Glossareintrag
Wir denken. KI tippt mit.
Copilot KI ist der Markenname für die KI-Assistenten von Microsoft, die auf großen Sprachmodellen (Large Language Models) basieren und direkt in Produkte wie Windows, Microsoft 365, Edge und GitHub eingebaut sind. Das englische Wort bedeutet „Kopilot“ und beschreibt die Arbeitsteilung, die Microsoft anstrebt. Die KI übernimmt Zuarbeit wie Entwürfe, Zusammenfassungen und Auswertungen. Die Verantwortung bleibt beim Menschen. Gebräuchlich sind auch die Schreibweisen Microsoft Copilot, Copilot AI und Copilot KI.
Hinter dem einen Namen stehen mehrere Produkte. Die kostenlose Copilot-App beantwortet Fragen mit Wissen aus dem Web, Microsoft 365 Copilot arbeitet zusätzlich mit den eigenen Firmendaten in Word, Excel, Outlook und Teams, und GitHub Copilot schreibt Programmcode. Einen Überblick bietet die offizielle Copilot-Seite von Microsoft.
Microsoft nutzt Copilot seit November 2023 als Dach für fast alle KI-Funktionen des Konzerns. Damals benannte das Unternehmen seinen Chatbot Bing Chat in Copilot um; eingeführt hatte die Marke schon 2021 die Microsoft-Tochter GitHub mit ihrem Code-Assistenten.
Die wichtigsten Mitglieder der Produktfamilie im Überblick:
Die frühere Einzelnutzer-Variante Copilot Pro hat Microsoft im Oktober 2025 aus dem Verkauf genommen; ihr Nachfolger ist das Abo Microsoft 365 Premium. Auch sonst baut Microsoft die Namen laufend um, seit Mitte 2026 firmiert Microsoft 365 Copilot in der Dokumentation schlicht als Microsoft Copilot.
Unter der Haube arbeiten Modelle mehrerer Anbieter. Standard sind die GPT-Modelle von OpenAI, seit Juli 2026 bevorzugt GPT-5.6. Seit September 2025 lassen sich in Teilen von Microsoft 365 Copilot zusätzlich die Claude-Modelle von Anthropic auswählen, wie Microsoft in der Ankündigung zur Modellauswahl beschreibt. Daneben entwickelt Microsoft unter dem Kürzel MAI eigene Modelle, etwa für Sprachausgabe.
Der wichtigste technische Unterschied zu einem gewöhnlichen Chatbot ist das Grounding über den Microsoft Graph. Bevor eine Anfrage an das Sprachmodell geht, reichert Microsoft 365 Copilot sie mit passenden Inhalten aus E-Mails, Dateien, Chats und Kalendern an, ein Verfahren nach dem Prinzip von RAG. Dabei sieht der Assistent nur Inhalte, für die der jeweilige Nutzer ohnehin eine Berechtigung besitzt. Laut der Datenschutz-Dokumentation von Microsoft werden Eingaben und Firmendaten nicht zum Training der Modelle verwendet.
Microsoft meldete Ende Juli 2026 in den Quartalszahlen mehr als 30 Millionen bezahlte Plätze für Microsoft 365 Copilot, nach 15 Millionen ein halbes Jahr zuvor. In einer großen Vergleichsstudie des britischen Arbeitsministeriums DWP sparten Beschäftigte dagegen im Schnitt nur 19 Minuten pro Tag, primär bei Routineaufgaben. Das australische Finanzministerium fand in seinem 14-wöchigen Testlauf keinen klaren Beleg für bessere Arbeitsergebnisse.
Mit „EchoLeak“ (CVE-2025-32711) wurde im Juni 2025 eine Schwachstelle öffentlich, die als erste bekannte Zero-Click-Lücke in einem KI-Assistenten gilt. Eine präparierte E-Mail konnte Microsoft 365 Copilot per Prompt Injection ohne Zutun des Nutzers zum Preisgeben interner Daten bringen. Microsoft schloss die Lücke laut dem Bericht von The Hacker News, bevor sie ausgenutzt wurde.
Für kleine Betriebe führt der günstigste Einstieg über den Copilot Chat, der in den Business-Abos von Microsoft 365 bereits enthalten ist. Wer die volle Integration in Word, Excel und Outlook möchte, bucht das Add-on Microsoft 365 Copilot Business, das Microsoft im Dezember 2025 für Firmen mit bis zu 300 Nutzern eingeführt hat. Lizenziert wird pro Seat, also pro Mitarbeiter. Seit Juli 2026 gibt es außerdem dauerhafte Pakete, die Business-Abo und Copilot bündeln. Die aktuellen Tarife stehen auf der offiziellen Preisseite von Microsoft.
Im Betriebsalltag übernimmt der Assistent vor allem Schreib- und Auswertungsarbeit:
Die Wirtschaftskammer Österreich zeigt in einem Praxisbericht für das Handwerk, wie ein Installationsbetrieb mit Copilot Kundenanfragen in Outlook zusammenfasst und in Word das Angebot für eine Wärmepumpen-Montage aus einer Vorlage erstellt.
Vor dem Start müssen die Dateifreigaben aufgeräumt werden. Copilot verschafft niemandem neuen Zugriff, macht aber jede zu breit geteilte Datei sichtbar und durchsuchbar, etwa eine Lohnliste in einem falsch freigegebenen Ordner. Microsoft selbst empfiehlt in seiner Anleitung gegen „Oversharing“, Berechtigungen vor der Einführung zu prüfen. Die Kontrollpflicht bleibt ebenfalls beim Menschen, denn wie jedes Sprachmodell kann Copilot halluzinieren und etwa Zahlen oder Zitate erfinden. Datenschützer verlangen für den Einsatz in der Regel eine Datenschutz-Folgenabschätzung, weil der Assistent E-Mails, Dokumente und Kalender verarbeitet. Für die Datenresidenz europäischer Firmendaten gilt Microsofts EU Data Boundary; die als Unterauftragsverarbeiter angebundenen Anthropic-Modelle sind davon laut Microsofts Datenschutz-Dokumentation derzeit ausgenommen.
Als Alternativen positionieren sich ChatGPT Business von OpenAI und Gemini in Google Workspace, die nach demselben Muster KI in Büro-Software integrieren. Copilot setzt dagegen ein bestehendes Microsoft-365-Abo voraus und bleibt innerhalb dieser Umgebung.