Glossareintrag
Wir denken. KI tippt mit.
Bare Metal (englisch: „blankes Metall“) ist Hardware, auf der Software ohne Virtualisierungsschicht läuft. Im Hosting meint der Begriff den Bare-Metal-Server (ein physischer Server, den ein einziger Kunde mietet). Der Kunde teilt Prozessor, Arbeitsspeicher und Laufwerke mit niemandem. Das Betriebssystem ist direkt auf der Maschine installiert. Ein Hypervisor des Anbieters (die Software, die einen Rechner in mehrere virtuelle Maschinen aufteilt) fehlt. IBM definiert Bare-Metal-Server als Cloud-Dienst, bei dem der Nutzer eine physische Maschine mietet, „that is not shared with any other tenants“.
Die ältere deutsche Bezeichnung lautet dedizierter Server (englisch: Dedicated Server). Technisch meinen beide Wörter dieselbe Sache. Die Anbieter trennen sie nicht einheitlich. OVHcloud führt seine Dedicated Server unter beiden Namen. Hetzner wirbt auf seinen Produktseiten durchgängig mit „Dedicated Server“ und benutzt „Bare Metal“ erst in der technischen Dokumentation. IONOS verkauft beides nebeneinander und trennt nach dem Liefermodell. Der Bare Metal Server von IONOS hat keine Mindestlaufzeit. IONOS stellt ihn „minutengenau nach Verbrauch“ bereit. Der klassische Dedicated Server von IONOS mit eigener Konfiguration steht nach Angabe des Anbieters in der Regel innerhalb von 72 Stunden bereit. Auch IBM verbindet dedizierte Server mit langen Bereitstellungszeiten und Abrechnung in Monaten oder Jahren. Bare-Metal-Server stellt IBM dagegen in Minuten bereit und rechnet sie stundenweise ab. Das Cloud-Modell mit Bereitstellung in Minuten heißt Bare Metal Cloud oder Bare Metal as a Service (BMaaS).
Das Gegenstück ist der virtuelle Server (vServer, VPS, in der Cloud „Instanz“ oder VM), bei dem sich mehrere Kunden eine Maschine teilen. (Hinweis: Das Wort „dediziert“ allein garantiert keine eigene Hardware. netcup bewirbt unter „Dedicated Server“ seine Root Server. Die Root Server laufen auf der „Virtualisierungsplattform“ des Anbieters und sichern dem Kunden feste CPU-Kerne, RAM und Speicher zu.)
Der Ausdruck stammt aus der Programmierung. Das Jargon File führt „bare metal“ als Wort für neue Hardware, auf der weder Betriebssystem noch Hochsprache laufen. Wer auf solcher Hardware programmiert, arbeitet direkt mit den Eigenheiten der Schaltung. Aus der Programmierung ist der Begriff später ins Hosting gewandert.
Weitere Bedeutungen:
Ein Team von IBM Research hat für die Studie „An Updated Performance Comparison of Virtual Machines and Linux Containers“ KVM gegen denselben Server ohne Virtualisierung gemessen (Bericht von 2014, Konferenzfassung 2015). Beim Speicherzugriff lag der Verlust bei 1 bis 3 Prozent. Für das Rechnen kam es auf die Einstellung an. Ein Linpack-Test verlor mit Standardwerten 17 Prozent und nach dem Abstimmen 2 Prozent. Ein Kompressionsprogramm büßte auch abgestimmt 18 Prozent ein. Bei wahlfreien Zugriffen auf einen Flash-Speicher lieferte die virtuelle Maschine nur halb so viele Operationen pro Sekunde. Die Netzwerk-Latenz stieg um 80 Prozent (30 Mikrosekunden je Transaktion). Eine MySQL-Datenbank verlor in allen Messungen über 40 Prozent Durchsatz.
Die Hyperscaler haben den Aufschlag seither in eigene Hardware verlagert. Bei Amazon Web Services übernehmen Steckkarten des Nitro System Netzwerk und Speicher. Der verbleibende Hypervisor liefert laut AWS-Dokumentation zu Nitro-Instanzen eine Leistung, die „indistinguishable from bare metal for most workloads“ ist. AWS bietet trotzdem seit einer Vorschau im November 2017 Bare-Metal-Instanzen (Endung .metal) an. Laut Dokumentation lohnt sich das für Programme, die Hardware-Funktionen wie Intel VT benötigen, und für Software, deren Lizenz oder Support eine nicht virtualisierte Umgebung verlangt.
Im KI-Geschäft bauen viele Neoclouds auf Bare Metal. CoreWeave schreibt in der Dokumentation seines Kubernetes-Dienstes CKS, er laufe „directly on bare metal Nodes, without a hypervisor“. Nscale führt Bare-Metal-Maschinen neben Kubernetes und Slurm als Bezugsform. Lambda bietet Bare Metal Instances für seine GPU-Cluster an. Beim Training tauschen tausende GPUs ihre Zwischenergebnisse direkt über die Netzwerkkarte aus, vorbei an Prozessor und Hauptspeicher (GPUDirect RDMA). Nvidias Fehlerleitfaden zur Kommunikationsbibliothek NCCL warnt, dass I/O-Virtualisierung diesen Verkehr über die CPU umleiten kann („causing a significant performance reduction or even a hang“). Nvidia liefert seine DGX- und HGX-Server mit NVSwitch laut Fabric-Manager-Handbuch ab Werk als „bare-metal machines“ konfiguriert.
Für seine Cloud-Partner ist Bare Metal trotzdem keine Pflicht. Die Nvidia-Anforderungen an KI-Clouds lassen Bare Metal as a Service und virtuelle Maschinen zu. Nvidia selbst setzt laut dem Dokument eine VM je Server ein. Nebius betreibt seine GPU-Instanzen als virtuelle Maschinen, reicht GPUs und InfiniBand-Karten aber laut einem Nebius-Beitrag zu MLPerf Inference unvirtualisiert durch.
Die Hyperscaler liefern ihre großen GPU-Systeme meist virtualisiert. AWS listet die Reihen P5 und P6 nur unter den virtualisierten Instanzen. Microsoft setzt ein Rack GB200 NVL72 mit 72 GPUs aus 18 virtuellen Maschinen der Reihe ND GB200 v6 zusammen. CoreWeave vermietet dasselbe Rack laut seiner Dokumentation zu NVL72-Instanzen nur als Ganzes mit 18 Servern. Google Cloud führt die Maschinenreihe A4X nur als VM und die neuere Reihe A4X Max (GB300) nur als Bare Metal. Broadcom (VMware) hat für seine Virtualisierung im Benchmark MLPerf Inference 5.1 einen Abstand von 1 bis 2 Prozent zu Bare Metal gemessen. Es sind Herstellerwerte für Inferenz auf einem einzelnen Server mit acht GPUs, nicht für das Training über viele Server.
Ein Bare-Metal-Server hat keinen Hypervisor, über den der Anbieter ihn aus der Ferne steuern könnte. Die Fernsteuerung übernimmt der BMC (Baseboard Management Controller, ein eigener kleiner Rechner auf der Hauptplatine). Die Verwaltungssoftware schaltet über den BMC den Server ein, lässt ihn per PXE aus dem Netzwerk starten und spielt das Betriebssystem auf. Als Protokoll dient das ältere IPMI oder das modernere Redfish. Die IPMI-Herausgeber Dell, HPE, NEC und Intel schreiben die IPMI-Spezifikation nicht mehr fort und empfehlen Redfish. Open-Source-Tools für die automatische Einrichtung sind OpenStack Ironic, MAAS von Canonical und Metal3. Bei AWS kann es laut Dokumentation 20 Minuten und länger dauern, bis eine gestartete .metal-Instanz im Netz erreichbar ist.
Auf einem Bare-Metal-Server rechnet zur Laufzeit kein fremder Kunde mit. Damit entfällt der „Noisy Neighbor“ (ein Nachbar, der auf geteilter Hardware die Leistung der anderen drückt). Seitenkanal-Angriffe von VM zu VM haben kein Ziel. Beim Mieterwechsel kann dagegen manipulierte Firmware des Vormieters zurückbleiben. Die Sicherheitsfirma Eclypsium hat bei IBM Cloud die BMC-Firmware eines gemieteten Servers verändert und den Server zurückgegeben. Als sie dieselbe Maschine später wieder mietete, war die Änderung noch da. In der Eclypsium-Analyse „Cloudborne“ vom Februar 2019 folgert die Firma, dass Schadcode in der Firmware von Kunde zu Kunde wandern kann. Oracle sichert in seiner Sicherheitsdokumentation für OCI-Compute zu, dass jeder zurückgegebene Bare-Metal-Server einen „automated disk and firmware-level wipe process“ durchläuft. AWS setzt gegen das Risiko den Nitro Security Chip ein. Der Chip fängt laut Sicherheits-Whitepaper zum AWS Nitro System Firmware-Updates ab, sodass die Prozessoren des Kunden die System-Firmware nicht überschreiben können.
Mit dem Hypervisor fehlen seine Komfortfunktionen. Live-Migration auf einen anderen Host und Snapshots auf Knopfdruck sind Leistungen der Virtualisierungsschicht. Fällt ein Bauteil aus, steht der Server, bis der Anbieter es getauscht hat. Mehr Leistung gibt es nur als ganze zusätzliche Maschine.
Für Website, Nextcloud oder die Handwerkersoftware im Rechenzentrum reicht einem Betrieb fast immer ein vServer. Bare Metal wird interessant, sobald ein eigenes KI-Modell laufen soll. Ein offenes Sprachmodell (Open Weights) benötigt eine Grafikkarte mit viel Speicher. Grafikkarten mit 96 GB gibt es bei deutschen Hostern primär als dedizierten Server. Hetzner vermietet in seiner GPU-Line für Dedicated Server den GEX45 mit 24 GB Grafikspeicher und den GEX131 mit 96 GB. IONOS bietet GPU-Server auf dedizierter Hardware mit bis zu 96 GB an. In der IONOS-Pressemitteilung zu den Blackwell-GPU-Servern vom März 2026 wirbt der Anbieter mit der „vollen Hardware-Leistung ohne Virtualisierungs-Overhead“. Auf so einer Maschine läuft das KI-Modell mit Ollama oder vLLM. Wie viel Text das Modell auf einmal verarbeitet (Kontextfenster), hängt vom Grafikspeicher ab. Die Ollama-Dokumentation zur Kontextlänge nennt als Standard unter 24 GiB 4.096 Token, ab 24 GiB 32.768 und ab 48 GiB 262.144. Ein Chatbot mit Kundendaten oder eine Auswertung von Angeboten und Aufmaßen bleibt damit auf einem Server in Deutschland, den kein anderer Kunde mitbenutzt.
Ein dedizierter Server im Monatstarif kostet immer denselben Betrag, egal ob das Modell drei oder dreitausend Anfragen beantwortet. KI-Schnittstellen wie die von OpenAI, Anthropic oder Google rechnen dagegen pro Token ab. Der Server läuft und kostet auch nachts und am Wochenende. Für Lasten, die nur zeitweise anfallen, gibt es Bare-Metal-Angebote mit Abrechnung pro Stunde oder Minute. Agenturen und Systemhäuser verteilen diese Fixkosten auf mehrere Kunden. Wer kein KI-Modell betreiben will und nur planbare Leistung für Datenbank oder Warenwirtschaft sucht, findet in der Hetzner-Serverbörse aufbereitete Dedicated Server ohne Einrichtungsgebühr.
Das Wort „Root-Server“ sagt nur, dass der Kunde volle Administratorrechte hat. Über die Hardware sagt es nichts. Bei den vGPU-Servern von netcup teilen sich mehrere virtuelle Maschinen eine Nvidia H200. STACKIT (die Cloud der Schwarz-Gruppe) bietet die GPUs der STACKIT Compute Engine nur in virtuellen Maschinen an. Die DSGVO kennt keine Pflicht zu eigener Hardware. Die schon 2012 verfasste Orientierungshilfe Mandantenfähigkeit der Datenschutzkonferenz erlaubt gemeinsam genutzte Hardware, solange die Verarbeitung „zwingend durch technische Maßnahmen getrennt“ abläuft. Erst bei sehr hohem Schutzbedarf verlangt das Papier eine physische Trennung. Der Kriterienkatalog C5:2020 des BSI fordert im Kriterium OPS‑24 eine strikte Trennung der Kundendaten auf gemeinsam genutzten Ressourcen. Eine eigene Maschine je Kunde schreibt er nicht vor. Im April 2026 hat das BSI die Neufassung C5:2026 veröffentlicht.
Wer einen dedizierten Server mietet, übernimmt die Arbeit, die bei ChatGPT der Anbieter erledigt. Der Hoster tauscht defekte Bauteile. Sicherheitsupdates, Firewall und Backups sind Sache des Mieters. Ohne eigenen Administrator gehört der Server in die Hände eines IT-Dienstleisters.