Der neue Claude Cowork Browser öffnet sich als Seitenfenster in der Desktop-App von Anthropic und erledigt Web-Aufgaben, während der Nutzer nebenher weiterarbeitet. Die KI navigiert darin selbstständig, liest Seiten, klickt und füllt Formulare aus. Anthropic hat den eingebauten Browser am 26. August 2026 angekündigt. Er ist vom privaten Browser des Nutzers getrennt und sieht weder dessen Tabs noch Lesezeichen oder Passwörter. Für den Web-Zugriff benötigte Claude Cowork bislang die Erweiterung „Claude in Chrome“, die den Browser des Nutzers selbst fernsteuert.
Die Freischaltung für die Bezahlpläne Pro, Max und Team läuft seit Ende August. Enterprise-Organisationen haben sofort Zugriff. Dort schalten Administratoren die Funktion zentral frei. Ein offizielles Video von Anthropic zeigt den Ablauf.
Rechnungen, Dashboards, Formulare: Diese Aufgaben übernimmt der Browser
Sobald eine Aufgabe eine Website erfordert, öffnet sich der Browser von allein im Seitenfenster, ohne Installation und ohne Einrichtung. Anthropic nennt als Beispiele das Zusammentragen von Recherchen für einen Bericht, das Ablesen von Zahlen aus einem Dashboard oder das Einsammeln der Monatsrechnungen aus einem Lieferantenportal. Gedacht ist der Browser für Dienste, für die es keinen Connector gibt und die eine KI bisher nicht direkt bedienen konnte.
Der Nutzer kann zusehen, muss es aber nicht. Laut dem Hilfeartikel zum eingebauten Browser öffnet Claude Seiten, liest sie, klickt, tippt und füllt Formulare aus, während die eigene Arbeit in einem anderen Fenster weiterläuft. Viele Web-Aufgaben brauchen nach der Formulierung des Unternehmens nicht Ihren Browser, sondern nur einen Browser.
Der Unterschied zu Claude in Chrome: Ihr Browser bleibt außen vor
Bisher lief der Web-Zugriff in Cowork nur über die Chrome-Erweiterung. Die arbeitet direkt im Browser des Nutzers, mit allen dort bestehenden Logins. Anthropic hatte „Claude in Chrome“ im August 2025 zunächst als Pilotprogramm für 1.000 Max-Abonnenten gestartet. Im August 2026 baute das Unternehmen das Seitenpanel von Claude Cowork in Chrome zur vollständigen Sitzung aus. Die KI kann so sofort auf eingeloggten Seiten wie dem Postfach oder dem CRM arbeiten. Sie agiert dafür aber mitten im persönlichen Browserprofil.
Der eingebaute Browser läuft dagegen getrennt in der Desktop-App. Claude sieht nach Angaben von Anthropic zu keinem Zeitpunkt die Tabs, Lesezeichen oder Passwörter des Nutzers. Der Hersteller wertet die Trennung von Nutzer- und KI-Aktivität selbst als Sicherheitsgewinn. Beide Wege bleiben parallel bestehen.
| Merkmal | Eingebauter Browser | Claude in Chrome |
|---|---|---|
| Wo läuft er? | Eigenes Fenster in der Cowork-Desktop-App | Im Chrome des Nutzers, als Erweiterung |
| Zugriff auf Ihre Tabs und Passwörter | Nein, getrennt vom Nutzer-Browser | Ja, arbeitet im Browserprofil des Nutzers |
| Logins | Nur einzeln importierte Anmeldungen | Alle bestehenden Logins sofort nutzbar |
| Typischer Einsatz | Hintergrund-Aufgaben wie Recherche und Datensammeln | Bereits geöffnete, eingeloggte Seiten (Postfach, CRM, Dokumente) |
| Installation | Keine, in der Desktop-App enthalten | Erweiterung aus dem Chrome Web Store |
| Verfügbarkeit | Rollout seit 26. August 2026 (Pro, Max, Team, Enterprise) | Pilot seit August 2025, seit 26. August 2026 für alle Bezahlpläne |
Wer die Erweiterung bereits nutzt, behält sie als Standard. Alle anderen bekommen automatisch den eingebauten Browser. Umstellen lässt sich die Wahl jederzeit in den Einstellungen unter „Cowork“ und „Preferred browser“. Fehlt der bevorzugte Browser, sagt Claude laut Hilfeartikel Bescheid und arbeitet mit dem anderen weiter.
Auch Claude Code hat schon einen eingebauten Browser
Für das Programmierwerkzeug Claude Code hat Anthropic bereits im Juli 2026 einen Browser in die Desktop-App eingebaut. Der arbeitet noch strenger als das neue Cowork-Pendant. Er läuft in einem eigenen, leeren Browserprofil ohne Login-Import. Jede neue Website benötigt eine eigene Freigabe. Käufe, Kontoerstellungen oder das Lösen von Captchas erledigt die KI dort nicht ohne ausdrückliche Eingabe des Nutzers.
Logins wandern nur einzeln mit, Banking bleibt draußen
Damit Claude auf passwortgeschützten Seiten arbeiten kann, lassen sich Anmeldungen Website für Website in den eingebauten Browser übertragen. Beim ersten Start bietet die App dafür einen Import von Anmelde-Cookies an. Auf dem Mac klappt das aus Chrome, Edge und Firefox, unter Windows und Linux nur aus Firefox; Safari wird nicht unterstützt. Banking-Seiten, E-Mail-Konten und Single-Sign-on-Dienste bleiben beim Import grundsätzlich außen vor, solange der Nutzer sie nicht ausdrücklich freigibt.
Das Fachportal The New Stack führt die ungleiche Browser-Liste auf den Cookie-Schutz zurück. Chrome und Edge schirmen ihre Cookies unter Windows mittlerweile gegen auslesende Schadsoftware ab. Firefox legt sie weiterhin in einer zugänglichen Datenbank ab. Der Hilfeartikel von Anthropic weist außerdem darauf hin, dass jeder einmal im eingebauten Browser angemeldete Dienst Claude auf diesem Rechner auch in künftigen Cowork-Sitzungen zur Verfügung steht.
Angriffsquote 0,3 Prozent: Prompt Injection bleibt das Restrisiko
Wie jeder KI-Agent, der in einem Browser handelt, kann auch der eingebaute Browser auf versteckte Befehle in Webseiten hereinfallen (Prompt Injections). Anthropic setzt deshalb dieselben Schutzmechanismen ein wie bei der Chrome-Erweiterung. Prüfmodelle durchsuchen geladene Webinhalte nach versteckten Anweisungen. Ein Kontroll-Klassifikator gleicht jede geplante Aktion mit dem ursprünglichen Auftrag des Nutzers ab. Weicht eine Aktion davon ab, wird sie blockiert. Vor der ersten Aktion auf einer Website fragt Claude außerdem um Erlaubnis. Als riskant eingestufte Seiten sperrt das System.
Anthropic hat die Wirkung dieser Schutzschichten zur Freigabe von Claude in Chrome mit einer aktuellen Testreihe belegt. Dort greifen professionelle Red-Teamer an, also beauftragte Angreifer. Ohne diese Absicherung lag die Erfolgsquote der Angriffe, die das KI-Modell erreichten, beim älteren Opus 4.5 noch bei 17,6 Prozent, beim aktuellen Opus 5 bei 3,8 Prozent. Mit vollem Schutz sank sie bei Fable 5 auf 0,3 Prozent, bei Mythos 5, Opus 5 und Sonnet 5 in diesen Tests auf null.
Aktuelle Testreihe: Erfolgsquote von Prompt-Injection-Angriffen
Angriffe professioneller Red-Teamer, gezählt werden nur Versuche, die das KI-Modell erreichten
Zahlen als Tabelle
| Modell und Schutzstufe | Erfolgsquote der Angriffe |
|---|---|
| Opus 4.5, ohne Schutz | 17,6 % |
| Opus 5, ohne Schutz | 3,8 % |
| Fable 5, volle Schutzmechanismen | 0,3 % |
| Mythos 5, volle Schutzmechanismen | 0 % |
| Opus 5, volle Schutzmechanismen | 0 % |
| Sonnet 5, volle Schutzmechanismen | 0 % |
Eine ältere Auswertung speziell für die Testumgebung von Cowork hat Anthropic eingestellt, weil sie ausgereizt war. Deren Angriffe waren schwächer. Allein Opus 4.5 kam dort auf einen Wert über null, nämlich 0,08 Prozent bei 2.382 Versuchen. Sonnet 5, Opus 5 und Fable 5 wehrten jeden Angriff ab, auch ohne Prüfmodelle und Klassifikator.
Anthropic selbst betont, dass diese Maßnahmen das Risiko deutlich senken, aber nicht beseitigen können. Das Unternehmen empfiehlt, den Browser zunächst nur auf vertrauenswürdigen Seiten arbeiten zu lassen, und beschreibt die Details in seiner technischen Übersicht zur Prompt-Injection-Abwehr sowie in einem Sicherheitsleitfaden für die Browser-Nutzung.
Rollout diese Woche, unter Linux als Beta
Der eingebaute Browser erreicht seit dem 26. August 2026 schrittweise alle Nutzer der Pläne Pro, Max und Team in der Claude-Desktop-App für macOS, Windows und Linux. Unter Linux gilt die Funktion noch als Beta. Sobald sie ankommt, ist sie standardmäßig aktiv. In Enterprise-Organisationen entscheiden die Administratoren über die Freischaltung. Die Einstellung liegt in den Organisationseinstellungen unter „Cowork“.
Wer Claude im Web oder mobil nutzt, kann den eingebauten Browser nur ansteuern, solange die Desktop-App auf einem Rechner geöffnet und online ist. Die Cowork-Sitzung selbst läuft zwar in der Cloud. Der Browser lebt aber in der Desktop-App. Ohne sie bleibt die Chrome-Erweiterung der einzige Weg ins Web.
Update (18.09.2026): Cowork gibt es seit dem 16. September 2026 nicht mehr als eigenen Bereich. Anthropic hat Cowork und Chat zu einer gemeinsamen Claude-Oberfläche zusammengelegt. Claude erreicht den eingebauten Browser auch dort nur, solange Claude Desktop geöffnet ist.
OpenAI hat den eigenen Browser im August 2026 aufgegeben
OpenAI hat seinen KI-Browser ChatGPT Atlas zum 9. August 2026 abgeschaltet, nach 292 Tagen am Markt. Das Unternehmen hatte Atlas im Oktober 2025 als eigenständigen Browser für macOS gestartet und die Einstellung im Juli 2026 angekündigt. Die Funktionen wandern in die ChatGPT-Desktop-App und eine Chrome-Erweiterung. Anthropic dagegen bringt keinen Browser als Produkt heraus, sondern setzt dreigleisig auf die Chrome-Erweiterung, den Browser in Claude Code und jetzt den eingebauten Browser in Cowork.
| Anbieter | Ansatz | Stand August 2026 |
|---|---|---|
| Anthropic | Chrome-Erweiterung plus eingebaute Browser in Cowork und Claude Code | Cowork-Browser im Rollout, Erweiterung für alle Bezahlpläne |
| OpenAI | Eigener Browser ChatGPT Atlas, dann Rückzug | Atlas am 9. August 2026 abgeschaltet, Funktionen in Desktop-App und Chrome-Erweiterung |
| Perplexity | Eigener Browser Comet | Seit Oktober 2025 kostenlos für alle |
| Gemini direkt im Chrome-Browser | Agentisches „Auto Browse“ für Pro- und Ultra-Abonnenten, Desktop und US-Android | |
| Microsoft | Copilot-Modus im Edge-Browser | Seit Juli 2025, agentische „Actions“ als Vorschau in den USA |
The Next Web weist darauf hin, dass eingebettete In-App-Browser in der EU keine Browser-Auswahlbildschirme nach dem Digital Markets Act auslösen. Heise online sieht in der Neuerung neben den Funktionen primär einen Gewinn an Transparenz, weil bislang unsichtbare Web-Zugriffe der KI für den Nutzer sichtbar werden.