Glossareintrag
Wir denken. KI tippt mit.
Covered Models (sinngemäß „erfasste Modelle“) sind Claude-Modelle, deren Fähigkeiten Anthropic als deutlichen Sprung mit erhöhtem Missbrauchsrisiko einstuft. Für sie gilt eine Speicherpflicht. Prompts und Antworten bleiben mindestens 30 Tage gespeichert. Die Pflicht trifft grundsätzlich auch Firmenkunden, die mit Anthropic eine Zero Data Retention (ZDR) vereinbart haben. Betroffen sind vier Modelle: Claude Fable 5 und Claude Mythos 5 seit dem 9. Juni 2026, Claude Fable 5.1 und Claude Mythos 5.1 seit dem 31. August 2026.
Die offizielle Liste der Covered Models nennt als Beispiele für solche Fähigkeiten Softwareentwicklung, Agenten-Abläufe, wissenschaftliches Schlussfolgern und Cybersicherheit. Die Regeln folgen dem Modell auf jeder Plattform, über die es angeboten wird.
Covered Models ist ein Eigenname aus Anthropics Vertragswerk (Abschnitt F der Service Specific Terms von Anthropic) und kein Gattungsbegriff. Laut dem Abschnitt verdrängt die Speicherung abweichende Zusagen wie ZDR. OpenAI und Google verwenden den Begriff für ihre eigenen Modelle nicht. Der allgemeine Oberbegriff für solche Spitzenmodelle ist Frontier-Modell.
(Hinweis: Verwechselbar mit dem „covered model“ aus dem kalifornischen Gesetzentwurf SB 1047 von 2024. Dort meinte das Wort Modelle, deren Training mehr als 10 hoch 26 Rechenoperationen benötigt und über 100 Millionen US-Dollar kostet. Der Gouverneur legte am 29. September 2024 sein Veto gegen SB 1047 ein. Mit Datenspeicherung hatte der Entwurf nichts zu tun.)
Manche Angriffe auf ein KI-Modell zeigen sich erst über viele Anfragen hinweg. Damit begründet Anthropic die Speicherpflicht. Beim Best-of-N-Jailbreaking (eine Spielart des Jailbreaks) schickt ein Angreifer Hunderte leicht veränderte Varianten desselben Prompts, bis eine die Schutzfilter passiert. Jede einzelne Eingabe wirkt harmlos. Das Muster erkennt nur, wer alle Versuche gemeinsam auswertet. Dafür müssen sie zeitweise vorliegen. Dasselbe gilt laut Anthropics Erläuterung zur Datenaufbewahrung bei Covered Models für staatlich gestützte Spionage und Kampagnen zur Datenerpressung.
Die Regeln im Überblick:
ZDR-Kunden bekommen beim Aufruf eines Covered Model von der Claude-API den Fehler 400 (invalid_request_error) mit der Meldung „In order to access this model, your organization or workspace must have data retention enabled.“ Laut Anthropics API-Dokumentation zur Datenaufbewahrung lässt sich die 30-Tage-Speicherung für einen einzelnen Workspace einschalten (Claude Console, Settings, Workspaces, Privacy controls). Alle übrigen Workspaces der Organisation behalten ZDR. In Claude Code fehlen Fable 5 und Fable 5.1 bei solchen Organisationen in der Modellauswahl oder erscheinen deaktiviert, so die Claude-Code-Dokumentation zu Zero Data Retention.
Bei Amazon Bedrock und Google Cloud ist der Cloud-Anbieter der Auftragsverarbeiter, bei Microsoft Foundry ist es Anthropic:
OpenAI zeigte am 19. August 2026 vorab das Private Safety Processing, das ZDR für Spitzenmodelle erhalten soll.
Am 1. September 2026 kündigte Anthropic die Enterprise Frontier Safeguards (EFS) an. EFS speichert die Daten in Cloud-Infrastruktur, die der Kunde kontrolliert, und kommt ohne menschliche Prüfung durch Anthropic aus. Kundeneigener Speicher, kundeneigene Schlüssel und die vollautomatische Prüfung lassen sich einzeln zuschalten. Anthropic berechnet dafür nichts. Der Start läuft in Phasen, breit verfügbar soll EFS im Herbst 2026 sein. Bis dahin erhalten berechtigte Kunden ZDR für Fable 5 und Fable 5.1. Anthropic oder der Cloud-Anbieter spricht diese Kunden direkt an.
(Hinweis: Verwechselbar mit den geänderten Verbraucherbedingungen von Anthropic vom August 2025. Dort entscheiden Privatnutzer, ob ihre Chats ins Training fließen. Stimmen sie zu, speichert Anthropic ihre Daten fünf Jahre. Die Covered-Models-Regel dient allein der Sicherheitsprüfung und hängt am Modell, nicht am Tarif.)
Für die meisten lokalen Unternehmen und Handwerksbetriebe ändert die Einstufung nichts. Wer Claude über die Tarife Free, Pro oder Max nutzt, arbeitet bereits mit Speicherung, ebenso Team- und Enterprise-Kunden ohne ZDR. Für sie gibt es laut Anthropics Hinweisen für Covered-Models-Kunden keine Änderung und nichts einzustellen. Einen ZDR-Vertrag haben überwiegend größere Firmen.
Die Regel wird bei Tools spürbar, die mit „keine Speicherung“ werben. Sobald ein Covered Model gewählt ist, endet das Versprechen meist:
Die Webagentur, der IT-Dienstleister oder der Softwarelieferant eines Unternehmens arbeitet oft mit solchen Tools. Wer dort Kundendaten, Zugangsdaten oder Quellcode verarbeiten lässt, fragt nach dem eingesetzten Modell und nach der Freigabe für Covered Models. Dieselben Fragen gehören an deutsche KI-Plattformen, die Claude-Modelle weiterverkaufen und Fable in ihrer Modellliste führen.
Gesundheitshandwerke wie Hörakustik, Orthopädietechnik oder Augenoptik verarbeiten besonders geschützte Daten. Für solche Inhalte passt ein Claude-Modell, das nach heutigem Stand nicht eingestuft ist (z. B. Opus oder Sonnet). Bestehende ZDR-Vereinbarungen gelten dafür weiter. Die stärksten Modelle wie Claude Fable 5.1 bleiben dann den Aufgaben ohne Personenbezug vorbehalten, z. B. Programmierung oder Angebotsvorlagen.
Eine Stellungnahme einer deutschen oder europäischen Datenschutzbehörde zur 30-Tage-Pflicht ist bisher nicht bekannt (Stand September 2026).