ChatGPT Werbung in Deutschland:
1 Milliarde Dollar in unter 200 Tagen

Wir denken. KI tippt mit.

Lesezeit: 14 Minuten
Veröffentlicht: 17.09.2026
Schulte_Markus_300x300px

Markus Schulte

AI Solution Development, Autor

Inhaltsverzeichnis
Teilen
AI Newsletter
AI Freak Newsletter (nur E-Mail)

OpenAI meldet am 31. August 2026 für sein Anzeigengeschäft eine Jahres-Run-Rate von 1 Milliarde Dollar, und ChatGPT Werbung in Deutschland ist seit diesem Tag für jede Firma direkt buchbar. Das Werbegeschäft ChatGPT Ads erreichte diese Marke nach Unternehmensangaben weniger als 200 Tage nach dem Start, Zehntausende Werbetreibende nutzen die Plattform bereits. Beide Zahlen stammen aus der offiziellen Ankündigung von OpenAI.

Mit derselben Meldung öffnet der Ads Manager (das Selbstbuchungs-Werkzeug für Anzeigen in ChatGPT) für Werbetreibende in Europa, Indien, dem Nahen Osten und Nordafrika. Bisher liefen Buchungen aus Deutschland nur über das OpenAI-Verkaufsteam sowie Agentur- und Technologiepartner. ChatGPT zeigt hierzulande seit dem 24. August Anzeigen. Sie erscheinen nur in den Tarifen Free und Go. Laut Reuters-Bericht zur Werbe-Milliarde setzt OpenAI auf das Anzeigengeschäft, um das Umsatzwachstum vor dem geplanten Börsengang zu beschleunigen. Am 16. September legte das Unternehmen nach und testet seitdem Sponsored Agents, bei denen Nutzer nach dem Klick auf eine Anzeige in ChatGPT mit einem KI-Agenten der werbenden Firma chatten.

Beitragskopf der OpenAI-Ankündigung zu ChatGPT Ads vom 31. August 2026 mit dem Titel „A milestone in expanding access to AI“ und einem Smartphone-Beispiel mit Anzeige unter der Antwort
Der Beitragskopf nennt die annualisierte Run-Rate von 1 Milliarde Dollar, das Smartphone darunter zeigt eine Beispiel-Anzeige unter einer ChatGPT-Antwort. (Quelle: https://openai.com/index/expanding-access-to-ai-with-chatgpt-ads/)

1 Milliarde Dollar Run-Rate: So ist die Zahl zu lesen

Die Milliarde ist eine Hochrechnung, kein verbuchter Jahresumsatz. Eine Run-Rate rechnet den aktuellen Monatsumsatz auf zwölf Monate hoch. Das Fachportal Digiday zerlegt die Zahl in rund 83 Millionen Dollar Werbeumsatz pro Monat und schätzt die tatsächlichen Einnahmen seit dem Februar-Start auf gut 330 Millionen Dollar.

Der Emarketer-Analyst Nate Elliott nannte die Meldung gegenüber Reuters beeindruckend und enttäuschend in einem. Enttäuschend findet er den Abstand zum Jahresziel. OpenAI peilt für 2026 insgesamt 2,5 Milliarden Dollar Werbeumsatz an. Bis 2030 will das Unternehmen laut Digiday 100 Milliarden Dollar pro Jahr mit Werbung einnehmen.

0
Tage oder weniger vom US-Start bis zur Milliarden-Run-Rate (laut OpenAI)
0
Länder, in denen Firmen ChatGPT-Anzeigen selbst buchen können (Stand 16. September)
0
Millionen Dollar Werbeumsatz pro Monat (Digiday-Rechnung)
0
der Gratis-Antworten in den USA enthielten Mitte August eine Anzeige (Similarweb)

Die gesamte Umsatz-Run-Rate von OpenAI überschritt Mitte August die Marke von 40 Milliarden Dollar (Bloomberg-Bericht, frei nachlesbar im Abdruck bei PYMNTS), die Anzeigen steuern also rund 2,5 Prozent bei. Den Antrag für einen Börsengang hat OpenAI bereits vertraulich eingereicht, ein Listing 2026 schloss Sam Altman am 12. September aber aus (OpenAI Börsengang verschoben, kein neues Zieljahr).

Kein anderes großes Werbegeschäft erreichte die erste Milliarde in vergleichbarem Tempo. Google benötigte nach dem AdWords-Start im Jahr 2000 rund drei Jahre bis zur ersten Werbe-Milliarde, Facebook nach der Öffnung seines Anzeigensystems 2007 ähnlich lange. Instagram schaffte es in rund einem Jahr, TikTok nach Branchenschätzungen binnen ein bis zwei Jahren. Der Vergleich hinkt an einer Stelle, weil die älteren Werte verbuchte Jahresumsätze sind und die ChatGPT-Zahl eine Hochrechnung ist.

Zeit bis zur ersten Werbe-Milliarde im Plattform-Vergleich

Jahre vom Start des jeweiligen Anzeigengeschäfts bis zu 1 Milliarde Dollar Werbeumsatz pro Jahr, Werte gerundet; ChatGPT Ads nach Run-Rate-Zählung

Quelle: Digiday-Analyse zu OpenAI, Google-Jahresbericht 2004, eMarketer-Schätzungen zu Facebook und Instagram, Stand August 2026. Der ChatGPT-Wert ist eine annualisierte Run-Rate, die übrigen Werte sind verbuchte Jahresumsätze.
Zahlen als Tabelle
PlattformStart des AnzeigengeschäftsZeit bis 1 Mrd. $ pro Jahr
ChatGPT AdsFebruar 20260,55 Jahre (Run-Rate)
InstagramSeptember 2015 (offen für alle)rund 1 Jahr
GoogleOktober 2000 (AdWords)rund 3 Jahre
FacebookNovember 2007 (Facebook Ads)rund 3 Jahre

Sam Altman nannte Werbung 2024 noch den letzten Ausweg

Zwischen der Ablehnung des Firmenchefs und dem Milliarden-Geschäft liegen keine zwei Jahre. Im Mai 2024 sprach Sam Altman an der Harvard University über mögliche Geschäftsmodelle. Die Original-Zitate aus Harvard hat unter anderem PC Gamer dokumentiert.

Werbung plus KI hat für mich etwas einzigartig Beunruhigendes. Ich betrachte Werbung als eine Art letzten Ausweg für unser Geschäftsmodell.
Sam Altman, OpenAI-Chef, Mai 2024 an der Harvard University (übersetzt)

Die Kehrtwende kam am 16. Januar 2026. OpenAI kündigte Anzeigen-Tests an und veröffentlichte fünf Werbe-Prinzipien. Anzeigen sollen die Antworten nicht beeinflussen, Konversationen bleiben vor Werbetreibenden privat, Personalisierung lässt sich abschalten, und optimiert wird laut OpenAI auf langfristiges Vertrauen statt auf Verweildauer. Altman begründete den Schritt auf X damit, dass viele Menschen viel KI nutzen wollen, ohne dafür zu zahlen.

Asad Awan (einer der Werbe-Verantwortlichen bei OpenAI) hat am Tag des US-Starts im offiziellen OpenAI-Podcast geschildert, wie das Unternehmen die Prinzipien intern umsetzt. Entscheidungen folgen demnach einer festen Rangfolge. Nutzervertrauen steht über dem Nutzen für die Nutzer, der wiederum über dem Nutzen für Werbetreibende, und ganz unten steht der Umsatz. Das Sprachmodell selbst weiß laut Awan nicht, welche Anzeige unter seiner Antwort erscheint. Fragt man ChatGPT danach, antwortet es, dass es das nicht wisse, außer der Nutzer teilt die Anzeige per Knopfdruck im Chat.

Aufgebaut hat das Geschäft Fidji Simo (die frühere Chefin der Facebook-App). OpenAI holte sie im Mai 2025 als Applications-Chefin, im Juli 2026 wechselte sie in eine Beraterrolle. Den Anzeigenverkauf leitet seit März 2026 Dave Dugan, der zuvor mehr als ein Jahrzehnt das Werbegeschäft mit Großkunden bei Meta mitverantwortete.

ZeitpunktEreignis
Mai 2024Altman nennt Werbung in Harvard einen letzten Ausweg
16.01.2026OpenAI kündigt Anzeigen-Tests an und veröffentlicht fünf Werbe-Prinzipien
09.02.2026Pilot startet in den USA für erwachsene Free- und Go-Nutzer
März 2026US-Pilot überschreitet 100 Mio. $ Run-Rate, sechs Wochen nach dem Start (im April gemeldet)
05.05.2026Ads Manager (Selbstbuchung) startet in den USA, das Pilot-Mindestbudget (anfangs 200.000 $) entfällt
06.06.2026Ausspielung in Großbritannien
22.06.2026Japan und Südkorea
04.08.2026Brasilien, eine Woche später Mexiko
24.08.2026Anzeigen starten in 31 europäischen Märkten, darunter Deutschland
29.08.2026Indien-Start mit rund 50 Marken sowie Agenturen wie WPP und Omnicom
31.08.20261 Mrd. $ Run-Rate; Selbstbuchung öffnet für Europa, Indien, Nahost und Nordafrika
31.08.2026EU-Kommission stuft ChatGPT als sehr große Online-Suchmaschine unter dem DSA ein
04.09.2026Selbstbuchung in Indien freigeschaltet (angekündigt am 31.08.)
10.09.2026Amazon Ads startet US-Pilot für den Einkauf von ChatGPT-Anzeigen; Berichte über gesperrte Werbung konkurrierender Bild- und Audio-KI
16.09.2026Test von Sponsored Agents, KI-Werkzeuge im Ads Manager, HubSpot und Shopify als erste Partner

Anzeigen sehen nur Free- und Go-Nutzer

Wer für ChatGPT zahlt, bleibt werbefrei, mit Ausnahme des günstigen Go-Tarifs. Die Anzeigen erscheinen als gekennzeichnete Sponsored-Einheit unterhalb der Antwort, nie im Antworttext selbst. Im Einsatz sind klassische Text-Bild-Anzeigen und Produktanzeigen mit Preisen aus einem Produkt-Feed (beide dokumentiert im Praxis-Leitfaden von Search Engine Land) sowie seit Anfang August Karussell-Anzeigen mit mehreren Kacheln.

NutzergruppeWerbung
Free (Gratis-Tarif)ja, bei eingeloggten Erwachsenen
Go (8 $ im Monat)ja
Plus, Pronein
Business, Enterprise, Edunein
Minderjährigenein, erkannte Minderjährige sind ausgenommen
Sensible Themen (Gesundheit, Politik u. a.)keine Anzeigen im Gespräch

Bei Gesprächen über Gesundheit, psychische Belastungen oder Politik spielt ChatGPT keine Werbung aus. Werbekategorien wie Dating, Glücksspiel oder Kryptowährungen lässt OpenAI nicht zu, Gesundheits- und Finanzwerbung läuft seit August nur nach Einzelprüfung des Werbetreibenden. Für Minderjährige hat OpenAI eine eigene Version mit strengeren Regeln gebaut (ChatGPT für Jugendliche).

In den USA enthielten Mitte August 26 Prozent der Antworten an Gratis-Nutzer eine gesponserte Platzierung, bei einer Klickrate von 0,50 Prozent (Similarweb-Messung, dokumentiert beim Fachportal PPC Land). Nach einer Adthena-Auswertung kamen 39 Prozent der Anzeigen aus dem Handel.

ChatGPT Werbung in Deutschland läuft seit dem 24. August, mit Opt-in

Deutsche Nutzer sahen ihre ersten Anzeigen mehr als sechs Monate später als amerikanische. Und unter strengeren Regeln. Im Europäischen Wirtschaftsraum, der Schweiz und Großbritannien startet die Werbung ohne Personalisierung. Standard sind kontextbezogene Anzeigen auf Basis des aktuellen Gesprächs, des ungefähren Standorts, der Tageszeit und des Gerätetyps, wie heise online die Regeln für Europa aufschlüsselt.

Personalisierte Werbung auf Basis früherer Chats und gespeicherter Erinnerungen gibt es im Europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz vorerst gar nicht. Das hält OpenAI auf seiner Hilfeseite zu Werbung in ChatGPT fest. Kommen soll sie in Europa nur mit ausdrücklicher Zustimmung. In den USA läuft die Personalisierung dagegen, bis der Nutzer sie abschaltet. Verantwortlich für die Daten europäischer Nutzer ist die irische OpenAI-Tochter in Dublin. Die Aufsicht liegt bei der irischen Datenschutzbehörde DPC. Werbekunden erhalten nach OpenAI-Angaben nur zusammengefasste Kennzahlen und keinen Zugriff auf private Unterhaltungen.

Rot markierter Absatz der OpenAI-Hilfeseite, wonach personalisierte Anzeigen im Europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz zunächst nicht verfügbar sind
OpenAI hält auf seiner Hilfeseite fest, dass personalisierte Anzeigen im Europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz zunächst nicht verfügbar sind. (Quelle: https://help.openai.com/en/articles/20001047-ads-in-chatgpt)

Praxistipp: So schalten Sie personalisierte Werbung ab

In den ChatGPT-Einstellungen unter Werbeeinstellungen (Ad Controls) lässt sich die Personalisierung abschalten. In Europa wird das erst relevant, wenn sie dort startet. Der Bereich erscheint nur in Konten, die Werbung sehen. Zahlende Nutzer finden ihn nicht. Jede Anzeige hat außerdem einen Hinweis, warum sie erscheint, und lässt sich einzeln ausblenden. Wichtig: Das Abschalten der Personalisierung ändert nur, welche Werbung erscheint, nicht ob. Ganz ohne Werbung geht es über die Bezahl-Tarife ab Plus (Übersicht in unserem Artikel zu ChatGPT Business Premium) oder über die Gratis-Variante Ads-Free mit niedrigeren Limits.

ChatGPT Ads Controls mit den Bereichen History und Interests, dem Knopf Delete ads data und eingeschalteten Schaltern für personalisierte Anzeigen
Die Werbeeinstellungen in ChatGPT gibt es nur in den Tarifen Free und Go, ganz unten steht der Wechsel auf die werbefreie Variante. (Quelle: https://help.openai.com/en/articles/20001047-ads-in-chatgpt)

Am selben Tag stuft die EU ChatGPT als sehr große Suchmaschine ein

Am Tag der Werbe-Milliarde hat die EU-Kommission ChatGPT unter dem Digital Services Act (DSA) benannt. ChatGPT ist die erste eigenständige KI-Anwendung mit dieser Einstufung. Die Einstufung durch die EU-Kommission stützt sich auf rund 159,1 Millionen monatliche Nutzer der ChatGPT-Suche in der EU (Angabe von OpenAI), weit über der Schwelle von 45 Millionen. ChatGPT gilt damit als sehr große Online-Suchmaschine (VLOSE) und steht künftig in einer Reihe mit Google Search und Bing.

Vier Monate nach der Zustellung, also ab Januar 2027, greifen die strengsten DSA-Pflichten. Dazu zählen jährliche Analysen der Systemrisiken, unabhängige Prüfungen, Datenzugang für Forscher und ein öffentliches Werbearchiv nach Artikel 39 DSA, das für jede Anzeige den Auftraggeber, die Laufzeit und die wichtigsten Targeting-Parameter offenlegt. Laut der DSA-Analyse von Trending Topics fällt das Werbegeschäft damit von Beginn an unter diese Transparenzpflichten. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 6 Prozent des weltweiten Umsatzes.

Der DSA regelt die Pflichten der Plattform, nicht die Technik dahinter. Für die KI-Modelle selbst gilt weiterhin die KI-Verordnung (EU AI Act).

Pressemitteilung der EU-Kommission vom 31. August 2026 zur Einstufung von ChatGPT als sehr große Online-Suchmaschine unter dem Digital Services Act
Die EU-Kommission benennt ChatGPT als sehr große Online-Suchmaschine, Reddit und Roblox als sehr große Online-Plattformen. (Quelle: https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/news/commission-designates-chatgpt-reddit-roblox-under-digital-services-act)

So funktioniert die Selbstbuchung über den Ads Manager

Firmen aus Deutschland registrieren sich unter ads.openai.com und legen Kampagnen ohne Agentur an. Die Selbstbuchung läuft als Beta für zugelassene Werbetreibende. Ein Mindestbudget wie im US-Pilot (anfangs 200.000, zuletzt 50.000 Dollar) verlangt OpenAI nicht mehr. Abgerechnet wird pro Klick oder pro tausend Einblendungen. Als maximales Startgebot empfiehlt OpenAI 3 bis 5 Dollar pro Klick, Vergleichswerte zur Leistung veröffentlicht der Anbieter noch nicht. In der Praxis zahlten Werbetreibende laut einer Auswertung von Search Engine Journal nach sechs Monaten ChatGPT Ads zwischen 3 und 22 Dollar pro Klick. Für die Erfolgsmessung stehen ein Pixel, eine Conversions-API und UTM-Parameter bereit. Nach OpenAI-Angaben laufen die meisten Kampagnen bereits klick- oder ergebnisoptimiert.

In den Context Hints tragen Werbetreibende Themen, Keywords oder Beschreibungen passender Gespräche ein. Anders als bei Google Ads wirken diese Angaben nicht wie Exact-Match-Keywords und garantieren keine Einblendung. Das System gleicht sie nur mit dem Gesprächskontext ab. Außerdem gibt es Geo-Targeting bis auf Regionen-Ebene, eigene Zielgruppen ab 25.000 abgeglichenen Kontakten und Produkt-Feeds für den Handel. Über Technologiepartner wie Criteo und StackAdapt sind ChatGPT-Anzeigen ebenfalls buchbar. Auf Agenturseite sind Publicis, WPP, Omnicom und dentsu angebunden.

Einen Suchbegriff-Bericht wie bei Google Ads gibt es nicht. Werbetreibende sehen weder die Gespräche noch den Chatverlauf, in dem ihre Anzeige erschien. Nachsteuern mit ausschließenden Keywords wie bei Google klappt so nicht. Die Marketing-Leiterin Brooke Osmundson rät in ihrem Leitfaden bei Search Engine Journal zum Budget für ChatGPT Ads davon ab, bewährte Google-Kampagnen vorschnell zu kürzen. Erfolgskriterien sollten vor dem Start feststehen, sonst wirke im Nachhinein fast jedes Ergebnis vielversprechend.

Sichtbarkeit in den Antworten selbst lässt sich nicht kaufen. Anzeigen und Antworten laufen getrennt, und auch Produktempfehlungen wählt ChatGPT laut Osmundson unabhängig von den Anzeigen aus. Eine Firma, die in ChatGPT-Antworten kaum vorkommt, ändert das also nicht mit Werbebudget, sondern über Inhalte, Suchmaschinenoptimierung und Erwähnungen in anderen Quellen (Generative Engine Optimization).

Eine Fallauswertung des Analyse-Anbieters Adthena (zusammengetragen von Trending Topics zu skeptischen Werbekunden) bezifferte die Klickrate der ChatGPT-Anzeigen einer Marke auf 0,91 Prozent. Das ist rund ein Siebtel des Google-Search-Vergleichswerts von 6,4 Prozent. Eine SE-Ranking-Studie über mehr als 50.000 Prompts fand 14,35 Prozent der Anzeigen thematisch unpassend. In 96,37 Prozent der Fälle tauchte die beworbene Marke in der Antwort selbst nicht auf.

OpenAI stellt dem eigene Erfolgsbeispiele entgegen. Ein E-Commerce-Kunde erzielte laut der Ankündigung über 28 Tage das Dreifache seiner Werbeausgaben als Umsatz. Ein Technologiepartner berichtet, dass über 80 Prozent des anzeigengetriebenen ChatGPT-Traffics von Neukunden stammt. Für die nächste Phase kündigt das Unternehmen weitere Märkte, neue Anzeigenformate und Mess-Werkzeuge an.

Deutschsprachige Startseite des ChatGPT Ads Managers mit der Überschrift „In ChatGPT werben“ und dem Knopf „Jetzt starten“
Die Buchungsseite für ChatGPT-Anzeigen erscheint auf Deutsch, seit dem 31. August 2026 können auch deutsche Firmen selbst buchen. (Quelle: https://ads.openai.com/)

Seit dem 31. August: Sponsored Agents, Amazon und gesperrte Konkurrenz

Mit Sponsored Agents testet OpenAI seit dem 16. September ein Anzeigenformat, das nach dem Klick zuerst ein Gespräch statt einer Website öffnet. Laut der Ankündigung von OpenAI zu KI-gestützter Werbung startet dann ein gekennzeichneter Chat mit einem KI-Agenten der werbenden Firma, der Link zur Website folgt erst, wenn der Nutzer so weit ist. OpenAI nennt als Beispiel einen Esstisch, zu dem Kunden fragen, ob er in ihren Raum passt und wie viele Personen daran sitzen. Das Gespräch läuft getrennt von den Antworten und vom ursprünglichen Chat. Der Test beschränkt sich vorerst auf ausgewählte Werbetreibende in den USA.

Beitragskopf der OpenAI-Ankündigung zu Sponsored Agents vom 16. September 2026, darunter ein Smartphone mit ChatGPT-Antwort und der Anzeige eines Lebensmittelhändlers mit dem Knopf „Chat with us“
Unter der ChatGPT-Antwort sitzt die Anzeige eines Lebensmittelhändlers, der Knopf „Chat with us“ startet den Sponsored Agent. (Quelle: https://openai.com/index/reimagining-advertising-with-ai/)

Über ein neues Ads-Manager-Plugin lassen sich Kampagnen per Texteingabe direkt in ChatGPT anlegen, ändern und auswerten. Aus einer Website oder einem Briefing entsteht so ein Kampagnenentwurf. Im Ads Manager schlägt die KI Anzeigentexte und Bilder vor. Wer zustimmt, lässt Überschriften und Beschreibungen an das jeweilige Gespräch anpassen und automatisch in die Sprache des Nutzers übersetzen. Erste Partner sind das CRM-System HubSpot und Shopify. Die Shopify-App gibt es zunächst für US-Händler, ab dem 23. September soll sie in allen Märkten mit ChatGPT-Anzeigen verfügbar sein.

Kampagnen per Prompt hatte Asad Awan schon im Februar im OpenAI-Podcast angekündigt. Kleine Firmen müssten heute teure Performance-Marketer beschäftigen. Künftig solle eine Kampagne so einfach entstehen wie ein Prompt, z. B. mit dem Ziel, bestimmte Schuhe im Mittleren Westen der USA besser zu verkaufen.

Seit dem 10. September kaufen Werbetreibende ChatGPT-Anzeigen auch über Amazon Ads ein, vorerst als US-Pilot mit Delta Vacations als erstem genannten Kunden. Nate Elliott von Emarketer dämpft laut Digiday-Bericht zum Amazon-Pilot die Erwartungen an das vierte Quartal mit dem Weihnachtsgeschäft. OpenAI baue noch an den Grundlagen eines funktionierenden Anzeigenverkaufs, von Team und Technik bis zu Formaten und Preisen.

Laut einem Bericht von The Information, zusammengefasst bei Search Engine Land zur Werbesperre für konkurrierende KI-Tools, genehmigt OpenAI keine Kampagnen mehr für eigenständige Bild- und Audio-Generatoren. Betroffen ist unter anderem Adobe, das im ersten Pilot noch für seinen Bildgenerator Firefly geworben hatte. Werbung für Video-KI bleibt erlaubt. OpenAI hat die Regel nicht öffentlich angekündigt. Laut Bericht ging sie direkt an die Werbepartner.

Häufige Fragen zur Werbung in ChatGPT

Was kostet Werbung in ChatGPT?

Es gibt kein festes Mindestbudget mehr, das Tagesbudget legt der Werbetreibende selbst fest. Abgerechnet wird pro Klick oder pro tausend Einblendungen, die Klickpreise schwanken je nach Branche und Markt stark (in einer Auswertung von Search Engine Journal zwischen 3 und 22 Dollar). Zum US-Start des Piloten lag der Tausenderpreis noch bei rund 60 Dollar.

Sehen Werbekunden meine ChatGPT-Unterhaltungen?

Nein. Werbekunden erhalten nur zusammengefasste Kennzahlen wie Einblendungen und Klicks. OpenAI hat den Schutz der Konversationen als eines von fünf Werbe-Prinzipien festgeschrieben und erklärt darin auch, Nutzerdaten nicht an Werbetreibende zu verkaufen.

Kann ich Werbung in ChatGPT komplett abschalten?

Ja. Free-Nutzer können in den Werbeeinstellungen auf die Gratis-Variante Ads-Free wechseln, die Werbung entfernt, aber niedrigere Limits und weniger Werkzeuge mitbringt (z. B. keine Bilderzeugung). Go-Nutzer müssten dafür zurück auf Free. Ohne diese Einschränkungen werbefrei sind die Bezahl-Tarife Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu.

Warum kam die Werbung in Deutschland später als in den USA?

OpenAI startete den Piloten im Februar 2026 nur in den USA und erweiterte danach Land für Land. Europa folgte erst am 24. August 2026 als Block aus 31 Märkten, zu dem neben der EU auch Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz gehören.

Beeinflusst Werbung die Antworten von ChatGPT?

Laut OpenAI nicht, die Antwort-Erzeugung und das Anzeigensystem arbeiten getrennt. Die SE-Ranking-Studie stützt diese Trennung indirekt, denn beworbene Marken wurden in über 96 Prozent der untersuchten Antworten nicht einmal erwähnt.

Welche Anzeigenformate gibt es in ChatGPT?

Drei Formate laufen regulär: Text-Bild-Anzeigen, Produktanzeigen mit Preis und Bewertungen aus einem Produkt-Feed sowie Karussell-Anzeigen mit mehreren Kacheln. Alle erscheinen als gekennzeichnete Sponsored-Einheit unterhalb der Antwort. Seit dem 16. September testet OpenAI in den USA zusätzlich Sponsored Agents, bei denen nach dem Klick ein Chat mit einem KI-Agenten der Firma startet.

ChatGPT für Handwerker &
Unternehmen

Holen Sie sich jetzt kostenlos die besten ChatGPT Prompts für lokale Dienstleister wie z.B. Handwerker. Sie werden damit bei Preisverhandlungen siegen können und Gegenargumente entkräften. Viele Prompts und ein breites Spektrum an Themen, um Ihren Arbeitsalltag zu erleichtern. Laden Sie sich jetzt diese einmalige Prompt-Bibliothek speziell für regional tätige Unternehmen & Handwerksbetriebe herunter.

Webinar Release

Webinar Release

Sie haben eine Frage?

Sie haben eine Frage