Der Sprach-KI-Anbieter ElevenLabs hat am 17. August 2026 den ElevenLabs MCP im Claude Connectors Directory veröffentlicht. Nutzer verwalten damit ihre Voice- und Chat-Agenten direkt im Chat mit Claude, ohne API-Schlüssel und ohne lokale Installation. Der Server läuft laut der offiziellen Ankündigung von ElevenLabs vollständig beim Anbieter, die Anmeldung erfolgt einmalig per OAuth-Login.
Technische Grundlage ist das Model Context Protocol, der von Anthropic entwickelte offene Standard, über den KI-Assistenten auf externe Dienste zugreifen. Für ElevenLabs-Kunden bedeutet die Integration, dass Auswertung, Umbau und Kostenplanung ihrer Sprachagenten direkt im Chat stattfinden statt im ElevenLabs-Dashboard.
Was der ElevenLabs MCP in Claude kann
Der gehostete Server gibt Claude Lese- und Schreibzugriff auf die Agenten eines ElevenLabs-Kontos. Die offizielle Doku zum Hosted MCP beschreibt unter anderem diese Aufgaben:
- Agenten anlegen und umbauen: System-Prompt, Stimme, Sprache und Begrüßungsnachricht lassen sich per Chat-Anweisung ändern.
- Gespräche auswerten: Claude liest Konversationsverläufe samt kompletter Transkripte und analysiert, worüber Anrufer mit den Agenten sprechen.
- Agenten duplizieren: etwa als Kopie für einen neuen Markt, mit angepasster Stimme und Startnachricht.
- Kosten schätzen: Die erwartete LLM-Nutzung eines Agenten lässt sich kalkulieren, bevor eine Änderung live geht.
- Konfigurationen vergleichen: Abweichungen zwischen mehreren Agenten werden sichtbar; dazu kommen Widget-Einstellungen, teilbare Links und die Größe der angebundenen Wissensdatenbank.
- Sprache erzeugen: Text-to-Speech liefert fertiges Audio als zeitlich begrenzten Download-Link.
Erreichbar ist der Dienst unter der Adresse api.elevenlabs.io/v1/mcp. Die OAuth-Freigabe beschränkt sich auf den eigenen Workspace und deckt Lese- und Schreibrechte für die Agenten sowie Text-to-Speech ab. Damit wandert die Verwaltung kompletter KI-Agenten in ein Chatfenster, inklusive der Frage, wie viel ein geplanter Umbau kosten würde.
Wie das in der Praxis aussieht, zeigt ElevenLabs in einem kurzen Video auf dem eigenen YouTube-Kanal:
Einrichtung per OAuth im Claude Connectors Directory
Die Installation dauert nach Anbieterangaben nur wenige Klicks. In Claude Desktop öffnen Nutzer die Einstellungen, wählen den Bereich Connectors, suchen nach ElevenLabs und melden sich einmalig mit ihrem ElevenLabs-Konto an. Welche Zugriffe Claude danach ausführen darf, steuern Nutzer granular über die Claude-Einstellungen; die Verbindung lässt sich jederzeit im MCP-Client oder in den ElevenLabs-Kontoeinstellungen widerrufen. Beim Google-Workspace-Connector reichen diese Rechte inzwischen bis zum Schreibzugriff, darüber lassen sich seit August 2026 mit Claude E-Mails senden.
Das Connectors Directory hatte Anthropic am 14. Juli 2025 gestartet. Es bündelt geprüfte MCP-Anbindungen von Diensten wie Notion, Canva und Stripe und ist im Web- und im Desktop-Client von Claude erreichbar. Remote-Connectors wie der von ElevenLabs waren zum Start den Bezahl-Plänen vorbehalten.
Firmenkunden können den Zugriff einschränken. Workspace-Administratoren bei ElevenLabs deaktivieren einzelne Tools für die gesamte Organisation, und einzelne Nutzer können solche Sperren nicht aufheben.
Was ist das Model Context Protocol?
Das Model Context Protocol (MCP) ist ein offener Standard, mit dem KI-Assistenten auf externe Programme, Datenbanken und Dienste zugreifen. Anthropic stellte ihn im November 2024 vor und übergab das Protokoll im Dezember 2025 an die Agentic AI Foundation unter dem Dach der Linux Foundation, wo es seitdem herstellerneutral weiterentwickelt wird.
Zum Zeitpunkt der Übergabe zählte Anthropic mehr als 10.000 aktive öffentliche MCP-Server und rund 97 Millionen SDK-Downloads pro Monat. Neben Claude unterstützen unter anderem ChatGPT, Gemini und Microsoft Copilot den Standard.
Hosted MCP und lokaler Server im Vergleich
Einen MCP-Server bietet ElevenLabs bereits seit dem 7. April 2025 an, damals als quelloffenes Paket zum Selberbetreiben. Diese erste Version läuft lokal auf dem eigenen Rechner, braucht einen API-Schlüssel und richtet sich an Entwickler. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Audio-Erzeugung, also Text-to-Speech, Transkription, Voice Cloning und Sounddesign; als Clients nennt das GitHub-Repository des ElevenLabs-MCP-Servers unter anderem Claude Desktop, Cursor und Windsurf.
Der ElevenLabs Hosted MCP, so der offizielle Name des neuen Dienstes, ersetzt den älteren Server nicht. Beide Angebote bestehen parallel und zielen auf unterschiedliche Nutzer:
| Merkmal | Hosted MCP (neu, 2026) | Lokaler MCP-Server (2025) |
|---|---|---|
| Betrieb | von ElevenLabs gehostet, nichts zu installieren | läuft lokal auf dem eigenen Rechner |
| Anmeldung | OAuth-Login, kein API-Schlüssel | eigener API-Schlüssel nötig |
| Einrichtung | wenige Klicks im Claude Connectors Directory | Python-Paket plus manuelle Konfiguration |
| Schwerpunkt | Verwaltung von Voice- und Chat-Agenten | Audio-Erzeugung (Text-to-Speech, Cloning, Transkription) |
| Zielgruppe | Teams, die Agenten betreiben | Entwickler-Workflows |
The New Stack warnt vor Schreibzugriff auf Produktiv-Agenten
Das US-Fachportal The New Stack sieht in dem neuen Schreibzugriff ein Risiko für den laufenden Betrieb. In ihrer Analyse des ElevenLabs MCP beschreibt Autorin Amanda Caswell, dass die Barriere zwischen dem Analysieren und dem Verändern von Infrastruktur verschwindet. Ein bestätigter Chat-Befehl ändert oder löscht damit einen produktiv laufenden Agenten, und eine Bestätigung im Chat ersetze kein getestetes Deployment.
ElevenLabs selbst weist in der Doku darauf hin, dass das Löschen eines Agenten destruktiv ist, und rät, jeden Tool-Aufruf im MCP-Client vor der Freigabe zu prüfen. Als zusätzliche Absicherung nennt The New Stack versionierte Rollouts und Test-Workflows über die Kommandozeile und die API, dazu kommen die erwähnten Admin-Sperren auf Workspace-Ebene.
ElevenLabs Agents: über zwei Millionen erstellte Agenten
Der MCP-Server steuert die Plattform ElevenLabs Agents, die bis September 2025 Conversational AI hieß. Zur Umbenennung in ElevenLabs Agents nannte das Unternehmen mehr als zwei Millionen erstellte Agenten und über 33 Millionen geführte Gespräche allein im laufenden Jahr 2025.
Technisch kombiniert die Plattform Spracherkennung, ein frei wählbares Sprachmodell, Sprachausgabe mit niedriger Latenz und ein eigenes Modell für den Sprecherwechsel. Mehr als 5.000 Stimmen in 31 Sprachen stehen zur Auswahl, dazu kommen Telefonanbindung, eine Wissensdatenbank für Firmenwissen und SDKs für Web- und Mobile-Apps.
Abgerechnet wird nach Gesprächsminuten. Der Gratis-Plan enthält laut der Preisliste der ElevenLabs Agents 15 Minuten pro Monat, bezahlte Stufen reichen von 6 Dollar (Starter, 75 Minuten) bis 990 Dollar (Business, 12.375 Minuten), Zusatzminuten kosten 8 US-Cent. Die Kosten für das Sprachmodell und die Telefonie kommen separat hinzu (US-Preise, Stand August 2026).
Bewertung von elf Milliarden Dollar nach der Series D
Im Februar 2026 sammelte ElevenLabs 500 Millionen Dollar unter Führung von Sequoia Capital ein, bei einer Bewertung von elf Milliarden Dollar. Zwei Jahre zuvor, im Januar 2024, lag die Bewertung noch bei 1,1 Milliarden Dollar, im Januar 2025 bei 3,3 Milliarden.
ElevenLabs-Bewertung: von 1,1 auf 11 Milliarden Dollar
Unternehmensbewertung bei den Finanzierungsrunden, in Milliarden US-Dollar
Zahlen als Tabelle
| Runde | Zeitpunkt | Bewertung |
|---|---|---|
| Series B | Januar 2024 | 1,1 Mrd. US-Dollar |
| Series C | Januar 2025 | 3,3 Mrd. US-Dollar |
| Series D | Februar 2026 | 11 Mrd. US-Dollar |
Den wiederkehrenden Jahresumsatz bezifferte das Unternehmen in der Mitteilung zur Series D auf mehr als 330 Millionen Dollar zum Jahresende 2025; zu den Kunden zählen nach eigenen Angaben die Deutsche Telekom, Duolingo und Epic Games. Gegründet wurde ElevenLabs 2022 von Mati Staniszewski und Piotr Dąbkowski; der Unternehmenssitz liegt in New York, die europäische Zentrale in London.