Glossareintrag

Was bedeutet
Datenresidenz bei KI/AI (Data Residency)?

Veröffentlicht: 23/08/2026
Aktualisiert: 04/09/2026

Wir denken. KI tippt mit.

Datenresidenz bei KI/AI (Data Residency)

Definition:

Datenresidenz (englisch Data Residency) bezeichnet den geografischen Ort, an dem ein Cloud- oder KI-Dienst die Daten seiner Kunden speichert und verarbeitet. Bei KI-Diensten entscheidet sie darüber, in welchem Land die eingegebenen Prompts, hochgeladenen Dateien und gespeicherten Unterhaltungen liegen und wo die Rechenzentren stehen, die die Antworten des Modells berechnen. Anbieter wie OpenAI, Microsoft und Google bieten Geschäftskunden dafür wählbare Speicherregionen an, etwa „Europa" für den Europäischen Wirtschaftsraum und die Schweiz.

Datensouveränität beschreibt dagegen, welches Recht für die Daten gilt und wer rechtlich auf sie zugreifen darf. Datenlokalisierung wiederum meint eine gesetzliche Pflicht, dass Daten ein Land gar nicht verlassen dürfen; eine solche allgemeine Pflicht kennt die EU für personenbezogene Daten nicht. Auch die DSGVO schreibt keine Speicherung in Europa vor, sie knüpft die Übermittlung in Drittländer wie die USA aber an Bedingungen.

Beschreibung:

Datenresidenz-Zusagen gibt es in drei Stufen, die getrennt vereinbart werden und sich im Schutzniveau deutlich unterscheiden.

  • Speicherung in der Region (at rest): Nur die abgelegten Daten wie Chatverläufe und Dateien liegen auf Servern in der gewählten Region. Zur Berechnung der Antwort darf der Prompt trotzdem in ein Rechenzentrum auf einem anderen Kontinent geschickt werden.
  • Verarbeitung in der Region (Inferenz-Residenz): Zusätzlich läuft die Inferenz, also die eigentliche Modellberechnung auf den Grafikprozessoren, in der Region. Begleitprozesse wie Anmeldung oder Routing können weiter global stattfinden.
  • Zugriff nur durch Personal in der Region: Diese dritte Stufe sichert bislang keiner der großen US-Anbieter für seine Standard-Cloudangebote vollständig zu. Microsoft dokumentiert für seine EU-Datengrenze ausdrücklich Fernzugriffe von Personal außerhalb der EU auf pseudonymisierte Protokolldaten.

Wie weit die Zusagen reichen, regelt jeder Anbieter anders (Stand: September 2026):

  • OpenAI (ChatGPT): EU-Speicherung gibt es laut der Residenz-Übersicht von OpenAI für neue Enterprise- und Edu-Workspaces von ChatGPT sowie für freigeschaltete API-Kunden; die stärkere Inferenz-Residenz bietet OpenAI in Europa, den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten an. Im Business-Tarif wird die Regionswahl seit 2026 schrittweise freigeschaltet, sie deckt aber nur die Speicherung ab, und eine Kopie jedes Prompts samt Antwort bleibt zur Missbrauchskontrolle befristet in den USA. Free- und Plus-Konten haben keine Regionswahl. In der API kostet die regionale Verarbeitung laut OpenAIs Preisseite 10 Prozent Aufschlag, und zwar für alle Modelle, die seit dem 5. März 2026 erschienen sind. Beim neuen GPT-6 Astra steht der schnellere Fast-Modus mit EU-Datenresidenz gar nicht zur Verfügung.
  • Anthropic (Claude): Direkt bei Claude gibt es keine EU-Residenz. Die Anthropic-Doku zur Datenresidenz nennt als Speicherregion nur die USA, die Inferenz läuft wahlweise global oder, bei neueren Modellen gegen Aufpreis, rein in den USA. In europäische Rechenzentren kommt Claude über Cloud-Partner, etwa Amazon Bedrock mit EU-Regionen wie Frankfurt und Inferenzprofilen, die Anfragen innerhalb Europas halten.
  • Microsoft (Copilot, Azure OpenAI): Die EU-Datengrenze von Microsoft sagt für Microsoft 365 samt Copilot, Azure, Dynamics 365 und die Power Platform zu, dass Kundendaten innerhalb von EU und EFTA gespeichert und verarbeitet werden. Wählt ein Copilot-Kunde Anthropic-Modelle, verlässt er diese Garantie, denn sie sind von der EU-Datengrenze ausgenommen. Azure OpenAI bietet mit dem Bereitstellungstyp „Data Zone EU" eine Verarbeitung innerhalb der EU-Datengrenze, also in der EU und gegebenenfalls in EFTA-Staaten wie Norwegen oder der Schweiz.
  • Google (Gemini): Auf Googles Unternehmensplattform Vertex AI garantieren regionale Endpunkte wie Frankfurt neben der Speicherung auch die ML-Verarbeitung in der Region, der EU-Sammel-Endpunkt hält sie in den EU-Mitgliedstaaten, und der globale Endpunkt gibt laut Google-Doku zum Datenstandort keinerlei Standort-Garantie. Die Datenregion-Einstellung von Google Workspace deckt seit Juni 2025 die Gemini-Funktionen in Apps wie Gmail und Docs ab, seit Juni 2026 auch die eigenständige Gemini-App.

Rechtlich verlangt die DSGVO keinen EU-Serverstandort. Ihr Kapitel V (Art. 44 ff.) erlaubt die Übermittlung personenbezogener Daten in Drittländer, wenn dort ein angemessenes Schutzniveau besteht oder Garantien wie Standardvertragsklauseln vereinbart sind. Für die USA gilt seit Juli 2023 der Angemessenheitsbeschluss zum EU-US Data Privacy Framework; das Gericht der EU bestätigte ihn im September 2025, das Rechtsmittel dagegen liegt seit Oktober 2025 beim Europäischen Gerichtshof (Rechtssache C-703/25 P). Seine beiden Vorgänger Safe Harbor und Privacy Shield hatte der EuGH jeweils für ungültig erklärt.

Den Wert eines EU-Serverstandorts begrenzt der US CLOUD Act. Das US-Gesetz von 2018 verpflichtet Anbieter unter US-Recht, Daten auf Anordnung von US-Behörden herauszugeben, unabhängig davon, wo sie gespeichert sind. Wer diesen Zugriff ausschließen will, braucht einen europäischen Anbieter oder eigene Infrastruktur, etwa Mistral AI aus Frankreich mit Hosting in der EU, Aleph Alpha aus Heidelberg oder den AI Model Hub von IONOS, der Open-Source-Modelle laut IONOS ausschließlich in deutschen Rechenzentren betreibt. Die größte Kontrolle bietet der eigene Betrieb von Open-Weights-Modellen.

Datenresidenz bei KI/AI (Data Residency) für Unternehmen und Handwerker:

Für einen Betrieb wird Datenresidenz in dem Moment wichtig, in dem Kundendaten in ein KI-Tool gelangen, etwa der Name samt Adresse in einer E-Mail-Antwort, Fotos aus einer Kundenwohnung oder ein Angebotstext mit Ansprechpartner. Solche Angaben sind personenbezogene Daten im Sinne der DSGVO, und dann braucht es neben einer Rechtsgrundlage einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit dem KI-Anbieter.

Kostenlose Konten und Einzel-Abos wie ChatGPT Plus bieten weder eine Regionswahl noch einen AVV, Kundendaten haben dort nichts verloren. Geschäftstarife liefern beides; Preise und Leistungsumfang zeigt unser Artikel zum ChatGPT-Business-Tarif, und wer ohnehin Microsoft 365 nutzt, bekommt mit Copilot die EU-Verarbeitung über die EU-Datengrenze mitgeliefert.

Am strengsten sind die Vorgaben für Gesundheitsdaten, die auch Gesundheitshandwerke wie Hörakustik oder Orthopädietechnik betreffen. § 393 SGB V erlaubt die Cloud-Verarbeitung von Sozial- und Gesundheitsdaten seit Juli 2024 nur mit einem aktuellen Testat nach dem C5-Kriterienkatalog des BSI (seit Juli 2025 als strengeres Typ-2-Testat), einer inländischen Betriebsstätte des Anbieters und einer Verarbeitung in Deutschland, der EU, dem EWR oder einem Staat mit Angemessenheitsbeschluss. Hier schreibt der Gesetzgeber den Verarbeitungsort also ausdrücklich vor.

Datenresidenz ersetzt keine Datensparsamkeit. Je weniger personenbezogene Angaben ein Prompt enthält, desto kleiner das Risiko; Namen und Adressen lassen sich vor der Eingabe durch Platzhalter wie „Kunde A" ersetzen. Einen Leitfaden für Auswahl, Rechtsgrundlagen und Pflichten beim KI-Einsatz liefert die Orientierungshilfe „KI und Datenschutz" der Datenschutzkonferenz der deutschen Aufsichtsbehörden.

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