Claude Sonnet 5.5:
Fast Opus-Level zum halben Tokenpreis

Wir denken. KI tippt mit.

Lesezeit: 15 Minuten
Veröffentlicht: 28.09.2026
Aktualisiert: 10.10.2026
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Markus Schulte

AI Solution Development, Autor

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Anthropic hat am 28. September 2026 Claude Sonnet 5.5 veröffentlicht, das zweite Modell der Claude-5.5-Familie nach dem sechs Tage älteren Modell Claude Opus 5.5. Laut der offiziellen Vorstellung von Claude Sonnet 5.5 erzeugt das neue KI-Modell Text mehr als 30 Prozent schneller als Sonnet 5 und kostet bei den meisten Aufgaben bis zu 30 Prozent weniger. Der Tokenpreis bleibt unverändert bei 2 Dollar für die Eingabe und 10 Dollar für die Ausgabe je Million Token.

Sonnet 5.5 soll Opus 5.5 als schnellere und günstigere Ergänzung zur Seite stehen. Der Hersteller sieht die Stärken bei eng umrissenen Alltagsaufgaben, bei der Fehlersuche im Code und beim Erstellen von Dokumenten, Folien und Tabellen. Für komplexe, offene Arbeit, die längeres Abwägen verlangt, bleibt laut Anthropic Opus 5.5 deutlich stärker. Claude Haiku 5.5 für große Anfragemengen und knappe Budgets soll „in den kommenden Wochen“ folgen. Update (8. Oktober 2026): Claude Haiku 5.5 ist am 7. Oktober erschienen, für 0,10 Dollar je Million Eingabe-Token und mit 39,2 Prozent auf Terminal-Bench 4.0 gegen 70,6 Prozent bei Sonnet 5.5.

Das offizielle Vorstellungsvideo steht auf dem YouTube-Kanal von Claude.

Claude Sonnet 5.5 Benchmarks: Terminal-Bench springt von 10,3 auf 70,6 Prozent

Auf Terminal-Bench 4.0, einem Test für agentisches Programmieren auf der Kommandozeile, löst Sonnet 5.5 laut Anthropic 70,6 Prozent der Aufgaben. Sonnet 5 kam auf 10,3 Prozent, Opus 5.5 auf 66,4 Prozent (gemessen auf der Effort-Stufe Xhigh, die bei Opus den Bestwert lieferte). Wie der niedrige Wert von Sonnet 5 zustande kommt, erklärt Anthropic nicht.

Bei der Büroarbeit liegen die beiden 5.5-Modelle fast gleichauf. Der Test GDPval-AA von Artificial Analysis prüft reale Arbeitsaufgaben aus 44 Berufen und neun Branchen und vergibt Elo-Punkte. Sonnet 5.5 erreicht 1.844 Punkte, Opus 5.5 kommt auf 1.846 und Sonnet 5 auf 1.449. GPT-6 Sol von OpenAI steht bei 1.487. Im Dokumenten-Test AA-Briefcase sieht es ähnlich aus (1.811 Punkte gegen 1.822 für Opus 5.5). Artificial Analysis testete beide auf einer Vorabversion mit einem inzwischen behobenen Fehler bei strukturierten Ausgaben. Der Hersteller erwartet höchstens einen kleinen Effekt, der die Werte von Sonnet 5.5 eher zu niedrig ausfallen lässt.

Sonnet 5.5 gegen Sonnet 5 und Opus 5.5 in sechs Tests

Gelöste Aufgaben in Prozent; FrontierCode bei Sonnet 5.5 auf Xhigh, Terminal-Bench bei Opus 5.5 auf Xhigh, OSWorld mit Teilpunkten

Quelle: Benchmark-Tabelle von Anthropic zu Claude Sonnet 5.5, Stand 28. September 2026. Herstellerangaben, Messmethoden in der System Card zu Sonnet 5.5.
Zahlen als Tabelle
BenchmarkSonnet 5Sonnet 5.5Opus 5.5
Terminal-Bench 4.010,3 %70,6 %66,4 % (Xhigh)
FrontierCode 1.1 (Main)42,4 %52,1 % (Xhigh), 46,2 % (Max)54,4 %
CursorBench 4.034,1 %55,5 %57,8 %
Humanity’s Last Exam (mit Tools)54,9 %64,5 %67,7 %
OSWorld 2.157,0 %80,1 %81,8 %
Chartography (ohne Tools)15,6 %61,6 %64,4 %

Auf der höchsten Stufe Max erreicht Sonnet 5.5 laut Anthropic in mehreren Tests ähnliche Werte wie Opus 5.5. Beim Coding-Test FrontierCode schnitt es auf Max allerdings schlechter ab als auf Xhigh (46,2 gegen 52,1 Prozent). Laut einer Fußnote startete das Modell auf Max öfter den Code-Review-Skill von Claude Code, der die Prüfung auf viele Subagenten verteilt. Das KI-Unternehmen Cognition hat zwei solche Fälle untersucht. Beide endeten in einem Timeout oder in Änderungen außerhalb der Aufgabe, und FrontierCode wertet beides als Fehler.

Beim Bedienen fremder Oberflächen (Computer Use) steigt der Wert im Test OSWorld 2.1 von 57,0 auf 80,1 Prozent. Im Test Chartography liest Sonnet 5.5 Diagramme rund viermal so treffsicher wie der Vorgänger (61,6 gegen 15,6 Prozent). Als erstes Sonnet-Modell hat es außerdem das Spiel Pokémon Rot durchgespielt, allein anhand von Screenshots.

Auf SWE-Bench Pro kommt Sonnet 5.5 laut System Card auf 81,3 Prozent (Sonnet 5: 63,2, Opus 5.5: 89,9). Im medizinischen Test HealthBench Professional liegt es mit 69,2 Prozent vor Opus 5.5 (65,6), gerechnet mit OpenAIs Korrektur für die Antwortlänge. Ohne sie kommen beide auf 77,1 Prozent.

Tabelle mit Claude Sonnet 5.5 Benchmarks im Vergleich zu Sonnet 5, Opus 5.5 und GPT-6 Sol über acht Testkategorien
Offizielle Claude Sonnet 5.5 Benchmarks von Anthropic im Vergleich zu Sonnet 5, Opus 5.5 und GPT-6 Sol, Stand 28.09.2026. (Quelle: https://www.anthropic.com/claude-sonnet-5-5)

Unabhängige Ranglisten: Platz 3 bei Artificial Analysis, Platz 2 bei Vals.ai

Im Intelligence Index von Artificial Analysis für Claude Sonnet 5.5 erreicht das Modell auf Max 56 Punkte, Platz 3 von 216 Modellen seiner Preisklasse. Vor ihm liegt nur Opus 5.5, auf Max mit 58 Punkten und auf Xhigh mit ebenfalls gerundet 56 Punkten (55,99 gegen 55,98). Claude Fable 5.1 und GPT-6 Astra kommen auf je 53 Punkte, Sonnet 5 auf 38. Mit Xhigh kommt Sonnet 5.5 auf 52 Punkte. Der Index in Version 4.3.2 bündelt zehn Tests, darunter GDPval-AA, Terminal-Bench 4.0 und Humanity’s Last Exam. Artificial Analysis misst die Claude-Modelle mit eingeschaltetem Ausweichmodell (Fallback).

Artificial Analysis Intelligence Index: Sonnet 5.5 auf Platz 3

Indexpunkte je Modell und Effort-Stufe, höher ist besser

Quelle: Modell-Rangliste von Artificial Analysis, Stand 28. September 2026. Kosten pro Aufgabe siehe Tabelle.
Zahlen als Tabelle
Modell (Stufe)IndexpunkteKosten pro Index-Aufgabe
Claude Opus 5.5 (Max)585,98 $
Claude Opus 5.5 (Xhigh)563,46 $
Claude Sonnet 5.5 (Max)567,60 $
Claude Fable 5.1 (Max)537,63 $
GPT-6 Astra (Max)533,26 $
GPT-6 Sol (Max)481,06 $
Grok 4.7 (Xhigh)463,74 $
Gemini 3.8 Flash (High)411,24 $
Claude Sonnet 5 (Max)385,09 $

Auf Terminal-Bench 4.0 misst Artificial Analysis 63,6 Prozent statt der 70,6 Prozent aus Anthropics Tabelle. Anthropic ließ die Aufgaben in Claude Code auf Max und ohne Internetzugang laufen, Artificial Analysis nutzt eine eigene Testumgebung (Harness).

Der Vals Index von Vals.ai sieht Sonnet 5.5 mit 69,22 Prozent knapp hinter Opus 5.5 (69,69 Prozent) und vor Fable 5.1 (68,83 Prozent). Sonnet 5.5 kostete dort 20,80 Dollar pro Test, Opus 5.5 kam auf 32,77 Dollar. Die Rangliste trägt den Stand 27. September, einen Tag vor dem offiziellen Release. Werte von LMArena, SWE-bench und ARC Prize lagen am Abend des Release-Tags noch nicht vor.

Balkendiagramm des Artificial Analysis Intelligence Index v4.3.2 mit 28 von 679 Modellen, Claude Sonnet 5.5 mit 56 Punkten hervorgehoben
Artificial Analysis Intelligence Index v4.3.2: Claude Opus 5.5 führt vor Claude Sonnet 5.5 und GPT-6, Stand 28.09.2026. (Quelle: https://artificialanalysis.ai/leaderboards/models)

Sonnet 5.5 Preis: Gleicher Tokenpreis, weniger Token pro Aufgabe

Eine Million Token kostet bei Sonnet 5.5 dasselbe wie bei Sonnet 5, also 2 Dollar für die Eingabe und 10 Dollar für die Ausgabe. Das ist die Hälfte von Opus 5.5 und derselbe Listenpreis, den OpenAI für GPT-6 Sol nach der Preissenkung verlangt.

Preis je 1 Mio. TokenClaude Sonnet 5.5Claude Opus 5.5
Eingabe2 $4 $
Ausgabe10 $20 $
Cache schreiben (5 Minuten)2,50 $5 $
Cache lesen0,20 $0,20 $
Batch (Eingabe / Ausgabe)1 $ / 5 $2 $ / 10 $
Quelle: API-Preisliste von Anthropic, Stand 28. September 2026, Preise in US-Dollar ohne Steuern

Das volle Kontextfenster von einer Million Token kostet keinen Aufschlag. Wer die Verarbeitung auf Rechenzentren in den USA beschränkt, zahlt das 1,1‑Fache. Prompt Caching funktioniert bei Sonnet 5.5 schon ab 512 Token, Sonnet 5 benötigte mindestens 1.024. Einen beschleunigten Fast Mode gibt es weiterhin nur für Opus-Modelle.

Die Ersparnis entsteht über den Verbrauch. Sonnet 5.5 benötigt laut Anthropic für dieselbe Arbeit deutlich weniger Token. Frühe Tester beobachteten, dass es Tool-Aufrufe häufiger bündelt als Sonnet 5 und mit weniger Schritten auskommt. In Anthropics Tests sanken die Kosten pro Aufgabe um bis zu 30 Prozent. Der Tokenizer ist derselbe wie bei Sonnet 5, gleicher Text ergibt also gleich viele Token.

Auf Low oder Medium übertrifft Sonnet 5.5 in mehreren Tests den Bestwert von Sonnet 5, und das für etwa ein Zehntel der Kosten pro Aufgabe. So fasste es der offizielle Claude-Account auf X am Release-Abend zusammen.

Diagramm zu Terminal-Bench 4.0 Kosten pro Aufgabe: Trefferquote vs. Kosten je Effort-Stufe für Sonnet 5.5, Opus 5.5, Sonnet 5 und GPT-5.6 Sol
Terminal-Bench 4.0 Kosten pro Aufgabe: Trefferquote je Effort-Stufe gegen die Kosten pro Versuch für Sonnet 5.5, Opus 5.5, Sonnet 5 und GPT-5.6 Sol, Stand 28.09.2026. (Quelle: https://www.anthropic.com/claude-sonnet-5-5)

Effort bei Sonnet 5.5: Medium in den Apps, High in der API

Über den Effort legen Nutzer fest, wie lange Claude nachdenkt und wie gründlich es die eigene Arbeit prüft. Das KI-Modell entscheidet per adaptivem Denken selbst, ob es bei einer Anfrage überhaupt nachdenkt. Sonnet 5.5 kennt fünf Stufen von Low über Medium, High und Xhigh bis Max. In Claude Code und den Claude-Apps ist Medium voreingestellt, über die API High. Niedrigere Stufen verbrauchen laut Anthropic weniger Token und schonen im Abo so das Nutzungslimit von Claude Code.

Wichtig: Anthropic hat die Stufen neu kalibriert. Dieselbe Stufe erzeugt bei Sonnet 5.5 eine andere Menge an Denkarbeit als bei Sonnet 5. Eine alte Einstellung lässt sich also nicht blind übernehmen. Die Entwicklerdoku rät grundsätzlich zum Start auf High. Für eindeutig beschriebene Coding-Aufgaben mit Tools empfiehlt sie Medium, für Chats und zeitkritische Anwendungen Medium oder Low. Entwickler können den Effort jetzt für jede Nachricht einzeln setzen (Beta).

Auf Stufe Max kostet eine Aufgabe mehr als bei Opus 5.5

Seine 70,6 Prozent auf Terminal-Bench holt Sonnet 5.5 mit Max, für rund 12,50 Dollar pro Versuch. Anthropics eigenes Kosten-Diagramm zeigt, dass Opus 5.5 bei gleichen Kosten pro Versuch zwischen gut 1 und etwa 8 Dollar die höheren Werte erzielt. Erst auf Max zieht Sonnet 5.5 vorbei.

Bei Artificial Analysis kostete Sonnet 5.5 auf Max 7,60 Dollar pro Index-Aufgabe. Sonnet 5 lag bei 5,09 Dollar, Opus 5.5 ebenfalls auf Max bei 5,98 Dollar. Für den gesamten Index erzeugte Sonnet 5.5 410 Millionen Ausgabe-Token, der Median vergleichbarer Reasoning-Modelle derselben Preisklasse liegt bei 88 Millionen.

Opus 5.5 erreicht den Indexwert von 56 Punkten mit Xhigh für 3,46 Dollar pro Aufgabe. Anthropic schreibt selbst, dass Sonnet 5.5 Opus 5.5 am besten auf den niedrigeren Stufen ergänzt und auf den höheren ähnlich viel kostet.

Verfügbar in Claude, GitHub Copilot und in drei Clouds

Entwickler rufen das Modell über die Claude-API als claude-sonnet-5-5 auf. Zum Start stand es außerdem bei Amazon Bedrock (anthropic.claude-sonnet-5-5), auf der Claude Platform on AWS, bei Google Cloud und in Microsoft Foundry bereit. Wie schon bei Opus 5.5 und Sonnet 5 ist eine Nutzung ohne Datenspeicherung (Zero Data Retention) möglich.

Die Tarifübersicht von Claude führt Sonnet 5.5 unter den aktuellen Modellen und Sonnet 5 unter „Legacy“. Auf der Produktseite zu Claude Sonnet schreibt Anthropic, dass jeder auf Claude.ai mit Sonnet 5.5 chatten kann, im Web und in den Apps für iOS und Android. Das Modell steht also auch im kostenlosen Tarif bereit. Ob es dort wie zuvor Sonnet 5 das voreingestellte Modell wird, sagt Anthropic nicht.

In GitHub Copilot ist Sonnet 5.5 laut dem Changelog zu Claude Sonnet 5.5 in GitHub Copilot seit dem 28. September allgemein verfügbar, schrittweise für die Tarife Pro, Pro+, Max, Business und Enterprise. Es läuft in VS Code, Visual Studio, JetBrains, Xcode, Eclipse, der Copilot CLI, im Coding Agent, in der GitHub-Copilot-App, auf github.com und in GitHub Mobile. GitHub rechnet nach Nutzung zu Anthropics Listenpreisen ab. In GitHubs eigenen Tests löste das Modell Coding-Aufgaben so gut wie Sonnet 5, mit deutlich weniger Schritten, Token und Tool-Aufrufen.

MerkmalClaude Sonnet 5.5
Kontextfenster1 Million Token
Maximale Ausgabe128.000 Token (Batch mit Beta-Header bis 300.000)
WissensstandJuni 2026
Eingabe / AusgabeText und Bilder / Text
DenkmodusAdaptives Denken, standardmäßig an
Abschaltung frühestens28. September 2027
Quelle: Modellübersicht zu Claude Sonnet 5.5 in der Anthropic-Doku, Stand 28. September 2026

Base44, Slack, Zendesk: Zahlen aus den ersten Kundentests

Unternehmen, die Sonnet 5.5 vorab testen konnten, berichten von weniger Token, weniger Arbeitsschritten und kürzeren Laufzeiten. Die Zitate stammen von Anthropics Modellseite, der Hersteller hat sie also ausgewählt.

0
weniger Token pro Antwort bei Balyasny (121.000 statt 497.000)
0
schneller bearbeitete Support-Tickets bei Zendesk (gegenüber den bisher genutzten Claude-Modellen)
0
weniger Ausgabe-Token bei Slack

Beim App-Baukasten Base44 erhielten die Apps von Sonnet 5.5 in 118 echten Projekten dieselbe Bewertung wie die von Opus 5. Sonnet 5.5 benötigte dafür im Schnitt 3,6 Durchgänge pro App, Opus 5 kam auf 7,7. Lovable zählte ein Drittel weniger Tool-Aufrufe und etwa halb so viele Shell-Befehle pro Aufgabe. Bei Box arbeitete das Modell genauer, 2,4-mal so schnell und mit 12 Prozent weniger Token. Atlassian kündigt an, dass die Rovo-Agenten mit Sonnet 5.5 bis zu 30 Prozent schneller laufen als mit Sonnet 5.

David Loker, Vice President für KI beim Code-Review-Dienst CodeRabbit, nennt zwei Schwächen von Sonnet 5, die im neuen Modell verschwunden seien. Sonnet 5 habe zu oft zur Websuche gegriffen und zu viele Token verbraucht.

Tester lobten auch das Gespür für Gestaltung. Sonnet 5.5 poliere Bedienoberflächen und halte sich an Folienvorlagen, sodass Präsentationen kaum Nacharbeit benötigten. In einem internen Test gab Anthropic dem Modell die Quartalsunterlagen und Telefonkonferenz-Protokolle eines börsennotierten Unternehmens samt Folienvorlage. Daraus sollte ein Geschäftsüberblick mit zehn Folien entstehen. Den ersten Entwurf hielten zwei Fachleute für sofort versandfertig.

Kevin Ngo, Creative Coder bei Creator, würde Sonnet 5.5 die Umsetzung mit gutem Gefühl überlassen, sobald Opus 5.5 die Architektur festgelegt hat.

Erstes Sonnet mit Cyber-Filter: Riskante Anfragen übernimmt Sonnet 5

Sonnet 5.5 startet als erstes Sonnet-Modell mit den Cyber-Schutzfiltern, die Anthropic für seine Spitzenmodelle entwickelt hat. Laut Anthropic sind seine Cyber-Fähigkeiten mit denen von Opus 5 vergleichbar. Bei riskanten Anfragen zur IT-Sicherheit antwortet sichtbar Sonnet 5 als Ausweichmodell. Wer Fehler im eigenen Code sucht und behebt, merkt davon nichts. Verteidiger sollen sich bald über das erweiterte Cyber Verification Program für stufenweise mehr Zugriff bewerben können.

In der API meldet das Modell eine Ablehnung mit einer von fünf Kategorien im Feld stop_details. Das automatische Ausweichen auf Sonnet 5 müssen Entwickler in der API erst einschalten (Beta). Es gilt nur für cyber und frontier_llm (Hilfe beim Bau konkurrierender KI‑Modelle). Bei bio, reasoning_extraction und general_harms bleibt es bei der Ablehnung.

Die Biologie-Filter entsprechen denen von Sonnet 5. Anthropic gesteht ein, dass sie manche Anfragen zu Mikrobiologie und Virologie irrtümlich markieren. Forschungseinrichtungen können sich dafür beim Life Sciences Verification Program bewerben.

Anthropic setzt erstmals bei einem Sonnet-Modell Klassifikatoren gegen Destillation ein, die das Auslesen der Denkschritte verhindern. Bei solchen Angriffen ziehen Täter mit Tausenden gefälschter Konten das Können eines Modells ab. Die Denkblöcke von Sonnet 5.5 funktionieren nur in dem Konto, das sie erzeugt hat. Wer in Claude Code mitten in einer Sitzung das Konto wechselt, verliert deshalb das bisherige Nachdenken des Modells.

Im automatisierten Verhaltens-Audit mit rund 1.850 Szenarien schneidet Sonnet 5.5 bei den meisten Messgrößen gleich gut oder besser ab als Sonnet 5. Von allen Anthropic-Modellen testet es laut Anthropic am seltensten die Grenzen seiner Sandbox aus. Die System Card zu Claude Sonnet 5.5 nennt auch Rückschritte. Das Denken des Modells sei schwerer nachvollziehbar als bei vielen Vorgängern, und schädliche Computer-Use-Aufgaben lehne es seltener ab als manche älteren Modelle. Laut System Card überschreitet Sonnet 5.5 die Schwellen CB-2 und Autonomy-2 aus Anthropics Sicherheitsrichtlinie nicht.

Für Entwickler: Fünf Änderungen brechen bestehenden Sonnet-5-Code

Wer von Sonnet 5 umsteigt, muss laut dem Entwicklerleitfaden zu den Neuerungen in Claude Sonnet 5.5 neben der Modell-ID fünf Stellen prüfen. Sonst antwortet die API mit dem Fehler 400.

Bisher bei Sonnet 5Bei Sonnet 5.5
Denken abschalten mit disabledFehler 400; stattdessen between_tools, nur bis High erlaubt
Tool-Aufruf erzwingen (tool_choice any oder tool)Fehler 400; stattdessen auto plus Strict Tool Use
Verlauf nachträglich ändernFehler 400, sobald ein Denkblock mitgeschickt wird (Konten ab 31.08.2026); Verlauf nur noch ergänzen
Computer-Use-Tool computer_20251124Auf Claude-API und Google Cloud abgelehnt; stattdessen computer_toolset_20260801, Bedrock akzeptiert das alte Tool weiter
Advisor-Tool mit Opus 4.8, Opus 4.7 oder Sonnet 5 als BeraterFehler 400; Berater muss ein 5er-Modell ab Opus 5 oder Sonnet 5.5 selbst sein

Eine sechste Änderung wirft keinen Fehler, fällt aber in Oberflächen auf. Zwischentexte zwischen zwei Tool-Aufrufen kommen jetzt als Denkblöcke zurück, die standardmäßig leer bleiben. Apps, die diese Zwischenstände live anzeigen, verstummen deshalb, bis sie die Anzeige über den Parameter display einschalten. Neu hinzugekommen sind Systemnachrichten mitten im Gespräch, das Verdichten des Verlaufs auf Abruf (Beta) und Tool-Definitionen direkt in einer Nachricht (Beta). Anthropics Migrationsleitfaden für Claude Sonnet 5.5 beschreibt den Ablauf Schritt für Schritt.

Häufige Fragen zu Claude Sonnet 5.5

Kann ich Claude Sonnet 5.5 kostenlos nutzen?

Ja. Laut Anthropics Produktseite kann jeder auf Claude.ai mit Sonnet 5.5 chatten, auch ohne Abo. Im Gratis-Tarif gilt ein Nutzungslimit, das sich alle fünf Stunden zurücksetzt. Das Denken lässt sich in der App bei Sonnet 5.5 laut Claude-Hilfe nicht abschalten, einstellbar ist nur der Aufwand.

Wie lange bleibt Claude Sonnet 5 noch verfügbar?

Anthropic führt Sonnet 5 seit dem 28. September 2026 als Legacy-Modell. Laut Anthropics Übersicht zu Modellabkündigungen endet der Betrieb frühestens am 30. Juni 2027. Ein Gespräch, das mit Sonnet 5 begonnen hat, lässt sich auf Sonnet 5.5 fortsetzen, ohne dass die bisherigen Denkschritte verloren gehen. Umgekehrt liest kein anderes Modell die Denkblöcke von Sonnet 5.5.

Ist Claude Sonnet 5.5 besser als Opus 5.5?

In den meisten Benchmarks liegt Sonnet 5.5 hinter Opus 5.5, teils knapp (CursorBench 55,5 gegen 57,8 Prozent), teils deutlich (SWE-Bench Pro 81,3 gegen 89,9 Prozent). Auf Terminal-Bench 4.0 und AutomationBench liegt es vorn. Für offene, komplexe Aufgaben empfiehlt Anthropic weiter Opus 5.5. Ein Modellwechsel mitten im Gespräch hat einen Haken. Sonnet 5.5 liest keine Denkblöcke von Opus 5 oder Opus 5.5, die API verwirft sie dann stillschweigend.

Was kostet Claude Sonnet 5.5 im Vergleich zu GPT-6 Sol?

Der Listenpreis ist gleich: 2 Dollar für eine Million Eingabe-Token und 10 Dollar für eine Million Ausgabe-Token. Bei Artificial Analysis liegt Sonnet 5.5 im Intelligence Index 8 Punkte vor GPT-6 Sol, kostet auf Max aber gut siebenmal so viel pro Aufgabe. Das kleinere GPT-6 Luna kommt dort auf 37 Punkte für 0,07 Dollar pro Aufgabe.

Wie schalte ich das Denken bei Sonnet 5.5 ab?

Über die API mit der Einstellung between_tools statt disabled. Sie funktioniert nur mit Low, Medium und High. Mit between_tools lässt sich der Effort im laufenden Gespräch nicht mehr ändern, und feste Denk-Budgets per budget_tokens lehnt Sonnet 5.5 generell mit einem Fehler ab.

Warum antwortet bei manchen Sicherheitsfragen Sonnet 5 statt Sonnet 5.5?

In Anthropics eigenen Apps und bei API-Kunden, die das Ausweichen eingeschaltet haben, beantwortet Sonnet 5 riskante Anfragen zur IT-Sicherheit, weil Sonnet 5.5 dort deutlich mehr kann. In der API landet eine Ablehnung mit HTTP-Status 200 und dem Stop-Grund refusal. Ob eine Ablehnung vor der ersten Ausgabe berechnet wird, hängt von ihrer Kategorie ab. Auf das Rate Limit zählt sie in jedem Fall.

Wann erscheint Claude Haiku 5.5?

Claude Haiku 5.5 ist am 7. Oktober 2026 erschienen. Bis 100.000 Token je Prompt kostet es 0,10 Dollar je Million Eingabe-Token und 0,50 Dollar je Million Ausgabe-Token, ein Zwanzigstel von Sonnet 5.5, darüber 0,50 und 2,50 Dollar. Auf Terminal-Bench 4.0 erreicht es 39,2 Prozent gegen 70,6 Prozent bei Sonnet 5.5. Der Vorgänger Haiku 4.5 kann laut Anthropics Abkündigungsübersicht frühestens am 15. Oktober 2026 abgeschaltet werden.

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