Amazon Selling Partner Plugin:
Amazon-Konto im Claude-Chat steuern

Wir denken. KI tippt mit.

Lesezeit: 15 Minuten
Veröffentlicht: 02.10.2026
Aktualisiert: 10.10.2026
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Markus Schulte

AI Solution Development, Autor

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Amazon hat am 23. September 2026 auf seiner Händlerkonferenz Accelerate in Seattle das Amazon Selling Partner Plugin vorgestellt. Es bringt den KI-Assistenten Seller Assistant aus Seller Central in fremde KI-Tools, zuerst in Amazon Quick und als Beta in Claude von Anthropic. Händler fragen dort nach Umsatz, Lagerbestand und Listing-Problemen, bekommen Empfehlungen aus ihren eigenen Amazon-Daten und geben Preis- oder Listing-Änderungen frei, ohne Seller Central zu öffnen. Das schreibt Amazon in der Ankündigung zum Selling Partner Plugin.

Seller Assistant selbst merkt sich ab sofort Preismuster, Lagerzyklen und Wachstumsziele jedes Verkäufers dauerhaft (Amazon nennt das „persistent memory“). Und er führt Seller Assistant Workflows aus, also Daueraufträge, die rund um die Uhr laufen, auch wenn niemand eingeloggt ist. Die Beta des Plugins gilt vorerst nur für Händler in den US-Stores. Mary Beth Westmoreland, bei Amazon Vice President für die weltweite Händlererfahrung, beschrieb das Ziel gegenüber GeekWire zur Öffnung der Amazon-Händlertools. Händler sollten sich nie mehr in Seller Central einloggen müssen. Amazon bringe die Werkzeuge dorthin, wo sie arbeiten.

Headline der Amazon-Ankündigung vom 23. September 2026: Amazon gives sellers an even smarter Seller Assistant and a new plugin for Amazon Quick and Anthropic’s Claude
Die Headline der Amazon-Ankündigung vom 23. September 2026 nennt den smarteren Seller Assistant und das neue Plugin für Amazon Quick und Claude. (Quelle: https://www.aboutamazon.com/news/innovation-at-amazon/seller-assistant-plugin-amazon-quick-claude)

Vom Fragen-Beantworter zum Daueragenten: Seller Assistant in drei Stufen

Seller Assistant startete am 19. September 2024 als Beta unter dem Codenamen Project Amelia, damals als Chatbot, der Fragen aus der Amazon-Wissensdatenbank beantwortete und Geschäftszahlen lieferte. Amazons neue Ankündigung datiert den Start auf 2023, die Amazon-Meldung zu Project Amelia nennt jedoch den 19. September 2024. Am 17. September 2025 folgten die agentischen Funktionen, seitdem plant und handelt der Assistent mit Erlaubnis des Händlers. Laut der Amazon-Meldung zum agentischen Seller Assistant läuft er auf Amazon Bedrock mit den Modellen Amazon Nova und Anthropic Claude. Seit dem 3. März 2026 gibt es in den USA und Großbritannien den Canvas, eine Arbeitsfläche, auf der Händler Szenarien mit Live-Daten durchrechnen.

Die dritte Stufe vom 23. September 2026:

  • Gedächtnis: Der Assistent behält Preismuster, Lagerzyklen und Ziele des Händlers über Sitzungen hinweg. Das Gedächtnis folgt ihm laut Amazon in Seller Central, Quick und Claude.
  • Workflows: Automationen in Alltagssprache, die dauerhaft Bedingungen überwachen und reagieren, mit Freigabe durch den Händler und vollständigem Protokoll.
  • Selling Partner Plugin: Seller Assistant samt Daten und Handlungsfähigkeit in Amazon Quick und Claude, weitere Integrationen sollen folgen.

Chris Jones, bei Amazon Director für Seller Assistant, beschrieb den Sprung gegenüber dem französischen Portal Clubic im Interview zu Seller Assistant als Wechsel von einer Handvoll agentischer Experimente hin zum gesamten Geschäft des Händlers. Die bisherigen Funktionen sind laut Amazon bei über 90 Prozent der Händler weltweit in deren Landessprache ausgerollt.

Workflows: Der Assistent arbeitet, während der Händler schläft

Ein Workflow ist ein Dauerauftrag in Alltagssprache, den Seller Assistant ohne erneute Aufforderung ausführt. Bisher musste der Händler jede Aufgabe anstoßen („passe den Preis für diese ASIN an“). Jetzt beschreibt er einmal, was er will, setzt Leitplanken und lässt den Auftrag laufen. Beispiele aus der Ankündigung. Einfach: „Warne mich, wenn eines meiner zehn Top-Produkte unter vier Sterne fällt, und entwirf einen Reaktionsplan.“ Komplex: „Beobachte meine Top-Kategorie auf Lücken bei der Konkurrenz. Wenn du eine siehst, passe meine Preise an und frische die Listings auf.“

Fertige Vorlagen überwachen die Kontogesundheit, fassen Bestellungen zusammen, analysieren Preistrends und suchen Produkte, die sich zum Sortiment ergänzen lassen. Für jeden Workflow, ob Vorlage oder Eigenbau, legt der Händler fest, ob er nur Empfehlungen liefert oder selbst handelt. Handelt er, prüft und genehmigt der Händler die Aktion vorher. Jede Aktion landet in einem Prüfprotokoll (Audit Trail). Im PYMNTS-Interview zu den Seller-Assistant-Workflows mit Westmoreland beschreibt das Portal als weiteres Beispiel einen Workflow, der Werbebudget verschiebt, sobald sich in einer Kategorie eine Chance zeigt.

Jones gestand gegenüber Clubic das Fehlerrisiko offen ein. KI bleibe als Technik von Natur aus unvorhersehbar. Amazon hat Seller Assistant deshalb einen zweiten Agenten zur Seite gestellt, der als Kritiker alles prüft, was der Assistent tut, und Fehler unterwegs korrigiert. Weitere Kontrollen überwachen die Leistung über längere Zeit. Es sei nicht ein Modell, sondern ein Verbund mehrerer Modelle, so Jones. Für Aktionen mit Auswirkung aufs Geschäft frage Amazon in der Regel um Erlaubnis. Mit wachsendem Vertrauen will Amazon den Händlern laut Clubic schrittweise mehr Spielraum geben.

Eine Preisregel, die unter normalen Marktbedingungen funktioniert, kann laut Small Business Trends zur 24/7-Automation im Seller Assistant ein unerwünschtes Ergebnis liefern, wenn die Konkurrenz schnell reagiert oder die eigenen Kosten steigen. Das Portal rät, mit reinen Empfehlungs-Workflows zu beginnen, enge Leitplanken zu setzen und das Protokoll zu lesen, bevor man mehr Autonomie erlaubt.

So kommt das Amazon Selling Partner Plugin in Claude

In Claudes Verzeichnis ist das Plugin als Connector gelistet, unter dem Namen „Amazon Selling Partner MCP“, mit dem Siegel „Anthropic verified“, dem Vermerk „Made by Amazon“ und dem Hinweis „Currently in beta“. Der Eintrag des Amazon Selling Partner Connectors im Claude-Verzeichnis nennt acht Werkzeuge, darunter eines für Lesezugriffe, eines für Schreibzugriffe und zwei, die eine Seller-Assistant-Anfrage anlegen und abholen. Die Anmeldung läuft laut Amazons Repository über den normalen Seller-Central-Zustimmungsdialog per OAuth. Der Assistent darf danach nur die Werkzeuge nutzen, die die Seller-Central-Rollen des angemeldeten Nutzers erlauben. Die Verzeichnisseite erscheint auf Deutsch, der Knopf „Zu Claude hinzufügen“ startet die Anmeldung. Die Verbindung dauert laut Amazon rund 60 Sekunden, ohne eine Zeile Code. Das Siegel bedeutet laut Anthropic ausdrücklich keinen Security-Audit, was die Stufen Verified, Community und Custom abdecken, steht im Artikel zum Claude Marketplace und seinen Prüfstufen.

Kopf der Connector-Seite Amazon Selling Partner im Claude-Verzeichnis mit Amazon-Logo, dem Untertitel Amazon Selling Partner MCP, Prüfsiegel und dem Knopf Zu Claude hinzufügen
Der Connector „Amazon Selling Partner“ im Claude-Verzeichnis von Anthropic, mit Prüfsiegel und dem Knopf „Zu Claude hinzufügen“. (Quelle: https://claude.com/marketplace/connectors/amazon-selling-partner)

Amazon betreibt dafür einen MCP-Server unter sellingpartner-ai.amazon.com, den Claude als Connector anspricht. Dazu kommt ein Plugin-Paket mit elf Skills und drei Befehlen, das Amazon am 21. September 2026 unter Apache-2.0-Lizenz auf GitHub angelegt hat. Anthropic nahm es am 23. September in sein offizielles Plugin-Verzeichnis auf. Der zugehörige Pull Request im Anthropic-Repository claude-plugins-official nennt als Anlass die Ankündigung auf Accelerate. Die Skills bestehen nur aus Markdown-Anweisungen, ohne Skripte und ohne Hooks.

BereichSkills im PluginWas sie tun
Verkauf und Bestandseller-analytics, stockout-preventionUmsatz- und Traffic-Auswertung, Warnung vor Ausverkauf; der Bestands-Skill gibt keine Preisempfehlung, sondern entwirft nur die Änderung, die der Händler nennt
Versand an Amazonfba-inbound-managementKompletter Ablauf einer FBA-Anlieferung von der Planung bis zur Bestätigung, jede Stufe mit Freigabe; bei Lagerverteilung und Transport, die Gebühren auslösen, muss der Händler wörtlich „CONFIRM“ tippen, ein „ok“ reicht nicht
Listingslisting-troubleshooter, listing-issues, listing-buyability, listing-searchability, listing-complianceFehlersuche, Kaufbarkeit, Auffindbarkeit und Regelkonformität einzelner Angebote
Konto und Supportinvite-secondary-users, support-case-helperAnleitung, wie Mitarbeiter Zugriff bekommen; Vorbereitung eines Supportfalls ohne personenbezogene Daten, Absenden nur nach Bestätigung
Wissensp-api-knowledgeNachschlagewerk zur Selling Partner API
Befehle/sp-stockout-check, /sp-fix-listing, /sp-sales-dropAbkürzungen für Bestandsprüfung, Listing-Reparatur und Umsatzeinbruch-Analyse

Ein Skill für Werbekampagnen fehlt in der Liste. Der E-Commerce-Personalvermittler Pare schreibt in seinem Bericht zu den KI-Tools von Accelerate 2026 ebenfalls, Werbedaten seien in der Beta ausgeschlossen. Die Quelle nennt dafür keine Namen. Der Kontoinhaber oder ein Administrator schaltet Mitarbeiter ohne Hauptkonto in Seller Central unter „Manage Your Permissions“ und dann „Manage Agents“ frei. Dort gibt es zwei Schalter, einen für die Agentenfreigabe und einen für die Autorisierung von Zweitnutzern. Schreibaktionen bleiben laut dem Amazon-Repository selling-partner-agentic-toolkit auch dann standardmäßig genehmigungspflichtig.

Plugin, Connector oder Skill? Drei Wörter für ein Paket

Amazon sagt „Plugin“, Claudes Verzeichnis sagt „Connector“, das Repository liefert „Skills“. Alle drei Bezeichnungen treffen zu. Ein Connector ist die Anbindung an einen fremden Dienst über einen MCP-Server, hier Amazons Server für Händlerdaten. Ein Skill ist eine wiederverwendbare Anleitung, die Claude automatisch heranzieht, wenn sie zur Aufgabe passt. Ein Plugin bündelt laut der Claude-Hilfeseite zu Plugins Skills, Connectors und Subagenten zu einem Paket. Der Connector allein steht laut Anthropic-Hilfe allen Claude-Nutzern offen, Plugins gibt es nur in den bezahlten Tarifen Pro, Max, Team und Enterprise. Welcher Tarif für die Amazon-Anbindung nötig ist, sagen weder Amazon noch Anthropic ausdrücklich.

Amazon Quick: Ein Gratisjahr für jeden Kontoinhaber

Jeder primäre Inhaber eines Verkäuferkontos kann sich weltweit bis zum 31. Dezember 2026 für zwölf Monate für Amazon Quick Plus ohne Kosten anmelden und zwei Mitarbeiter mit einem Gratisjahr ausstatten. Quick ist der KI-Arbeitsassistent von AWS. Er schreibt Dokumente und Tabellen, recherchiert, liest E‑Mails, Kalender und Dateien mit und läuft auf Handy, Web und Desktop. Er startete am 9. Oktober 2025 als „Quick Suite“ für Unternehmenskunden. Seit dem 28. April 2026 gibt es Free- und Plus-Tarife ohne AWS-Konto.

TarifPreis pro Nutzer und MonatNutzer je Konto
Free0 $1
Plus20 $ bei Jahreszahlung, 25 $ bei Monatszahlungbis 300
Max100 $ bei Jahreszahlung, 125 $ bei Monatszahlungbis 300

Preise laut der Preisseite von Amazon Quick, Stand 24. September 2026. Das Gratisjahr entspricht damit einem Gegenwert von 240 Dollar pro Person bei Jahreszahlung, für drei Personen 720 Dollar. Plus ergänzt gegenüber Free geteilte Arbeitsbereiche (Shared Spaces), Browser- und Microsoft-365-Erweiterungen, Nutzerverwaltung und 10 GB Speicher je Nutzer. Max verfünffacht Nutzungs- und Speicherkapazität. Ob nach dem Gratisjahr eine Zahlpflicht automatisch beginnt, sagt Amazon nicht. Mit dem Plugin sieht Quick die Amazon-Daten neben Finanz-, Marketing- und Fertigungsdaten des Händlers. Händler bauen in Quick eigene KI-Agenten, z. B. einen Preis-, Listing- oder Nachschub-Agenten, und Quick zeigt vor jeder Aktion, was es vorhat, und wartet auf die Freigabe. Jigar Thakkar, bei AWS Vice President für Agentic AI for Business, nennt das in der Amazon-Ankündigung einen „context-backed agent“, der das gesamte Geschäft abbildet.

Preisseite von Amazon Quick mit den Tarifen Free für 0 Dollar, Plus für 20 Dollar und Max für 100 Dollar pro Nutzer und Monat samt Funktionsübersicht
Die Tarife von Amazon Quick, Stand 24. September 2026: Free, Plus für 20 Dollar und Max für 100 Dollar pro Nutzer und Monat bei Jahreszahlung. (Quelle: https://aws.amazon.com/quick/pricing/)

Der Sneaker-Zubehör-Händler Proof Culture dient Amazon als Vorzeigefall. Sein Agent, laut Clubic mit Amazon Bedrock gebaut und in Quick genutzt, erkannte laut PYMNTS einen bevorstehenden Sneaker-Release, prüfte den Amazon-Bestand, empfahl Nachschub, entwarf eine Bestellung und eine E-Mail an die Mitarbeiter. James Oliver, Gründer der Marke Atlas Bar, wird in der Amazon-Ankündigung mit den Worten zitiert, er habe früher Stunden damit verbracht, Amazon-Daten von Hand in KI-Tools zu bringen, jetzt sei alles eingebaut.

Nur US-Stores: Was Amazon-Verkäufer in Deutschland bekommen

Das Plugin gibt es in der Beta nur für Verkäufer in Amazons US-Stores, eine internationale Ausweitung ist angekündigt, aber ohne Datum. Chris Jones sagte gegenüber Clubic, es gebe für die internationalen Märkte keinen festen Zeitplan. Für Frankreich berichtet Clubic, ein großer Teil der neuen Funktionen komme in den kommenden Monaten im Rahmen eines schrittweisen weltweiten Rollouts. Das Gratisjahr für Quick Plus gilt dagegen ausdrücklich weltweit. Rund 47.000 kleine und mittlere Unternehmen aus Deutschland verkaufen laut dem Amazon KMU-Report 2025 über Amazon. Ihr Exportumsatz lag 2024 bei 5,7 Milliarden Euro.

Das Claude-Verzeichnis ist öffentlich, auch deutsche Verkäufer sehen den Connector dort. Ob sich ein europäisches Verkäuferkonto mit zusätzlichem US-Marktplatz anmelden lässt, sagt Amazon nicht.

230.000 Nutzer und zwei verschiedene 90 Prozent

Seller Assistant hatte 2025 mehr als 230.000 Nutzer pro Monat, und die Händler nahmen mehr als 90 Prozent seiner Empfehlungen an. Beide Zahlen stehen im Amazon Small Business Empowerment Report 2025 vom 30. April 2026. In der neuen Ankündigung spricht Amazon nur noch von „hundreds of thousands of active users“. Die zweite 90-Prozent-Zahl der Ankündigung betrifft die Händler selbst. 90 Prozent von ihnen nutzen bereits KI-Tools von Drittanbietern für ihr Geschäft. Das ist Amazons Begründung für das Plugin, keine Nutzungsquote des Plugins. Eine Studie hinter dieser Zahl nennt Amazon nicht.

0
Nutzer pro Monat hatte Seller Assistant 2025
0
Annahmequote der Empfehlungen (Untergrenze, laut Amazon „mehr als“)
0
der verkauften Einheiten kamen im 2. Quartal 2026 von Drittanbietern
0
Skills bringt das Plugin nach Claude mit

Die Sparte „Third-party seller services“ brachte im zweiten Quartal 2026 laut dem Amazon-Quartalsbericht zum zweiten Quartal 2026 46,8 Milliarden Dollar, 16 Prozent mehr als im Vorjahr, bei einem Gesamtumsatz von 200,6 Milliarden Dollar. Das ist laut GeekWire mehr, als AWS im selben Quartal umgesetzt hat. Das Werbegeschäft, zu dem die gesponserten Angebote der Händler gehören, lag bei 19,8 Milliarden Dollar, ein Plus von 26 Prozent. Diese Gebühren sind einer der Streitpunkte in der Kartellklage der US-Handelsbehörde FTC gegen Amazon, deren Verhandlung laut GeekWire für März 2027 in Seattle angesetzt ist. Amazon nennt die Klage in den Fakten und im Recht falsch.

Datenschutz: Was Amazon verspricht und was das Repository sagt

Amazon schreibt, Seller Assistant halte Händlerdaten in Amazons Infrastruktur und teile sie nie außerhalb von Amazon. Dieser Satz steht im Absatz über den Assistenten selbst, der auf Amazon Bedrock läuft. Für das Plugin heißt es nur, die externen Verbindungen änderten nichts daran, wie Amazon Händlerdaten schützt. Laut Repository senden die Skills die Werkzeugaufrufe, die sie im Auftrag des Händlers auslösen (z. B. Abfragen zu Bestand, Umsatz, Listing-Status oder eine entworfene Preisänderung), samt Parametern wie Merchant Token, Marktplatz und SKU. Die Skills schicken keine Daten an Endpunkte außerhalb von Amazon und speichern Kontokennungen nicht über die Sitzung hinaus. Der Prompt-Text des Verkäufers und alle Antworten unterliegen aber den Bedingungen des jeweiligen KI-Assistenten, im Fall von Claude also denen von Anthropic.

Anthropic nutzt laut seiner Datenschutz-Hilfeseite zum Modelltraining rohe Inhalte aus Connectors, auch aus entfernten MCP-Servern, nicht zum Training. Was Claude aus diesen Daten in die Unterhaltung übernimmt, gehört aber zur Unterhaltung. Für Free, Pro und Max kündigte Anthropic am 28. August 2025 an, Chats fünf Jahre zu speichern, wenn der Nutzer das Training erlaubt, sonst 30 Tage. Geschäftstarife wie Team und Enterprise nimmt Anthropic standardmäßig vom Training aus. Angebundene Dienste verarbeiten Daten auf eigener Infrastruktur und nach eigenen Regeln, so die Claude-Hilfeseite zu Connectors. Der Datenschutz-Link im Verzeichniseintrag führt auf die allgemeine Amazon.com Privacy Notice, eine plugin-eigene Erklärung gibt es nicht.

Umgekehrt sieht Amazon laut GeekWire die übrigen Geschäftsdaten im KI-Assistenten des Händlers nicht. Der Händler wählt laut Westmoreland aus, welche Datentypen das Plugin erreichen darf, kann den Zugriff widerrufen und muss jede Aktion ausdrücklich freigeben (das Prinzip Human in the Loop). Claude selbst zeigt im Verzeichnis den Standardhinweis, Anthropic kontrolliere nicht, welche Werkzeuge Entwickler bereitstellen, und könne nicht garantieren, dass sie wie vorgesehen funktionieren.

Meta Muse gesperrt, Claude zugelassen: Amazon bestimmt, wer andocken darf

Wenige Tage vor der Ankündigung hatte Amazon Muse, den neuen Einkaufsagenten von Meta, aus seinem Store ausgesperrt. Fremde Agenten müssten sich identifizieren und die Regeln der Seiten befolgen, die sie nutzen, so Amazon laut GeekWire. Amazon ist Großinvestor bei Anthropic. Amazon hat laut seiner Meldung zur Anthropic-Investition vom April 2026 bislang 13 Milliarden Dollar in das Unternehmen gesteckt, bis zu 20 weitere Milliarden hängen an kommerziellen Meilensteinen. Anthropic verpflichtet sich im Gegenzug, in zehn Jahren über 100 Milliarden Dollar bei AWS auszugeben. Allein die Vorzugsaktien an Anthropic standen zum 30. Juni 2026 laut Amazons Quartalsbericht 10-Q an die SEC mit rund 92,5 Milliarden Dollar in der Bilanz, dazu kommen Wandelanleihen. Wie Alexa+ mit Claude-Modellen läuft auch Seller Assistant über Amazon Bedrock.

Amazons Investitionen in Anthropic in Milliarden Dollar

Drei Tranchen sind gezahlt, die vierte ist an Meilensteine gebunden und noch offen.

Quelle: Amazon-Meldung zur Anthropic-Investition, 20. April 2026, sowie Anthropic-Mitteilung zur AWS-Vereinbarung vom selben Tag. Die Tranchen 2023 und 2024 nach Berichten von TechCrunch zur ersten Anthropic-Investition und CNBC zur zweiten Tranche; 2023 war zunächst eine Zusage über bis zu 4 Milliarden. Die 20 Milliarden sind ein Höchstbetrag, kein gezahlter Wert.
Zahlen als Tabelle
ZeitpunktBetrag
September 20234 Mrd. $
November 20244 Mrd. $
April 20265 Mrd. $
Offen, an Meilensteine gebundenbis zu 20 Mrd. $

Anthropic arbeitet seit dem 2. September 2026 auch von der anderen Seite am Handel. Damals stellte das Unternehmen laut seinem Entwickler-Post auf X zu den Claude Commerce Agents die „Claude Commerce Agents“ als Open Source bereit, eine Blaupause für Einkaufs- und Händleragenten. Erste Nutzer waren laut Digital Commerce 360 zu den Commerce-Funktionen von Claude Shopify, Visa, Mastercard und Accenture. Shopify hat einen eigenen Connector im Claude-Verzeichnis, über den Händler Bestände, Rabattcodes und Bestellungen verwalten. OpenAI hat den Instant Checkout in ChatGPT im März 2026 wieder zurückgenommen und konzentriert sich auf die Produktsuche. Google stellte im Januar 2026 das Universal Commerce Protocol für Einkaufsagenten vor, Microsoft Copilot Checkout und Brand Agents. Alle drei richten sich an Käufer, nicht an Händler.

We've built this in a way that should be modular enough for us to continue to publish plugins.
Mary Beth Westmoreland, Vice President Worldwide Selling Partner Experience bei Amazon, gegenüber GeekWire am 23. September 2026

Amazon kündigt weitere Integrationen ohne Namen und Datum an. Accelerate 2026 lief vom 22. bis 24. September im Seattle Convention Center. Im Vorjahr stellte Amazon die General Sessions und ausgewählte Vorträge laut seinem Händlerblog zu den Accelerate-2025-Aufzeichnungen am 24. September 2025 online, sechs Tage nach Konferenzende.

Häufige Fragen zum Amazon Selling Partner Plugin

Was kostet das Amazon Selling Partner Plugin?

Amazon nennt keinen Preis für das Plugin. Gegenüber Reuters sagte Mary Beth Westmoreland, der neue Agent sei für alle Händler kostenlos und freiwillig. Kosten entstehen nur indirekt. Nach dem Gratisjahr kostet Quick Plus 20 Dollar pro Nutzer und Monat bei Jahreszahlung, und ein Claude-Tarif wird separat bezahlt.

Welchen Claude-Tarif benötigt der Amazon-Connector?

Amazon und Anthropic machen dazu keine Angabe. Laut Anthropic-Hilfe stehen Connectors aus dem Verzeichnis allen Nutzern offen, auch im Free-Tarif, während Plugins mit Skills nur in Pro, Max, Team und Enterprise laufen. In Team- und Enterprise-Konten muss ein Owner Connectors erst für die Organisation freischalten und kann pro Werkzeug festlegen, ob es immer erlaubt, genehmigungspflichtig oder gesperrt ist.

Gibt es das Plugin für Händler auf amazon.de?

Nein, die Beta gilt nur für Verkäufer in Amazons US-Stores. Chris Jones von Amazon nannte gegenüber Clubic keinen Zeitplan für andere Märkte. Seller Assistant selbst ist laut Amazon bei über 90 Prozent der Händler weltweit in Landessprache verfügbar, und das Gratisjahr für Amazon Quick Plus können primäre Kontoinhaber weltweit bis zum 31. Dezember 2026 buchen.

Ist Seller Assistant dasselbe wie die Browser-Erweiterung Seller Assistant?

Nein. Amazons Seller Assistant ist der KI-Assistent in Seller Central. Das gleichnamige Drittanbieter-Tool unter sellerassistant.app ist eine Browser-Erweiterung zur Produktrecherche. Sie stammt nicht von Amazon, bezeichnet sich aber als Amazon Software Partner und taucht in Suchergebnissen zu den neuen Funktionen mit auf.

Kann das Plugin Werbekampagnen steuern?

Einen Werbe-Skill gibt es nicht. Die elf Skills im Amazon-Repository decken Umsatz, Bestand, FBA-Anlieferung, Listings, Mitarbeiterzugang und Support ab, aber keine Werbung. Drittanbieter wie Ad Badger und Intentwise haben laut dem Personalvermittler Pare eigene KI-Chat-Anbindungen für diese Lücke gebaut.

Wie lässt sich der Zugriff wieder entziehen?

Der Händler kann den Zugriff laut Westmoreland jederzeit widerrufen. Für Mitarbeiter läuft die Freigabe und der Entzug in Seller Central unter Manage Your Permissions und Manage Agents. Auf Claude-Seite lässt sich der Connector wie jeder andere in den Einstellungen trennen. Was bis dahin im Chatverlauf steht, bleibt dort und unterliegt Anthropics Speicherfristen.

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