Glossareintrag
Wir denken. KI tippt mit.
Artifacts bei KI (deutsch Artefakte, bekannt als Claude Artifacts) sind fertige Arbeitsergebnisse des KI-Assistenten Claude von Anthropic. Claude öffnet sie in einem eigenen Fenster neben dem Chat. Dort liegt z. B. ein Dokument, eine Webseite, ein Diagramm oder ein kleines Programm, das sofort läuft. Anthropic beschreibt ein Artefakt auf seiner deutschen Hilfeseite zu Artefakten als „alles, was Claude für Sie erstellt und das Sie jemandem zeigen würden“. Der Nutzer kann es bearbeiten, später wieder öffnen und mit anderen teilen.
Claude legt ein Artifact von sich aus an, wenn ein Inhalt umfangreich und in sich geschlossen ist. Zu den vier Merkmalen der Hilfeseite gehören ein Umfang von typischerweise mehr als 15 Zeilen und die Erwartung, dass der Nutzer den Inhalt außerhalb der Unterhaltung weiterverwendet. Eine kurze Antwort, eine Erklärung oder drei Zeilen Code bleiben im Chat. Claude macht laut Anthropic aus fast allem ein Artifact, darunter:
Seit 2026 erzeugen außerdem die Werkzeuge Claude Design, Claude Slides und Claude Docs Artifacts (in der Hilfe als Vorlagen geführt). Ihre Entwürfe, Präsentationen und Dokumente landen ebenfalls im Reiter „Artefakte“. Der Programmier-Agent Claude Code veröffentlicht Artifacts als eigene Seite im Browser.
Fast alle großen Anbieter haben eine solche Arbeitsfläche neben dem Chat, nur unter anderem Namen. Bei Google und Mistral heißt sie Canvas, bei Microsoft Copilot-Seiten (Copilot Pages). OpenAI startete ChatGPT Canvas im Oktober 2024 und ersetzte es im Mai 2026 in den aktuellen Modellen durch Schreib- und Codeblöcke direkt in der Antwort. Der Entwickler Simon Willison hält in seinem Beitrag über HTML-Tools aus dem KI-Chat fest, dass Claude dieselbe Funktion Artifacts nennt, die bei ChatGPT und Gemini Canvas heißt.
(Hinweis: Artefakt hat im KI-Umfeld weitere Bedeutungen, z. B. Bildfehler in generierten Bildern oder die gespeicherten Dateien eines Trainingslaufs.)
Anthropic stellte Artifacts im Juni 2024 zusammen mit dem Modell Claude 3.5 Sonnet als Vorschau-Funktion vor. Die Ankündigung von Claude 3.5 Sonnet ist auf den 21. Juni 2024 datiert und beschreibt den Schritt als Wandel vom Gesprächs-Assistenten zur gemeinsamen Arbeitsumgebung. Am 27. August 2024 schaltete Anthropic die Funktion für die Tarife Free, Pro und Team und für die Apps auf iOS und Android frei. Unter der Adresse der Originalmeldung steht heute eine Fehlerseite. Das Internet Archive bewahrt die Artifacts-Meldung vom August 2024. Bis Juni 2025 hatten Millionen Nutzer laut Anthropic mehr als eine halbe Milliarde Artifacts erstellt.
In der ersten Fassung zeigte das Fenster nur an, was Claude geschrieben hatte. Seitdem hat Anthropic daraus ein kleines App-Werkzeug gemacht, das ohne Programmierkenntnisse auskommt (siehe Vibe Coding).
Ein KI-gestütztes Artifact verlangt von jedem Betrachter die Anmeldung mit dem eigenen Claude-Konto. Der Verbrauch zählt gegen das Nutzungslimit des Betrachters. Der Ersteller zahlt nichts, ob 10 oder 10.000 Menschen das Artifact verwenden (so Anthropics Hilfeseite zu Artefakten). API-Schlüssel benötigt niemand.
Der dauerhafte Speicher fasst 20 MB pro Artifact und nimmt nur Text auf, keine Bilder und keine Dateien. Es gibt ihn in den bezahlten Tarifen im Web und in der Desktop-App. Anthropic trennt zwei Bereiche. Im persönlichen Speicher sieht jeder Nutzer nur seine eigenen Einträge, z. B. in einem Tagebuch-Artifact. Im geteilten Speicher sehen alle Nutzer dieselben Daten, z. B. in einer gemeinsamen Aufgabenliste. Vor der ersten Eingabe in ein Artifact mit geteiltem Speicher erscheint ein Bestätigungsdialog. Bei älteren, im Chat entstandenen Artifacts arbeitet der Speicher erst nach dem Veröffentlichen. Neue Artifacts speichern auch ohne.
Ein Artifact unterscheidet sich von der Datei-Erstellung im Ort. Seit September 2025 erzeugt Claude auf Wunsch fertige Excel-, Word-, PowerPoint- und PDF-Dateien zum Herunterladen. Das Artifact bleibt dagegen in Claude und hat eine eigene Adresse.
Beim Teilen unterscheidet Anthropic derzeit zwei Systeme, weil die neue Claude-Oberfläche schrittweise ausgerollt wird (zuerst in Pro und Max). Die Anthropic-Hilfeseite zum Veröffentlichen und Teilen von Artifacts beschreibt beide.
Ein Artifact, das Connectoren nutzt oder selbst Claude aufruft, bekommt im neuen System keinen Link für jedermann. In Team und Enterprise lässt es sich an Kollegen in der Organisation weitergeben. Bei Personen, die von außerhalb der Organisation per E-Mail eingeladen sind, funktionieren die Teile mit Claude oder Connectoren nicht.
Hinweise der Hilfeseite zur Vertraulichkeit:
Laut einem TechCrunch-Bericht über geteilte Claude-Chats und Artifacts bei Google vom 27. Juli 2026 waren öffentlich geteilte Links in der Google-Suche auffindbar. Anthropic-Sprecherin Amie Rotherham erklärte dazu, geteilte Inhalte seien öffentlich zugänglich wie andere Webinhalte und könnten von Drittdiensten archiviert werden.
Ein Artifact ist laut der Claude-Code-Dokumentation zu Artifacts eine statische Seite ohne eigenen Server. Claude lädt jedes Artifact von einer abgeschotteten Adresse unter claudeusercontent.com, also in einer Sandbox. Eine strenge Content Security Policy (Sicherheitsregel, die der Browser durchsetzt) blockiert externe Bilder und fast alle fremden Skripte. JavaScript-Bibliotheken wie React oder ein Diagramm-Paket darf die Seite nur von vier festgelegten Adressen laden, darunter cdnjs und jsDelivr. Aufrufe ins Netz erreichen nur die eigene Adresse und die Schrift-Server von Google Fonts. Connector-Aufrufe laufen über claude.ai. Die fertige Seite darf höchstens 16 MiB groß sein. Ein Artifact kann seine Besucher nicht selbst anmelden.
Artifacts erscheinen nur, wenn die Option „Cloud-Code-Ausführung und Dateierstellung“ aktiv ist (englisch „Cloud code execution and file creation“). In Free, Pro und Max steht sie unter „Einstellungen > Funktionen“, in Team und Enterprise unter „Organisationseinstellungen > Funktionen“.
Verfügbarkeit nach Tarif (Stand September 2026):
Artifacts zählen gegen das Nutzungslimit des Tarifs. Den aktuellen Funktionsumfang je Tarif zeigt die Preisseite von Claude.
Die Gegenstücke der anderen Anbieter (Stand September 2026):
Grok Studio von xAI gehörte ab 2025 zu dieser Reihe. Die xAI-Dokumentation führt es heute als nicht mehr unterstützt und verweist auf Grok Build.
Artefakt kommt aus dem Lateinischen (arte factum, mit Kunstfertigkeit gemacht) und meint etwas Hergestelltes. Weitere Bedeutungen bei KI:
Ein Artifact ersetzt im Handwerksbetrieb das kleine Tool, für das sich eine Softwarelizenz oder ein Programmierer nie gelohnt hat. Der Auftrag an Claude ist ein normaler Satz. Das Ergebnis läuft im Browser auf dem Büro-PC und auf dem Handy auf der Baustelle. In Anthropics Tutorial zu Artifacts ohne Programmierkenntnisse beschreibt ein Kleinunternehmer seinen Ablauf und bekommt ein passendes Werkzeug für die Lagerverwaltung.
Für den Anthropic Education Report zur Claude-Nutzung von Lehrenden hat das Unternehmen rund 74.000 Unterhaltungen ausgewertet. Hochschullehrende bauen demnach mit Artifacts Simulationen, Quizze mit automatischer Rückmeldung und Bewertungsraster. Innungen, Berufsschulen und Ausbildungsbetriebe bauen auf demselben Weg ein Lern-Quiz zur Gesellenprüfung.
Regeln für den Betrieb:
Ein Artifact ist kein Ersatz für die Branchensoftware. Rechnungen, Kundendaten, Zeiterfassung und alles mit Aufbewahrungspflicht gehören in ein System mit Datensicherung, Rechteverwaltung und Support. Ein Artifact ersetzt dagegen den Rechner, die Übersicht und die Liste, die bisher in einer Excel-Datei auf einem einzelnen PC lagen.