Beim Anthropic Nscale Deal mietet der Claude-Entwickler Anthropic laut Bloomberg für rund 45 Milliarden US-Dollar Rechenleistung beim Londoner Rechenzentrums-Startup Nscale. Der Vertrag läuft über sechs Jahre und umfasst etwa 460 Megawatt Kapazität aus Nscales neuem Großcampus in West Virginia, wie Bloomberg am 26. August unter Berufung auf eingeweihte Personen berichtet. Reuters übernahm die Meldung noch am selben Tag.
Eine offizielle Bestätigung gibt es bislang von keiner der beiden Firmen. Weder auf der Nachrichtenseite von Anthropic noch im Newsroom von Nscale findet sich eine Pressemitteilung zu dem Vertrag (Stand 27. August 2026).
460 Megawatt ab Ende 2027 aus West Virginia
Die gemietete Kapazität soll Anthropics Dienste ab Ende 2027 versorgen und basiert auf Nvidias kommender Chip-Generation Vera Rubin in NVL72-Systemen, so TechCrunch zum Nscale-Vertrag. 460 Megawatt entsprechen laut Bloomberg ungefähr dem Strombedarf von 345.000 US-Haushalten.
Microsoft sprang ab, Anthropic übernahm den Monarch-Campus
Der Standort des Deals war ursprünglich für Microsoft reserviert. Nscale und Microsoft kündigten den Campus im März 2026 gemeinsam an, Microsoft unterschrieb eine Absichtserklärung über die volle erste Ausbaustufe von 1,35 Gigawatt. Im Sommer 2026 zog sich der Konzern zurück, berichtet The Next Web zur Vorgeschichte des Vertrags. Anthropic übernahm den frei gewordenen Platz.
Der Monarch-Campus in Mason County, West Virginia, ist Nscales bislang größtes Projekt. Die erste Ausbaustufe umfasst laut der Nscale-Pressemitteilung zur KI-Fabrik in West Virginia 1,35 Gigawatt. Das Gelände von bis zu 2.250 Acres lässt einen Endausbau von bis zu 8 Gigawatt zu. Den Vollausbau beziffert The Next Web auf rund 71 Milliarden Dollar, davon etwa 47 Milliarden für die Chips. Weil das öffentliche Netz so viel Leistung nicht liefert, baut Nscale eigene Stromerzeugung auf, unter anderem mit Erdgasgeneratoren von Caterpillar; bis zur ersten Jahreshälfte 2028 sollen 2 Gigawatt Erzeugung stehen.
Wer ist Nscale? Vom Krypto-Ableger zum 51-Milliarden-Auftragsbuch
Nscale existiert erst seit Mai 2024 und sitzt auf Aufträgen von rund 51 Milliarden Dollar, den Anthropic-Vertrag noch nicht eingerechnet. Die Firma entstand als Abspaltung des australischen Bitcoin-Miners Arkon Energy, Gründer und Chef ist der Australier Josh Payne, Sitz ist London. Im Board sitzen unter anderem die frühere Meta-Managerin Sheryl Sandberg und Ex-Meta-Politikchef Nick Clegg.
Die Finanzierungsrunden wuchsen binnen 15 Monaten um mehr als das Zwölffache. Auf 155 Millionen Dollar Ende 2024 folgten 1,1 Milliarden im September 2025 und weitere 2 Milliarden im März 2026. Die letzte Runde war laut Computer Weekly zur Series-C-Runde die größte einzelne Eigenkapitalrunde der europäischen Startup-Geschichte und bewertete Nscale mit 14,6 Milliarden Dollar. Zu den Geldgebern zählen Nvidia, Dell, Nokia und die norwegische Aker-Gruppe.
| Zeitpunkt | Station |
|---|---|
| Mai 2024 | Gründung in London als Abspaltung des Bitcoin-Miners Arkon Energy |
| Dezember 2024 | Series A über 155 Millionen Dollar (Sandton Capital Partners) |
| September 2025 | Series B über 1,1 Milliarden Dollar unter Führung von Aker, mit Nvidia, Nokia und Dell; Ankündigung von Stargate UK mit OpenAI und Nvidia |
| Oktober 2025 | Microsoft-Vertrag über rund 14 Milliarden Dollar für etwa 116.000 zusätzliche Nvidia-GB300-Chips in Texas und Portugal; die gesamte Microsoft-Beziehung wächst damit auf rund 200.000 Chips für etwa 23 Milliarden Dollar |
| März 2026 | Series C über 2 Milliarden Dollar (Bewertung 14,6 Milliarden); Ankündigung des Monarch-Campus in West Virginia samt Microsoft-Absichtserklärung |
| 6. August 2026 | Bloomberg berichtet über rund 51 Milliarden Dollar Auftragsbestand |
| 21. August 2026 | Berichte über einen US-Börsengang mit bis zu 3 Milliarden Dollar Volumen, angepeilt für September |
| 26. August 2026 | Der Anthropic-Vertrag über rund 45 Milliarden Dollar wird bekannt |
Was ist ein Neocloud-Anbieter?
Als Neoclouds werden junge Rechenzentrums-Firmen bezeichnet, die sich auf das Vermieten von GPU-Rechenleistung für KI spezialisieren, statt wie die klassischen Cloud-Konzerne Amazon, Microsoft und Google ein breites Dienste-Angebot zu betreiben. Sie bauen schneller, finanzieren sich über wenige Großverträge und hängen dadurch stark an einzelnen Kunden.
Neben Nscale zählen dazu vor allem CoreWeave (börsennotiert), Nebius, Crusoe und Lambda. Auch Anthropics Rechenzentrums-Partner Fluidstack gehört in diese Kategorie.
Der Anthropic Nscale Deal reiht sich in eine Serie von Milliardenverträgen ein
Anthropic hat 2026 bereits mehrere Compute-Verträge in ähnlicher Größenordnung geschlossen, darunter im Mai einen Vertrag über fast 45 Milliarden Dollar mit SpaceX. Der sieht laut Yahoo Finance zum SpaceX-Vertrag Zahlungen von 1,25 Milliarden Dollar pro Monat bis Mai 2029 für Kapazität aus den Colossus-Rechenzentren in Memphis vor. Anfang August kamen 10 Milliarden Dollar für das norwegische Cloud-Startup Volta hinzu, TechCrunch nennt außerdem 5 Milliarden für AMD-Kapazität und 1,8 Milliarden für Akamai. Getrennt davon läuft Anthropics eigenes 50-Milliarden-Programm für US-Rechenzentren, das der Partner Fluidstack in Texas und New York baut.
Dazu kommen die großen Rahmen-Partnerschaften. Bei Google hat sich Anthropic bis zu eine Million TPU-Chips mit mehr als einem Gigawatt Leistung gesichert. Bei Amazon sind es laut der Anthropic-Ankündigung zum Amazon-Ausbau bis zu 5 Gigawatt Trainium-Kapazität für mehr als 100 Milliarden Dollar über zehn Jahre. Microsoft und Nvidia vereinbarten im November 2025 mit Anthropic ein Paket aus 30 Milliarden Dollar Azure-Rechenleistung und Investitionen von bis zu 15 Milliarden Dollar in das Unternehmen.
Anthropics bezifferte Compute-Mietverträge im Vergleich
Vertragssummen in Milliarden US-Dollar, Stand 27. August 2026. Der neue Nscale-Vertrag in Grün.
Zahlen als Tabelle
| Anbieter | Vertragssumme (Mrd. US-Dollar) |
|---|---|
| Nscale | 45 |
| SpaceX | 45 |
| Microsoft Azure | 30 |
| Volta | 10 |
| AMD | 5 |
| Akamai | 1,8 |
Hinter der Einkaufstour steht ein Kapazitätsengpass, den Anthropic selbst einräumt. Das Unternehmen meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von mehr als 11,5 Milliarden Dollar und stößt mit Diensten wie Claude Code an die Grenzen der verfügbaren Rechenleistung. Konkurrent OpenAI rechnet in noch größerem Maßstab. Mit Projekten wie Stargate und Verträgen mit Oracle, Broadcom, Nvidia und AMD hat sich das Unternehmen laut Medienberichten bereits Verpflichtungen von rund 1,4 Billionen Dollar aufgeladen.
Zwei Börsengänge im Hintergrund und Warnungen vor dem Geldkreislauf
Beide Vertragspartner steuern auf die Börse zu. Nscale strebt laut Berichten über den geplanten Nscale-Börsengang schon im September ein US-Listing mit bis zu 3 Milliarden Dollar Emissionsvolumen an, zuletzt wurde die Firma mit 14,6 Milliarden Dollar bewertet. Bei Anthropic wird ein Börsengang noch in diesem Herbst erwartet; Bloomberg wertet den Nscale-Vertrag als Kapazitätssicherung vor genau diesem Schritt. Zuletzt bewerteten Investoren den Claude-Entwickler mit rund 965 Milliarden Dollar, auch das interne Modellprogramm rund um Anthropic Model 2 speist diese Erwartung.
Investor Michael Burry beschreibt die KI-Deals als zirkuläres Finanzierungsnetz mit Nvidia im Zentrum, weil Chiphersteller ihre eigenen Großkunden mitfinanzieren; Nvidia ist bei Nscale Investor und zugleich Lieferant der Vera-Rubin-Systeme. CNBC-Moderator Jim Cramer verglich solche Konstruktionen im Juli mit der Lieferantenfinanzierung der Dotcom-Ära.
Ob und wann Anthropic und Nscale den Vertrag offiziell bestätigen, ist offen. Der nächste feste Termin ist der geplante Nscale-Börsengang im September, für den die Firma ihre Auftragslage gegenüber Investoren offenlegen muss.