Der Anthropic Umsatz im zweiten Quartal 2026 liegt bei mehr als 11,5 Milliarden Dollar. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf vorläufige Zahlen, die Investoren vorliegen. Im Vorjahresquartal hatte der Entwickler der Claude-Modelle 787 Millionen Dollar eingenommen, der Umsatz wuchs also auf mehr als das 14-Fache.
Die Zahlen stammen aus Unterlagen für den geplanten Börsengang, den Anthropic nach übereinstimmenden Berichten im Oktober anstrebt. Im selben Quartal weist das Unternehmen laut dem Bloomberg-Bericht zum Anthropic-Quartalsumsatz erstmals ein positives bereinigtes operatives Ergebnis aus, als erstes der großen KI-Labore.
Von 787 Millionen auf über 11,5 Milliarden Dollar in einem Jahr
Schon das erste Quartal 2026 hatte 4,73 Milliarden Dollar eingebracht; zusammen mit dem zweiten Quartal ergibt das rund 16,2 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr. Zum Jahresumsatz 2025 kursieren auseinanderlaufende Angaben, weshalb ein sauberer Jahresvergleich derzeit nur über die Quartale möglich ist.
Es handelt sich um vorläufige Angaben, die sich laut Bloomberg noch ändern können. Anthropic lehnte einen Kommentar ab.
Das Ergebnis liegt über den Erwartungen aus dem Frühjahr. CNBC hatte im Mai unter Berufung auf Investorenkreise 10,9 Milliarden Dollar für das zweite Quartal prognostiziert.
Das erstmals positive bereinigte operative Ergebnis ist kein Nettogewinn nach allen Kosten; welche Posten Anthropic herausrechnet, geht aus den Berichten nicht hervor.
Run-Rate wächst von 87 Millionen auf 47 Milliarden Dollar
Die annualisierte Run-Rate lag Anfang 2024 bei 87 Millionen Dollar und Ende 2024 bei einer Milliarde; im Mai 2026 nannte Anthropic offiziell 47 Milliarden Dollar.
Anthropic: annualisierte Run-Rate 2024 bis 2026
Umsatz-Run-Rate in Milliarden Dollar, jeweils zum genannten Monat. Die Werte kombinieren Firmenangaben und Medienberichte.
Zahlen als Tabelle
| Zeitpunkt | Run-Rate |
|---|---|
| Jan. 2024 | 0,087 Mrd. Dollar |
| Dez. 2024 | 1 Mrd. Dollar |
| Dez. 2025 | 9 Mrd. Dollar |
| Feb. 2026 | 14 Mrd. Dollar |
| März 2026 | 19 Mrd. Dollar |
| Apr. 2026 | 30 Mrd. Dollar |
| Mai 2026 | 47 Mrd. Dollar |
Ende Juli erreichte die Run-Rate offiziell 65 Milliarden Dollar, wie ein CNBC-Bericht über das Anthropic-Investoren-Update bestätigt. Eine zuvor von Salesforce-Chef Marc Benioff verbreitete Schätzung des Datendienstes TickerTrends von rund 74 Milliarden Dollar für Juli lag damit zu hoch. Bis Jahresende erwarten Investoren laut einem t3n-Bericht zu den Börsenplänen eine Run-Rate von 100 bis 120 Milliarden Dollar.
Was bedeutet Run-Rate?
Die Run-Rate rechnet den Umsatz des jüngsten Monats auf zwölf Monate hoch. Bei schnell wachsenden Firmen liegt sie deshalb weit über dem tatsächlichen Jahresumsatz, denn sie misst das aktuelle Geschäftstempo, nicht die Bilanz. Anthropics 47 Milliarden Dollar Run-Rate vom Mai bedeuten also nicht, dass am Jahresende auch 47 Milliarden in den Büchern stehen.
API-Geschäft und Claude Code liefern den Großteil der Erlöse
Rund 80 Prozent des Umsatzes stammen von Geschäftskunden, vor allem über die nutzungsabhängig abgerechnete API. Das geht aus Daten des Marktforschungsdiensts Sacra hervor, die zuletzt im Herbst 2025 aktualisiert wurden. Mehr als 300.000 Unternehmen zahlten demnach für den Zugang zu den Claude-Modellen, der Rest entfällt auf Privat-Abos wie Pro und Max.
Konkrete Produktzahlen hat Anthropic zuletzt im Februar veröffentlicht, in der offiziellen Mitteilung zur Series-G-Finanzierung. Das Programmierwerkzeug Claude Code erreichte damals eine Run-Rate von mehr als 2,5 Milliarden Dollar und hatte sich seit Jahresbeginn verdoppelt. Vier Prozent aller öffentlichen GitHub-Commits entstanden zu diesem Zeitpunkt mit Claude, und die Zahl der Kunden mit mehr als einer Million Dollar Jahresausgaben stieg binnen zwei Jahren von 12 auf über 500. Wie stark die Nachfrage inzwischen an die Kapazitätsgrenzen stößt, zeigt die drohende Kürzung des Claude-Code-Wochenlimits um 33 Prozent, die Anthropic mit knapper Rechenkapazität begründet. Seit August 2026 mietet Anthropic zusätzliche Kapazität ein, darunter im Nscale-Vertrag über rund 45 Milliarden Dollar für 460 Megawatt.
Was die Modelle hinter diesen Zahlen leisten, haben wir an anderer Stelle aufgeschlüsselt, im großen Vergleich Claude vs ChatGPT 2026 mit Preisen und API-Kosten und im Glossar-Eintrag zur KI-Modellfamilie Claude.
OpenAI kommt auf gut 40 Milliarden Dollar Run-Rate
Konkurrent OpenAI erreicht nach Bloomberg-Angaben eine Run-Rate von mehr als 40 Milliarden Dollar, etwa doppelt so viel wie Ende 2025. Bloomberg weist allerdings darauf hin, dass beide Firmen ihre Kennzahlen womöglich unterschiedlich berechnen; ein direkter Vergleich ist deshalb nur eingeschränkt möglich.
Auch OpenAI hat vertraulich Unterlagen für einen Börsengang eingereicht, gerechnet wird damit aber erst 2027. Der europäische Anbieter Mistral lag laut einer Sacra-Schätzung im Januar bei rund 400 Millionen Dollar Jahresumsatzrate. Im Oktober 2024 hatte OpenAI mit seiner damaligen Rekordbewertung von 157 Milliarden Dollar noch die Spitze der Branche markiert.
Google und Amazon verdienen über ihre Beteiligungen mit
Amazon, das Alexa mit Claude-Technik von Anthropic ausstattet, hat seit 2023 rund 8 Milliarden Dollar in Anthropic investiert und im April weitere 5 Milliarden nachgelegt, mit bis zu 20 zusätzlichen Milliarden abhängig von Meilensteinen. In der Bilanz zum ersten Quartal 2026 stand die Beteiligung mit 74,2 Milliarden Dollar. Im zweiten Quartal verbuchte der Konzern 53,4 Milliarden Dollar an Erträgen, die überwiegend aus der Aufwertung der Anthropic-Anteile stammen, bei 62,6 Milliarden Dollar Nettogewinn.
Google sagte im April bis zu 40 Milliarden Dollar zu, davon 10 Milliarden sofort und 30 Milliarden abhängig von Meilensteinen, wie der Axios-Bericht zur Google-Investition in Anthropic beschreibt. Beide Konzerne profitieren damit doppelt, als Cloud-Lieferanten und als Anteilseigner.
Amodei räumt uneingelöste Versprechen ein
Parallel zur Umsatzmeldung äußerte sich Firmenchef Dario Amodei am 15. August auf X zur Stimmung gegenüber der KI-Branche. „Die treffendste Kritik an KI-Firmen, Anthropic eingeschlossen, ist, dass wir unsere großen Versprechen an die Welt noch nicht eingelöst haben", schrieb er in einer Antwort an den Investor Gavin Baker. Die Ankündigung, KI werde Krebs heilen, sei inzwischen „eher ein Klischee als eine Inspiration", die meisten Menschen hielten sie für irreführend; überzeugen werde erst die tatsächliche Heilung. Den Vorwurf, seine eigene Kommunikation sei unverhältnismäßig negativ, wies er zurück.
Second, on the messaging around AI. I do not agree that my messaging has been disproportionately negative.
— Dario Amodei (@DarioAmodei) August 15, 2026
Börsengang im Oktober: Investoren rechnen mit zwei Billionen Dollar
Anthropic hat bereits am 1. Juni 2026 vertraulich einen Entwurf des Börsenprospekts bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. „Das gibt uns die Option, an die Börse zu gehen, sobald die SEC ihre Prüfung abgeschlossen hat", erklärte das Unternehmen damals laut NBC News zur SEC-Einreichung von Anthropic. Begleitet wird der Prozess von Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan; die rechtliche Vorbereitung läuft seit Dezember 2025 mit der Kanzlei Wilson Sonsini.
Finanzchef Krishna Rao, seit 2024 im Amt, führt seit Juli erste Gespräche mit Börseninvestoren, laut CNBC bislang ohne konkrete Bewertungs- oder Finanzangaben. Die häufig genannten zwei Billionen Dollar stammen aus Analysen der Investoren selbst; Anthropic hat keine Zielbewertung kommuniziert. Die letzte reale Marke setzte die Series-H-Runde im Mai mit 965 Milliarden Dollar.
| Runde | Zeitpunkt | Summe | Bewertung danach |
|---|---|---|---|
| Series E | März 2025 | 3,5 Mrd. $ | 61,5 Mrd. $ |
| Series F | September 2025 | 13 Mrd. $ | 183 Mrd. $ |
| Series G | Februar 2026 | 30 Mrd. $ | 380 Mrd. $ |
| Series H | Mai 2026 | 65 Mrd. $ | 965 Mrd. $ |
Bei zwei Billionen Dollar wäre Anthropic wertvoller als jedes Börsendebüt zuvor, auch als SpaceX mit seinem Rekord-Börsengang vom Juni, wie eine Heise-Analyse zum geplanten Anthropic-Börsengang vorrechnet. Eine Fortune-Analyse zur Anthropic-Bewertung hält dagegen, dass eine solche Bewertung nach üblichen Maßstäben 59 bis 79 Milliarden Dollar Jahresnettogewinn voraussetzen würde; Nvidia verdiente zuletzt 120,1 Milliarden Dollar, Alphabet 132 Milliarden. Avery Marquez vom Analysehaus Renaissance Capital sagte Fortune, die Nähe zur operativen Profitabilität lasse „diese sehr große Bewertung vielleicht nicht mehr ganz so verrückt erscheinen".
Als Zieltermin für das Listing gilt nach übereinstimmenden Berichten der Oktober. Die formelle Roadshow, bei der dann auch eine Preisspanne genannt wird, beginnt nach dem üblichen Ablauf einige Wochen vorher.