Glossareintrag
Wir denken. KI tippt mit.
Credits sind eine anbieterinterne Verrechnungseinheit, mit der viele KI-Tools die Nutzung ihrer Funktionen abrechnen. Jede Aktion kostet eine festgelegte Zahl an Credits, die vom Guthaben des Kontos abgezogen wird. Ein generiertes Bild verbraucht dabei meist wenige Credits, ein Video ein Vielfaches davon. Das Guthaben stammt üblicherweise aus einem Abo, das jeden Monat ein festes Kontingent bereitstellt, und lässt sich per Einmalkauf aufstocken (englisch Top-up). Das Prinzip funktioniert wie eine Prepaid-Karte beim Handy. Ist das Guthaben aufgebraucht, sperrt der Dienst die betroffene Funktion, drosselt das Tempo oder kauft je nach Einstellung automatisch Credits nach. Manche Anbieter verwenden eigene Namen für dasselbe Prinzip, Adobe spricht von generativen Credits, Leonardo.ai von Tokens und Zapier von Tasks.
Der Grund für das Punktesystem liegt in den Rechenkosten der Anbieter. Bild-, Musik- und Videogenerierung laufen auf teuren Grafikprozessoren, und dieser Betrieb (die Inferenz) kostet je nach Aufgabe unterschiedlich viel Strom und Rechenzeit. Leonardo.ai etwa erklärt, dass der Verbrauch einer Aktion vom nötigen Rechenaufwand abhängt, und Midjourney beschreibt sein Abo in der offiziellen Midjourney-Dokumentation als gekaufte Zeit auf den Grafikprozessoren. Credits übersetzen diese schwankenden Kosten in eine einfache Einheit. Ein kurzes Video kostet dadurch für den Nutzer sichtbar mehr als ein Bild, und ein Bild mehr als eine Textantwort.
Wie viele Credits eine Aktion verbraucht, legt jeder Anbieter selbst fest. Beim Musikdienst Suno kostet ein Song 5 Credits. Der Gratis-Tarif füllt das Konto laut Preisseite von Suno täglich mit 50 Credits für rund 10 Songs auf, der Pro-Tarif enthält für 10 US-Dollar im Monat 2.500 Credits samt kommerzieller Nutzungsrechte (Stand August 2026). Beim Videodienst Runway verbraucht ein Clip von etwa 5 Sekunden je nach gewähltem Modell rund 60 bis 140 Credits, wie die Runway-Preisübersicht auflistet. Der Sprachgenerator ElevenLabs rechnet nach eigener Preisliste jedes Textzeichen als einen Credit ab, der Gratis-Tarif umfasst 10.000 Credits im Monat.
Midjourney nutzt keine Credits und verkauft stattdessen direkt GPU-Zeit, sogenannte Fast Hours. Ein Bild-Auftrag verbraucht laut Dokumentation etwa eine GPU-Minute, ein Video-Auftrag rund acht. Der Basic-Tarif für 10 US-Dollar im Monat enthält 200 solcher Fast-Minuten, zusätzliche GPU-Stunden kosten 4 US-Dollar pro Stunde. Ab dem Standard-Tarif für 30 US-Dollar dürfen Nutzer nach verbrauchtem Kontingent unbegrenzt weitere Bilder erzeugen, allerdings langsamer über eine Warteschlange im sogenannten Relax Mode.
Auch Büro-KI arbeitet mit diesem System. ChatGPT Business kombiniert den Sitzpreis von 25 US-Dollar pro Nutzer und Monat mit einem gemeinsamen Credit-Vorrat des Arbeitsbereichs, aus dem rechenintensive Funktionen schöpfen. Die Rate Card von OpenAI beziffert eine Bildgenerierung mit etwa 5 Credits, eine Nachricht an das stärkste Standardmodell mit etwa 10 und eine Deep-Research-Aufgabe mit etwa 50. Gekaufte Credits gelten dort 12 Monate, und ein automatisches Nachladen füllt das Guthaben auf Wunsch bei Unterschreiten eines Mindeststands per Kreditkarte wieder auf. Seit September 2026 läuft auch das neue GPT-6 Astra in ChatGPT Work und Codex über diesen Vorrat, dort nach Token statt nach Nachrichten abgerechnet. Einen früheren Zugang zum Modell kann man sich laut OpenAI damit nicht erkaufen. Ohne gesetztes Monatslimit sind diese Nachkäufe unbegrenzt.
Abo-Credits verfallen in aller Regel am Ende des Abrechnungszeitraums, zugekaufte Pakete bleiben dagegen häufig unbegrenzt gültig. Runway sichert das für gekaufte Credits ausdrücklich zu, Suno ebenfalls. Dort ist zum Einlösen allerdings ein aktives Abo nötig. Einige Dienste erlauben einen begrenzten Übertrag, Leonardo.ai sammelt ungenutzte Tokens bis zum Dreifachen der Monatsmenge, ElevenLabs nimmt Restguthaben bis zu zwei Monate mit. Einen festen Geldwert hat ein Credit nicht, und zwischen Anbietern lassen sich die Einheiten nicht vergleichen, weil jeder Dienst Umfang und Umrechnung selbst definiert. Die Programmierschnittstellen der Modellanbieter rechnen anders ab, nämlich direkt in Geld pro verarbeiteter Textmenge. Über die API von Anthropic kostet das Modell Claude Sonnet 5 laut offizieller Anthropic-Preisliste 2 US-Dollar pro Million Eingabe-Token und 10 US-Dollar pro Million Ausgabe-Token, das Guthaben wird hier als Dollarbetrag vorausbezahlt.
Was ein KI-Tool im Monat wirklich kostet, verrät bei Credit-Tarifen erst die Verbrauchstabelle des Anbieters, nicht der Abo-Preis. Für die typischen Aufgaben eines Betriebs reichen die kleinen Tarife oft aus. Ein Malerbetrieb, der Referenzbilder und Social-Media-Motive erzeugt, kommt mit den 200 Fast-Minuten des Midjourney-Basic-Tarifs auf rund 200 Bild-Aufträge im Monat, rechnerisch etwa 5 US-Cent pro Auftrag. Eine Tischlerei, die einen Werbe-Jingle testen will, erzeugt mit dem Suno-Gratistarif bis zu 10 Songs am Tag, und für professionelle Telefonansagen liefert der ElevenLabs-Starter-Tarif für 6 US-Dollar 30.000 Zeichen Sprachausgabe.
Automatisierungsdienste rechnen nach demselben Prinzip ab. Die Plattform Make, mit der sich etwa Anfragen aus dem Kontaktformular automatisch in Angebots-Mails verwandeln lassen, zählt jeden Arbeitsschritt eines Ablaufs als einen Credit und stellt im Gratis-Tarif 1.000 davon pro Monat bereit. Wer solche Abläufe plant, sollte die Schrittzahl pro Durchlauf kennen, denn sie bestimmt die Monatskosten stärker als die Zahl der Anfragen.
Vor dem Abschluss eines Credit-Tarifs lohnen fünf Prüffragen: