenlos, die Zusatzfunktionen für Firmen sind lizenzpflichtig (Preisseite von LiteLLM). Wer nur eine Anwendung an einen Anbieter anschließt, benötigt kein Gateway. Microsoft schreibt für diesen Fall, dass ein Token-Limit direkt an der Modellbereitstellung reicht. Die SDKs der Anbieter wiederholen gescheiterte Anfragen von sich aus. Ein Gateway lohnt sich, sobald mehrere Anwendungen, mehrere Teams oder mehrere Anbieter an derselben Rechnung hängen. Menlo Ventures befragte im November 2025 rund 500 US‑Entscheider. 40 Prozent der Unternehmensnutzung über API entfielen auf Anthropic, 27 Prozent auf OpenAI und 21 Prozent auf Google. 2023 hatte OpenAI noch die Hälfte gehalten (Menlo-Ventures-Studie zu generativer KI in Unternehmen 2025). Wer den Anbieter nach Preis und Leistung wechselt, ändert im Gateway eine Zeile statt in jeder Anwendung den Code.
Ein Handwerksbetrieb betreibt selten ein eigenes Gateway, nutzt aber ständig Produkte, in denen eines steckt. KI-Telefonassistenten von ElevenLabs schalten bei Fehlern automatisch durch eine feste Reihe von Ersatzmodellen (ElevenLabs-Doku zum LLM Cascading). Der Notion-Agent wählt in der Einstellung „Auto“ das Modell je Aufgabe selbst (Notion-Hilfe zum Agenten). Microsoft Copilot nutzt in Word, Excel und PowerPoint auf Wunsch Anthropic-Modelle statt der OpenAI‑Modelle. Für EU-Mandanten, die nach dem 25. März 2026 angelegt wurden, ist die Einstellung standardmäßig eingeschaltet, die Verarbeitung läuft außerhalb der EU-Datengrenze von Microsoft (Microsoft-Doku zu Anthropic-Modellen in Copilot).
Direkt begegnet ein Unternehmen dem Gateway in seinen Automatisierungen. n8n bringt den Baustein „OpenRouter Chat Model“ mit, der Agenten und Ketten mit den Modellen von OpenRouter versorgt (n8n-Doku zum OpenRouter Chat Model). Make führt eine von der Synergetic GmbH gepflegte OpenRouter-App mit dem Modul „Create a Chat Completion (with Fallback)“, das eine selbst festgelegte Reihe von Ersatzmodellen durchprobiert (OpenRouter-App im Make-Verzeichnis). Chat-Oberflächen wie Open WebUI, LibreChat und TypingMind nehmen die OpenRouter-Adresse als OpenAI-kompatiblen Endpunkt entgegen. Danach stehen Hunderte Modelle in einem Fenster (Open-WebUI-Doku zu OpenAI-kompatiblen Anbietern). Für die Kostenkontrolle vergibt OpenRouter Schlüssel mit Guthabenlimit, das sich täglich, wöchentlich oder monatlich erneuert. Ein Schlüssel über dem Limit wird automatisch gesperrt (OpenRouter-Doku zu Management-API-Keys). Ein Beispiel aus der Praxis ist eine Agentur, die für zehn Handwerksbetriebe Chatbots und E-Mail-Entwürfe betreibt. Mit einem selbst gehosteten LiteLLM bekommt jeder Kunde einen Virtual Key mit Monatsbudget. Die Agentur sieht die Kosten je Kunde. Ein Anbieterwechsel ändert nichts an den Kundenanbindungen. Wer Claude Code über ein Gateway laufen lässt, zahlt nach API‑Preisen. Sobald eine Gateway-Anmeldung aktiv ist, wird das claude.ai-Abo nicht mehr genutzt (Anthropic-Doku zu fremden LLM-Gateways für Claude Code).
Kundendaten setzen die Grenze. Wer Angebote, Adressen oder Krankmeldungen über ein Gateway schickt, muss dessen Standort und Logging genauso im Blick haben wie den des Modells. OpenRouter ist ein US-Unternehmen. Sein Vertrag zur Auftragsverarbeitung gilt laut eigener Hilfe nur für Firmenkunden (OpenRouter-Hilfe zum Auftragsverarbeitungsvertrag). Schaltet man in den Kontoeinstellungen das Training ab, leitet OpenRouter nur noch an Anbieter weiter, die nicht mit den Prompts trainieren. Deutsche Anbieter liefern dieselbe OpenAI-kompatible Schnittstelle aus Rechenzentren in Deutschland oder der EU, ohne selbst ein Gateway über mehrere Anbieter zu sein. Der IONOS AI Model Hub verarbeitet in Deutschland und nutzt Eingaben nicht zum Training (IONOS-Doku zum AI Model Hub). Die AI Foundation Services von T-Systems bündeln über 30 offene und kommerzielle Modelle hinter einer OpenAI-kompatiblen API mit Serverstandort Deutschland oder Europa (T-Systems-Doku zum LLM Hub). Wer den IONOS-Endpunkt in ein selbst gehostetes LiteLLM auf einem deutschen Server einträgt, hat ein Gateway, bei dem die Prompts Deutschland nicht verlassen.